Ammertaler vergewaltigt seine Halbschwester

Angeklagter flippt bei Urteilsverkündung aus

Ammertal - Der Mann, der seine Halbschwester im Ammertal vergewaltigt und misshandelt hat, muss für sieben Jahre ins Gefängnis. Außerdem muss er in den Entzug, um sein Alkohol- und Kokainproblem zu therapieren. Auch als der Richter das Urteil verlas, benahm er sich daneben.

Als der Vorsitzende Richter Oliver Ottmann das Urteil verkündet, lässt sich der 33-Jährige aus dem Ammertal tief auf seinem Stuhl sinken, dreht den Rücken zum Publikum und schüttelt den Kopf. Immer wieder quatscht er frech in die Worte des Vorsitzenden hinein. Bis zuletzt hatte er die meisten Vorwürfe bestritten. Doch das half ihm alles nichts. Das Landgericht München II verurteilt den vorbestraften Mann, der seine Halbschwester (28) und seine Ex-Frau misshandelte, zu sieben Jahren Haft und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Juristisch lautet das Urteil auf zweifache vorsätzliche Körperverletzung, zweifache gefährliche Körperverletzung, Vergewaltigung, Bedrohung, schwere Brandstiftung und versuchte besonders schwere Brandstiftung. Er hatte nämlich auch noch seine Zelle in der Haftanstalt München-Stadelheim angezündet.

Schon vor Jahren hatte er seine damalige Frau, die sich kurzfristig dem Prozess anschloss, am Küchentisch gewürgt. So sehr, dass sie kurz das Bewusstsein verlor. Anfang 2015 zog er dann nach einem Gefängnisaufenthalt zu seiner Halbschwester ins Ammertal – und begann eine Beziehung mit ihr. Die beiden Halbgeschwister waren nicht zusammen aufgewachsen und lernten sich erst kennen, als die Frau 17 war und Kontakt zu ihm aufnahm. Aufgrund dieser Verhältnisse sah das Gericht auch von einer Verurteilung wegen Beischlafs zwischen Verwandten ab.

Im Laufe der Beziehung, die durchaus „im SM-Bereich war“, wie der Vorsitzende ausführte, wandte der 33-Jährige jedoch Gewalt an, mit der die Schwester keineswegs einverstanden war. So schlug er sie etwa einmal, nachdem er Kokain genommen hatte, regelrecht zusammen. Ihr Gesicht und Körper waren von Blutergüssen übersät, wie Polizisten berichteten.

In der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 2015 zwang er sie in der Wohnung und vor den Augen eines Bekannten im Ammertal zum Oralsex. Diese Tat bezeichnete der Richter als „Machtdemonstration“. Er habe seine Halbschwester als „Objekt der eigenen Lust“ gebrandmarkt. Es habe sich um eine „besondere Herabwürdigung“ vor den Augen des Bekannten gehandelt. Das bewertete das Gericht als strafverschärfend. Nach diesem Vorfall geriet der Angeklagte auch noch mit dem Bekannten in Streit und würgte ihn.

Ende Juli dann ein erneuter gewalttätiger Übergriff, den der Mann sogar eingeräumt hatte. Beim Liebesspiel biss die Halbschwester ihren Bruder in die Brustwarze. Dies war ihm jedoch zu fest. Er schlug ihr derart mit der Handkante ins Gesicht, dass ein Schneidezahn abbrach.

Am 28. August vorigen Jahres kam der 33-Jährige in Untersuchungshaft, wo er im Februar durchdrehte. Seine Stimmung war gedrückt, einen Fernseher konnte er sich nicht mehr leisten und er hatte keine sozialen Kontakte. Denn Kinderschänder und Sexualstraftäter werden von den Mithäftlingen im Gefängnis ausgegrenzt – sie stehen ganz unten in der Hierarchie. Deshalb wollte er verlegt werden. Am 11. Februar zündete er schließlich Papier und Kleidung in seiner Zelle an, das Feuer griff bereits auf Möbel über. Er wollte sich umbringen, sagt der Angeklagte. Er habe Druck ausüben wollen, sagt das Gericht. Schließlich habe er ja um Hilfe gerufen.

„Ich habe nicht um Hilfe gerufen!“, platzte der Angeklagte in die Urteilsbegründung. Der Vorsitzende mahnte ihn zur Ruhe. Doch da flippte der 33-Jährige erst richtig aus: „Warum soll ich mir das anhören? Das ist ein Haufen gequirlter Scheiße, die hinten und vorne nicht stimmt. Leck mich doch am Arsch.“ Das ließ der Richter nicht auf sich sitzen. Oben drauf gab es noch mal 600 Euro Ordnungsgeld – oder vier Tage Haft.

Rubriklistenbild: © dpa

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