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G7-Gipfel: Krüner erzählt, wie er Obama erlebte

Krün - Nur einmal wird’s für Alois Kramer junior eng: „Ich hatte das englische Wort für Fronleichnam nicht parat.“ Ein Fall für die Dolmetscherin. Ansonsten verläuft sein Gespräch mit US-Präsident Barack Obama bei Weißbier und Weißwurst problemlos – eine magische Viertelstunde für den Krüner Landwirt und Gemeinderat, die er wohl nie vergessen wird.

Als der „Ferl-Luis“, wie er im G7-Dorf genannt wird, am Sonntagvormittag den biergarten-tauglichen Rathausplatz mit seiner Familie betritt, hat er von seinem Glück noch keine Ahnung. „Hätt’ ich das gewusst, hätt’ ich eine Milch mitgebracht.“ Denn Alois Kramer ist Bauer aus Leidenschaft – und ein studierter obendrein. Im Studium absolvierte der 46-Jährige 2001 ein zweimonatiges Praktikum im US-Bundesstaat Vermont. Das sollte dem Ferl an diesem, für seine Heimatgemeinde so historischen Tag noch zu Gute kommen. Doch erst einmal nimmt das schneidige Mannsbild mit Gamsbart auf dem Trachtenhut in vorderster Reihe Platz. Dann setzt sich plötzlich Joachim Sauer zu ihm an den Biertisch. Der Gatte der Kanzlerin, schräg gegenüber – langsam dämmert’s dem Ferl-Luis. Und dann ist er da: Obama, weißes Hemd, blaue Krawatte. Der mächtigste Mann der Welt sitzt Schulter an Schulter neben Kramer.

Nachdem sich Mister President von Professor Sauer in das Geheimnis des Weißwurst-Pellens hat einführen lassen, nimmt Kramer das Gespräch auf. Und was eignet sich da besser als seine Vermont-Story. Es entwickelt sich ein angeregter Dialog über Strukturprobleme ländlicher Regionen. Von Small-Talk keine Spur. „Man nimmt Herrn Obama ab, dass er für die Probleme der Leute etwas übrig hat“, sagt Kramer hinterher. Danach erklärt er Obama die Unterschiede der einzelnen Trachten und zu welchen Anlässen sie getragen werden. Immer wieder nippt Obama an seinem alkoholfreien Weißbier einer Murnauer Brauerei. Irgendwann wird der Präsident sogar ein bisserl emotional. „Er sagte, es gefalle ihm so gut, dass er am liebsten mal mit seiner Familie hierher kommen möchte“, erzählt Kramer – „ohne Amtsstress.“ Barack Obama – für den Krüner ein feiner und „sehr differenzierter Mensch“.

Stunden später steht der Ferl-Luis in seinem Stall. Der Alltag hat ihn wieder. Doch in Gedanken ist er immer noch am Rathausplatz. Was er sich dabei denkt: „Yes, I can!“

Christof Schnürer

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