Zwei Menschen sterben im Himalaya

Erfroren am Wegesrand - Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eröffnet

Garmisch-Partenkirchen - Diese Tour im Himalaya wurde ein tödlicher Albtraum. Ein 48-jähriger Bergwanderführer muss sich wegen zweifacher fahrlässiger Tötung verantworten. Das war Tag eins der Verhandlungen.

Großartige Berglandschaften in 5000 Meter Höhe, grandiose Blicke auf Gletscher- und Eiswelten und unbeschwertes Wandern ohne großes Gepäck, denn das tragen die Sherpas: Dass eine Himalaya-Tour aber auch zum tödlichen Albtraum werden kann, das wird derzeit bei einer Verhandlung im Garmisch-Partenkirchner Amtsgericht deutlich, wo ein 48-jähriger Bergwanderführer der zweifachen fahrlässigen Tötung beschuldigt wird. Bei einer 13-tägigen Trekking-Tour im Oktober 2012 rund um den Dhaulagiri in Nepal, dem mit 8167 Metern siebthöchsten Berg der Erde, soll der Mann durch Fehler bei der Führung den Tod von zwei der zwölf Teilnehmer verursacht haben: Eine 65-jährige Kärtnerin und ein 61-Jähriger aus Köln erfroren am Wegesrand, als sie entkräftet hinter der Trekkinggruppe zurückgeblieben waren. Der Tod einer 53-jährigen Bremerin, die beim Abtransport in einem Hubschrauber an den Folgen der Höhenkrankheit starb, wird ihm nicht zur Last gelegt.

Der vom renommierten Münchner Anwalt Dr. Stefan Beulke, selbst ein hochqualifizierter Alpinist, verteidigte Garmisch-Partenkirchner hielt in einer ersten Stellungnahme dagegen, dass er den Zustand der Bremerin lange Zeit nicht habe erkennen können und obendrein sei er davon ausgegangen, dass der Hubschrauber zum Abtransport sehr viel schneller komme „Dann wollte ich der Gruppe nachfolgen und sie noch einholen. Warum er dann nicht kam, weiß ich bis heute nicht.“

Der Bergführer hätte Staatsanwältin Dr. Anncathrin Koch zufolge aber aufgrund seines langjährigen Wissens erkennen müssen, „dass im Falle einer Wetterverschlechterung sowohl die sofortige Bergung der 51-Jährigen unsicher war als auch die restliche Reisegruppe mangels Ortskenntnissen und Kommunikationsmöglichkeiten – sie hatte nicht mal Funkgeräte dabei – in eine nicht mehr bewältigbare Situation kommen konnte“.

Koch hatte eingangs die verhängnisvolle Bergtour mit ihren von 20 einheimischen Hilfskräften und Sherpas begleiteten zwölf Teilnehmern Revue passieren lassen. Insbesondere jene paar Tage, an denen es zu den Todesfällen kam. Das Zelt-Trekking führte von Pokhara in Nepal aus rund um den Dhaulagiri und dabei auch über die 5000er-Pässe French Col (5360 Meter) und den Dhampus-La (5250). Eine Tour, die zwar kein hohes bergsteigerisches Können, jedoch große Kondition erfordert. Liefen die Teilnehmer zu Beginn noch in unschwierigem Gelände auf Höhen von 2500 bis 3000 Meter, änderte sich das bald, als man am 22. Oktober 2012 ins Basislager kam, das in 4650 Metern Höhe liegt sowie am Tag darauf zum French Col auf 5360 Metern, zum Dhampus und anschließend ins Hidden-Valley mit 5100 Metern.

Schon dabei hätten sich, sagten einige der Höhenwanderer, qualitative Unterschiede gezeigt: „Drei waren die schwächsten“, meinte ein Zeuge vor Richter Andreas Pfisterer. „Sie blieben immer mal wieder zurück“.

Weitere Verhandlungstermine sind der 22. und 29. September. 

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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