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Mit Plakaten machen AfD-Anhänger auf ihre Ansichten aufmerksam.

Alternative für Deutschland und ihre Gegner in Garmisch-Partenkirchen

Bei Kundgebungen bleibt alles friedlich

Garmisch-Partenkirchen - Alles war friedlich: Das ist die gute und die wichtigste Nachricht nach den zwei Kundgebungen am Samstag. Ins Garmischer Zentrum hatte die AfD unter dem Motto "Jetzt langt's" eingeladen. Bürger hatten eine Gegenveranstaltung organisiert. 

Die Köpfe der Initiative für Frieden, Mitmenschlichkeit und Toleranz: Ralph Cremer (l.) und Christine Wedler.

Menschen schieben sich an den vielen Essenstrucks am Richard-Strauss-Platz vorbei. Würzig-rauchiger Würstldampf frisst sich in die Nase. Beim Streetfood Festival hat der Besucher die Qual der Wahl, was er sich am liebsten einverleibt. Nur ein paar Meter weiter stehen die Menschen vor der nächsten Geschmacksfrage. Einer politisch-gesellschaftlichen.

Die Garmischer Fußgängerzone – am Samstag ist sie mehr als nur Einkaufsmeile. Sie dient als Schauplatz für die Kundgebung der Alternative für Deutschland (AfD). Und als Ort des Widerstands für die Gegner der kontrovers diskutierten Partei. Die Ansichten – so verschieden wie die von Veganern und Karnisten.

Die Anhänger der AfD am Bischoffeck, sie sind unschwer zu erkennen. Ausgerüstet mit Schildern, auf denen Parolen wie „Neuwahlen jetzt“ oder „Sichere Grenzen, sichere Heimat“ stehen, und gekleidet mit T-Shirts mit dem Slogan „Refugees not welcome“ (Flüchtlinge nicht willkommen), versammeln sie sich vor dem weißen Truck mit Rednerpult. Von dort prostet ihnen der Parade-Bayer mit Lederhose, Schnurrbart und Gamsbart-Hut mit einer Mass Bier zu. Das Klischee eines klassischen Werdenfelsers. Er ziert das Banner mit dem Veranstaltungs-Motto „Jetzt langt’s“. Ins Publikum mischen sich an diesem Tag aber kaum Einheimische. Der Großteil der rund 50 Demonstranten trat aus dem Münchner Raum die Reise nach Garmisch-Partenkirchen an. Die Erklärung lieferte Helmut Filser. „Viele haben sich sicher nicht hergetraut“, vermutet der Vize-Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Oberbayern Süd-West im schneidigen Trachtenjanker. „Jeder hat Angst, dass er denunziert wird.“

Meierhofers Brandbrief das dominierende Thema

Filser, selbst Garmisch-Partenkirchner, fällt nicht darunter. Er posaunt seine Meinung unverhohlen heraus und giftet gegen die Lokalpolitiker. Zum Beispiel Martin Schröter (FDP) oder Elisabeth Koch (CSU) bekommen ihr Fett weg. Und Landrat Anton Speer (Freie Wähler), der „alle Probleme im Abrams von sich weist und Frau Meierhofer als blöd hinstellt“. Damit greift er – wenig überraschend, weil es der Partei in die Karten spielt – das dominierende Thema der vergangenen Woche auf: den Brandbrief von Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) an die Regierung von Oberbayern. Die erhält dafür sogar ein kleines Lob: „Sie ist die Einzige, die den Arsch in der Hose hat und die Dinge anspricht.“ Bravo-Rufe aus dem Publikum. Die Kritik lässt nicht lange auf sich warten: Denn ihren Worten müssten Taten folgen. Doch dafür gebe es sie – die Alternative, die Alternative für Deutschland, propagiert Filser, ehe er das Mikro für Edeltraud Schwarz verlässt.

Die Vorsitzende macht sich den Brief ebenfalls zu eigen. Vor allem der CSU fährt sie an den Karren, hinter deren Maske, die „hässliche Merkel-Fratze“ stecke. Wieder schaltet sich die Anhängerschaft lautstark ein und skandiert ihre Parolen.

„Ich halte es da vorne nicht aus“

Nur kurz hält sich Christine Wedler bei der AfD-Kundgebung auf, ehe sie – vorbei an den Polizeibeamten, die in Gruppen an den Ecken patroullieren – zur Gegenveranstaltung an der Spielbank zurückkehrt. Ihr ist der Geschmack vergangen. „Ich halte es da vorne nicht aus“, sagt die Organisatorin. „Ich bin emotional.“ Wenn sie Schlachtrufe wie „Abschieben“ hört, kämpft sie mit ihren Tränen. Dabei hat sie an diesem Tag viel Grund zur Freude. Der Polizei zufolge machen gut 30 Gleichgesinnte am Michael-Ende-Platz ihren Standpunkt zur AfD klar. Alle zeigen sie im wahrsten Sinne Flagge für Toleranz, Frieden und Menschlichkeit. Ein Jugendlicher liest aus dem Grundgesetz vor, dann dröhnt wieder ein Lied von Konstantin Wecker, der dem linken Spektrum zuzurechnen ist, aus dem Lautsprecher.

Auch vor der Spielbank kommt der Brandbrief zur Sprache – aufgegriffen von Jörg Jovy vom Grünen-Kreisverband. Der Tenor: Das Abrams läuft besser als andere ähnliche Einrichtungen.

Großes Friedensfest geplant

Kurz vor der Schweigeminute für den Polizisten, der von einem Reichsbürger ermordet wurde, ziehen Wedler und ihr Mitorganisator Ralph Cremer ein positives Fazit. „Es sind mehr Leute gekommen, als wir gedacht haben“, sagt Cremer. Das hatte sich abgezeichnet. „Wir wollten erst einen Flashmob machen“, erzählt Wedler. Doch dann seien so viele Menschen an der Gegenveranstaltung interessiert gewesen, dass sie diese kurzfristig beim Landratsamt anmeldete. Das nächste Vorhaben steht auch schon fest: „Wir planen ein großes Friedensfest."

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