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Gespräch im Gerichtssaal: Jürgen R. (46, Mitte), früher Pater Georg, bespricht sich mit seinem Verteidiger Jost Hartman-Hilter aus Bad Tölz (rechts). R. sitzt seit April in Untersuchungshaft und wurde von Wachtmeistern vorgeführt. 

Neuauflage des Ettaler Missbrauchsprozesses

Ex-Pater Georg droht lange Haftstrafe

München/Ettal – Der ehemalige Benediktinerpater Georg muss sich seit Donnerstag erneut wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht verantworten. Denn der Missbrauch an einem der Buben war weit schwerer als ursprünglich angenommen. Der Ex-Pater hat bereits gestanden.

Vor rund eineinhalb Jahren trat Pater Georg (46) aus dem Kloster Ettal (Kreis Garmisch-Partenkirchen) mit erhobenem Kopf, in Anzug und Krawatte in die Anklagebank. Offen blickte er in die Kameras, die ihn fotografierten. Nun wird er mit gesenktem Kopf von zwei Wachtmeistern aus dem Zellentrakt in den Gerichtssaal geführt. Er trägt Jeans und ein blaues T-Shirt, die Haare sind rausgewachsen. Es wirkt, als ob ein anderer Mann auf der Anklagebank Platz nimmt. Doch es ist derselbe. Es ist der Absturz eines Paters – der er inzwischen nicht mehr ist. Der Vatikan hat ihn aus dem Benediktinerorden ausgeschlossen, er darf das Priesteramt nicht mehr ausüben. Er ist jetzt wieder Jürgen R..

Als solcher sitzt er seit 27. April in Untersuchungshaft und muss sich seit Donnerstag erneut wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht München II verantworten. Diesmal wiegen die Vorwürfe aber weit schwerer als beim ersten Gerichtsverfahren. Der Fall hat sich immer mehr gewendet. Hatte R. Anfang 2015 noch jeglichen Missbrauch bestritten, so legte er am vierten Verhandlungstag ein Geständnis ab. Das Gericht verurteilte ihn im März 2015 wegen Missbrauchs an drei Kindern zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung. Ein viertes Opfer wurde ausgeklammert. Denn während dessen Vernehmung vor Gericht stellte sich heraus, dass die Taten schlimmer waren als in der Anklage beschrieben. Deshalb klagte die Staatsanwaltschaft erneut an.

Verteidiger Jost Hartman-Hilter kündigte schon vor dem Prozess an: Sein Mandant werde nichts bestreiten und sein Bedauern äußern. Er wolle dem Opfer eine weitere Aussage ersparen und „keine weitere negative Publicity für Ettal“.

Jürgen R. gibt dann am Donnerstag auch zu, was in der neuen Anklage steht. Darin geht es um zehnfachen sexuellen und fünffachen schweren sexuellen Missbrauch eines damals zwölf- bis 13-jährigen Buben. Während Pater Georg das Kind im Schuljahr 2003/2004 als Präfekt im Internat betreute, sei es im Präfektenzimmer zu den Übergriffen gekommen. So habe er etwa mit dem Buben einen Film angesehen und Rotwein getrunken. Anschließend habe er sich an dem Kind vergriffen und sich von ihm sexuell befriedigen lassen. Genauere Angaben macht der 46-Jährige nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Jürgen R. droht nun eine Gefängnisstrafe. In einem Rechtsgespräch wurde schon einmal der Rahmen abgesteckt. Die Staatsanwältin stellt sich eine Haftstrafe von acht bis neuneinhalb Jahren vor. Der Verteidiger will erreichen, dass R. höchstens fünf Jahre eingesperrt wird. Das Gericht geht vorläufig im Fall eines vollständigen Geständnisses von einer Gefängnisstrafe von sieben bis acht Jahren aus. Eine Einigung kam jedoch nicht zustande.

Im Kloster Ettal ist man derweil entsetzt über den neuerlichen Missbrauchsprozess. Abt Barnabas Bögle sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass das Benediktinerkloster zehn Jahre lang von Pater Georg angelogen worden sei. Aus dem Kloster heißt es auch, dass die Abtei bei dem neuen Prozess keine Kosten für den ehemaligen Pater übernehme. Im letzten Prozess hatte sie das noch getan. Trotz eines ersten polizeilichen Geständnisses des Angeklagten investierte das Kloster noch viel Geld in Anwälte und Gutachten. Opfer und Zeugen wurden auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft.

Der Prozess dauert an.

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