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Mini: das Kneipen-Viertel Clevelands.

Tagblatt bei NBA Finals

Ball(er)Männer (IV): Bier-Geschichten und Erfolgs-Durst

Cleveland - Szenenwechsel: Unsere zwei Tagblatt-Schreiber zieht's nach Cleveland. Statt Big-City-Live gibt's Kleinstadt-Leben - genau die Welt der zwei. Teil vier der Kolumne.

Zwei Bayern alleine in den Staaten: Die beiden Tagblatt-Mitarbeiter Stephan Adelberger und Andreas Mayr berichten zwei Wochen lang von den Endspielen der besten Basketballliga und ihren Abenteuern in der Kolumne Ball(er)Männer. Hier die vierte Ausgabe:

Sie haben uns gewarnt. Oft genug. Cleveland - diese Stadt langweilt. Vier Hochhäuser, drei Sportstadien, zwei Straßen mit ein paar Bars und ein großer, endloser See. Dean - zu ihm kommen wir später - erzählt eine Geschichte von Joakim Noah, Basketballer und Sohn der Tennis-Legende Yannik Noah. Der hat mal gesagt: "Ich kenne keinen, der in Cleveland Urlaub macht." Ja, hier sind wir. Und - Schande auf unser Haupt - uns Land-Liebhabern gefällt diese stolze Ecke verdammt gut. Eben, weil es hier nicht Spelunken, Clubs und Läden gibt, die man selbst in 365 Tagen nicht alle besuchen kann. Weil man sich im "Winking Lazard" - einer Taverne mit 20 TV-Schirmen und verdammt leckeren Burgern - gleich wie ein Stammkunde fühlt. Weil diese große Kleinstadt einfach nicht Massen an Menschen wie LA, San Francisco oder Miami anzieht. Oder weil wir nur fünf Tage am Eries verbringen? Mag sein, dass es auch daran liegt. 

Bier-Sünden wir Mango oder Blaubeere

Eine Stadt im Basketball-Fieber. Die Slogans der Cavaliers hängen nicht nur an der Arena der Basketballer.

Besonders gut gefällt uns die Liebe dieser Stadt zu ihren Helden, den Sport-Teams. Drei Stück bietet Cleveland. Die Footballer der Browns (die Nummer eins), die Baseballer der Indians sowie die Basketballer der Cavaliers. Nur wegen ihnen sind wir hier. Noch nie - selbst beim Sommermärchen 2006, das wir beide als Teenager noch miterlebten - haben wir eine Stadt gesehen, die so dermaßen ausrastet. Mehr. Ein Team so in ihr Herz geschlossen hat. Dazu muss man wissen, dass die Lokal-Mannschaften seit 52 Jahren keinen Meistertitel geholt haben. Mit jeder Finalteilnahme steigt das Verlangen, dieses Verlierer-Image loszuwerden. Wer eine Ecke in Cleveland findet, die nicht mit Bannern zugekleistert sind, auf denen "All in", "Defend the Land" oder "Cleveland Believe" steht, der muss Meisterdetektiv sein. Auf den Bussen leuchtet zusätzlich zur Linie der Spruch "Go Cavs" auf. Die weinroten Trikots zählen in diesen Tagen zur offiziellen Uniform der Stadt. Ein paar Ultra-Verrückte haben in Stein das Cavs-Logo eingemeißelt und die Straßen um das Stadion mit den Mottos bepinselt. In Cleveland steht die Zeit still, wenn die Cavaliers spielen.

Es gibt auch Dinge, für die mögen wir Cleveland gar nicht. Bier, Bier, Bier. Eigentlich wollen wir ja nur ein paar Flaschen Wasser einkaufen an unserem ersten Tag. Doch Alex - ein englischer Angestellter mit amerikanischer Mutter und bösem Akzent - schwatzt uns zwei Bier auf. Lokale Brauerein. Müssen wir testen. Wir ordern. Einmal Mango, einmal Blaubeere. Zehn Dollar blättern wir hin, was Stephan nach dem ersten Zug auf die Palme bringt. Blaubeere fasst er nach einem Schluck nicht mehr an. Herb und ungenießbar das Zeug. Andi, der in seinem Leben ein halbes Weißbier runtergekippt hat, sich aber trotzdem als Bier-Kenner ausgibt, springt ein und lässt sich beinahe noch ein paar Dosen Radler aus der Karibik andrehen. Zur Ehrenrettung: Das Mango-Gerste-Gemisch  lässt sich trinken. Und hat auch nur drei Prozent Alkohol. Unseren Ausweis müssen wir in Cleveland übrigens nicht zeigen. Ha, noch ein Vorteil gegenüber San Francisco!

Geschichten von Pool-Partys und dreckigen Deals

Gleiche Erfahrung beim Abend-Programm. Im Pub mit schottischem Namen (Tilted Kilt) aber Bier und Mädels aus Cleveland schauen wir uns Eishockey an. Naja, sagen wir zumindest. Eigentlich sind wir (auch) wegen der Kellnerinnen hier. Für die gelten strikte Vorschriften. Kurze Röcke, kurze Blusen. Was man(n) sehen will. Nur die Strategie funktioniert nicht so blendend. Ein Mädel - 24, hat einen Sohn,  dazu ein Tatoo mit italienischem Spruch auf dem Bauch, obwohl sie kein Wort italienisch spricht - erklärt uns, dass nur bei Cavs-Partien die Hütte voll ist. Verstehen wir nicht. Essen schmeckt, die Cola für 2,50 Dollar füllt uns die Kellnerin, so oft wir wollen, nach (ist in den USA so üblich). Am besten sind aber die Geschichten, die uns Dean erzählt. Der Mann ist ein Phänomen. Ursprünglich kommt er aus Osnabrück, und war echt einmal ein Top-Basketballer mit Erstliga-Potenzial (wenn seine Hüfte mitgemacht hätte). Heute lebt er samt Freundin in Los Angeles, arbeitet als Spielervermittler und Journalist. Uns erzählten er die verrücktesten Sachen über Pool-Partys mit NBA-Stars in Miami, (Nacht)Leben in LA, das dreckige Geschäft der Agenten und über Dirk Nowitzki, die wir hier auf keinen Fall schreiben. Was für eine Welt! Jetzt verstehen auch wir: Solche Dinge erlebst du eben nicht hier. Vielleicht sagen deshalb ziemlich viele, dass Cleveland langweilig sei.

Stephan Adelberger

Stephan Adelberger

E-Mail:info@merkur.de

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