Garmisch-Partenkirchner Bergwanderführer steht vor Gericht

Fahrlässigkeit? Zwei Tote im Himalaya

Garmisch-Partenkirchen - Ein diffiziler Fall wird ab morgen drei Tage lang am Amtsgericht verhandelt. Angeklagt ist ein Garmisch-Partenkirchner Bergwanderführer. Ihm wird vorgeworfen, bei einer Tour im Himalaya für den Tod von zwei Teilnehmern verantwortlich zu sein.

Zweifache fahrlässige Tötung bei einer Trekking-Tour mitten im Himalaya. Mit diesem schwerwiegenden Vorwurf muss sich das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen ab  Donnerstag, 15. September,  an mindestens drei Verhandlungstagen beschäftigen. Angeklagt ist ein 48-jähriger Garmisch-Partenkirchner Bergwanderführer. Er leitete im Oktober 2012 für ein großes deutsches Reiseunternehmen, das solche anspruchsvolle Bergfahrten und Expeditionen in alle Welt anbietet, eine Gruppe von zwölf Teilnehmern auf einer Trekking-Tour durch die Kali-Gandaki-Region in Nepal rund um den siebthöchsten Berg der Erde, den Dhaulagiri (8167 Meter).

Im Rahmen dieser 13-tägigen Bergtour, die bis in Höhen von 5300 Metern führte und ein hohes Maß an Kondition verlangte, sind der Anklageschrift zufolge zwei der Teilnehmer am 25. Oktober 2012 auf einem Abstieg erfroren. Eine Frau und ein Mann hatten den Anschluss an ihre Gruppe verloren und sollen erschöpft sowie orientierungslos gewesen sein. „Dem Garmisch-Partenkirchner wird von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, durch Fahrlässigkeit den Tod dieser zwei Menschen verursacht zu haben“, teilt Amtsrichter Andreas Pfisterer mit und weist darauf hin, dass im Rahmen der von einem Dutzend Sherpas begleiteten Tour auch noch ein drittes Todesopfer zu beklagen gewesen ist. Eine Frau, die, konditionell schwach, aufgrund einer nicht erkannten Höhenkrankheit starb, als sie mit dem Hubschrauber abtransportiert wurde. Dafür wird dem Garmisch-Partenkirchner jedoch keine Schuld zugewiesen.

Das Gericht hat von einem vereidigten und öffentlich bestellten Sachverständigen ein umfangreiches Gutachten erarbeiten lassen, in dem es vor allem darum geht, ob und wie der Tourleiter die Gefahren erkennen und die Todesfälle hätte vermeiden können. Der Garmisch-Partenkirchner wird verteidigt von dem renommierten Münchner Rechtsanwalt Dr. Stefan Beulke, der nicht nur selbst ein hoch qualifizierter Alpinist, sondern auch staatlich geprüfter Berg- und Skiführer ist. Schon im Fall des Zugspitzlauf-Unglücks 2008, bei dem zwei Tote und mehrere Verletzte zu beklagen waren, hatte er für dessen Veranstalter einen Freispruch gefordert, der schließlich auch von Richter Paul Georg Pfluger verkündet wurde.

Die Verhandlungstage sind vorläufig für 15., 22. und 29. September, jeweils ab 9.10 Uhr angesetzt.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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