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Eine Animation: der neue Standort der Zuschauertribüne im Kandahar-Zielbereich.

Grund zum Feiern

Alpiner Ski-Weltcup: Plan B ist Wirklichkeit

Garmisch-Partenkirchen - Gastronom Hans Maurer und OK-Geschäftsführer Peter Fischer dürfen sich als Retter des alpinen Ski-Weltcups feiern lassen. Auf dem Grundstück des Wirts vom Osterfelder Hof im Kandahar-Zielbereich steht für die nächsten fünf Jahre die Zuschauer-Tribüne. Die war Gegenstand eines juristischen Streits mit einem Landwirt gewesen.

Zum Feiern hatte Peter Fischer gestern gleich mehrfach Grund. Seinen 63. Geburtstag beging der Geschäftsführer der Organisationskomitees des alpinen Weltcups. Den feierte er am Abend im Kreis seiner Lieben in einem italienischen Restaurant. Das schönste Geschenk machten ihm weder seine Frau Frauke noch Sohn Florian mit Familie, sondern Hans Maurer (75). Der Wirt des Osterfelder Hofs, der im Zielbereich der Kandahar-Abfahrt ein Grundstück besitzt, hatte mit Fischer am Dienstagvormittag eine Vereinbarung geschlossen, die über fünf Jahre – bis 2021 – läuft und die den Bestand der Weltcuprennen sichert. „Damit ist der Plan B Wirklichkeit geworden“, sagt Fischer. „Wir haben bewiesen, dass wir es trotz aller Schwierigkeiten mit einem Peter Lipf geschafft haben, die sehr wichtige Säule Weltcup für den Ort zu erhalten.“

Erleichterung auch bei den meisten Parteien, die im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat vertreten sind und die von Fischer per E-Mail – ebenso wie Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer („Eine ausgezeichnete Variante. Ich finde es gut, dass das Herr Fischer so hingekriegt hat“) – über die gute Nachricht informiert wurden. „Ich bin richtig froh“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Robert Allmann. „Diese Lösung macht uns unabhängig“, jubelt Elisabeth Koch, die CSU-Frontfrau im Kommunalparlament. „Super“, meint Claudia Zolk, Vize-Fraktionsvorsitzende des CSB. „Er wäre fatal gewesen, wenn wir die Rennen verloren hätten.“ Auch den Verantwortlichen beim Deutschen Skiverband (DSV) ist ein Stein vom Herzen gefallen. Präsident Franz Steinle beglückwünschte Fischer zu seinem Erfolg und Verhandlungsgeschick. Am morgigen Donnerstag wird Fischer den Funktionären des Internationalen Skiverbands FIS bei einer Ortsbegehung den neuen Zielbereich vorstellen.

Der Plan B war nötig geworden, nachdem das Landgericht München II am 26. August entschieden hatte, dass das Weltcup-OK seine Tribüne, die fast 2600 Zuschauer fasst, im Zielbereich nicht wie bisher aufstellen darf. Es gab damit dem Landwirt Lipf Recht, der gegen das OK geklagt hatte und seine Fläche nicht länger zur Verfügung stellen will. Zu sehr, findet er, wurde sie in Mitleidenschaft gezogen.

Handschlag drauf: Hans Maurer (r.) und Peter Fischer besiegeln im Zielbereich der Kandahar ihre Vereinbarung.

Fischer hatte zwar nicht geglaubt, vor Gericht zu verlieren, aber er war für alle Eventualitäten gerüstet. Bereits im Mai hatte er begonnen, Pläne zu wälzen und sich nach Alternativen umzuschauen. Die Verhandlungen mit Maurer beschreibt er als sehr angenehm und fair, obwohl der Gastronom durch das Drehen der Tribüne auf sein Grundstück mit seinem Gasthof Beeinträchtigungen hinnehmen muss. „Ich will, dass der Weltcup bleibt, ich mache das für Garmisch-Partenkirchen“, erklärt Maurer. Im Ort soll Maurer laut Fischer ebenso wie Max Buchwieser angefeindet worden sein, weil viele Bürger glaubten, einer von beiden sei der Grundstücksbesitzer, der mit Gemeinde und OK im juristischen Clinch liege. Den Rechtsstreit mit Lipf hat Fischer abgehakt. Man wird auch nicht in Berufung gehen. „Die Frist läuft am 26. September ab“, sagt er. „Wir werden sie verstreichen lassen.“

Der Blick des Mannes, der den Weltcup in Garmisch-Partenkirchen als „meine Herzensangelegenheit“ bezeichnet, richtet sich nach vorne. „Ich persönlich bin für uns alle sehr froh, dass diese nervenaufreibende Zeit nun ein gutes Ende gefunden hat. Jetzt beginnen die Umplanungen für den Zielbereich, es muss vieles anders gestaltet werden.“ So wird die Videowand anders platziert – die niederländische Firma hat den neuen Standort schon in Augenschein genommen –, Sponsoren- und Verpflegungsstände ebenfalls, der Catwalk wird verändert. Und auch die Stehplatzbesucher müssen wandern. Sie verfolgen die Rennen in Zukunft von der Fläche aus, die die Sitzplatz-Tribüne eingenommen hatte – also von der Wiese, die Lipf gehört. Dem Organisationskomitee ist es dem Gerichtsurteil zufolge bis zum 31. März 2017 nämlich nur untersagt, auf der Fläche des Landwirts eine Tribüne aufzubauen. „Es wartet noch viel Arbeit auf uns, um dies alles entsprechend umzusetzen“, sagt Fischer. Zu den Mehrkosten, die durch diese Not-Lösung entstehen, wollte er sich nicht äußern. Nur soviel: „Es wird teuerer.“

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