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G7-Gipfel: Sammelstelle für Festgenommene

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G7-Gipfel Garmisch-Partenkrichen 2015
Ein Polizist steht am Dienstag im Abrams-Komplex, der eigenes für den G7-Gipfel als Polizei- und Justizzentrum eingerichtet wurde, im Türrahmen eines Container-Gefängnis, das im Innenhof für bis zu 200 Gefangene aufgebaut wurden. © dpa

Garmisch-Partenkirchen - Falls Demonstranten beim G7-Gipfel gewalttätig werden, kann die Polizei bis zu 160 von ihnen vorübergehend einsperren. Es gibt nun eine Sammelstelle.

Zellen 1 bis 18 geradeaus, Zellen 19 bis 40 links. Ein nüchternes Container-Dorf mit zwei Gängen, jede Tür gleicht der anderen. Dahinter verbergen sich schwere, weiße Gittertüren, die in die Zelle führt. Bislang sind dort an der Wand nur einfache schwarze Sitzbänke aus Holz angebracht. Es riecht nach Kunststoff. Alles neu und steril. Zwei kleine Luftschlitze sind der einzige Kontakt mit Tageslicht. Von Komfort will Raimund Wildmann, Dozent der Kriminalwissenschaften an der Fachhochschule für Polizei in Fürstenfeldbruck, nicht sprechen. Aber „wir wollen es den Gefangenen so bequem wie möglich machen“. Mit Rollmatratzen, selbst steuerbarer Heizung, Klimaanlage, Licht und einem Alarmknopf sowie einem „Begrüßungssnack“, sagt Wildmann.

Ein Getränk und einen Riegel gibt’s für jeden, der sich beim G7-Gipfel nicht an die Regeln hält und im Abrams-Komplex, einem früheren Stützpunkt der US-Streitkräfte in Garmisch-Partenkirchen, landet. Dort werden alle Straffälle während des Großereignisses abgearbeitet. 160 böse Buben können im mobilen Gefängnis untergebracht werden, vier pro Zelle. Doch festgehalten werden nur die wirklich schweren Jungs. Für viele soll die „Behandlungsstraße“ im Freien enden. So nennen die 100 bis 200 Kriminalbeamten, die im Abrams-Komplex Tür an Tür mit Staatsanwälten und Richtern der Amtsgerichte Garmisch-Partenkirchen und München arbeiten, den Weg der Randalierer durchs Gebäude.

Sammelstelle für G7-Gipfel-Festgenommene steht im Abrams-Komplex 

Der Eingang wirkt noch einladend, mit einem roten, altmodischen Plüschteppich und Stuckverzierungen an den Decken. Fast nobel. An einem Schreibtisch nehmen zwei Beamte die Personalien auf. Ein Schild an der Wand weist auf die „GeSa“, die Gefangenen-Sammelstelle, hin. Bei der Registrierung soll schon geklärt werden, ob der Festgenommene ein Fall für die Richter ist oder nur eine Ordnungswidrigkeit begangen hat. „Wir wollen große Stauzeiten vermeiden“, betont Wildmann. Doch die Durchsuchung muss sein. Dann geht’s einen Stock höher, zum erkennungsdienstlichen Verfahren. Dort wird das Ambiente kühler, die Möblierung spärlicher. Nur der rote Plüschteppich bleibt. Im ersten Raum ein Foto, im zweiten die Fingerabdrücke, dann die Vernehmung. Auf der „Behandlungsstraße“ dient jeder Raum einem anderen Zweck. Durchlaufverkehr ist gewünscht, um lange Wartezeiten zu vermeiden.

Bis ein Fall erledigt ist, kann es zwischen 30 Minuten und „ein paar Stunden dauern“, sagt Wildmann. Je nach Andrang. Noch sind die Büros leer, einige Polizisten haben ihre provisorischen Schreibtische bereits eingerichtet, zwei Richter sind ebenfalls schon vor Ort. Fünf werden es in der „heißen Phase“ ab Freitag sein, sagt der Direktor des Garmisch-Partenkirchner Amtsgerichts, Christian Pritzl. „Aber es können jederzeit weitere hinzugezogen werden, wenn Bedarf da ist.“ Papierschilder weisen ihnen in dem verwinkelten, großen Trakt den Weg in ihr Zimmer. Jeder bekommt ein eigenes. Die Richter müssen sehr schnell und kurzfristig entscheiden, wer wieder gehen darf und wer in eine mobile Zelle kommt.

Doch egal, wie die höchste Gewalt entscheidet, am Festnahmebuch kommt keiner vorbei. Darin wird „jedes Detail dokumentiert“, sagt Hans-Peter Kammerer, Sprecher des G7-Planungsstabs. WC-Besuche, Getränke-Ausgabe, Riegel-Verköstigung, alles wird notiert. „Damit wir auf der sicheren Seite sind, falls hinterher Klagen kommen.“ Die gab es in Heiligendamm zuhauf. Etliche Demonstranten beschwerten sich über die Zustände in Haft. Wildmann war 2007 an der Ostsee nicht dabei, aber „vermutlich ist sie hier wesentlich komfortabler als sie in Heiligendamm gewesen sein soll“. Sogar eine Kinderbetreuung gibt’s. Polizisten spielen mit den Kleinen, während Mama oder Papa Fingerabdrücke abgeben und aufs Urteil warten. Und damit bei den Linksaktivisten auf keinen Fall ein falscher Eindruck entsteht, wurde das große Gemälde im Treppenhaus, das aus den letzten 1930er Jahren, der Zeit des Nazi-Regimes, stammt, vorsorglich mit einer großen Plane überdeckt.

Am kommenden Sonntag und Montag (7./8. Juni) treffen sich auf Schloss Elmau in der Gemeinde Krün die Staats- und Regierungschefs von sieben führenden westlichen Industrienationen. Lesen Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum G7-Gipfel und verfolgen Sie alle G7-Gipfel-News in unserem Live-Blog.

Janine Tokarski

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