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Die Schotten sind dicht: Am Nordportal sind die Bauarbeiten weitgehend abgeschlossen, ein Tor verriegelt den Erkundungsstollen.

Grundwasser beeinträchtigt Bauarbeiten

Kramertunnel: Wie geht's weiter?

Garmisch-Partenkirchen - In den kommenden Tagen könnten Mineure die letzten Sprengungen für den neuen Kramertunnel zünden. Ab Herbst ruhen die Arbeiten – für ungewisse Zeit, mindestens jedoch zwei Jahre lang.

Im Norden der geplanten Umfahrung für den Ortsteil Garmisch ruhen die Bauarbeiten, seit die Mineure im vergangenen Jahr auf eine Lockergesteinsschicht getroffen sind: schätzungsweise 150 bis 200 Meter Sand und Geröll, darüber steht wohl 40 Meter hoch das Grundwasser. Der Bereich ist mit dem genehmigten Sprengverfahren nicht zu überwinden. Im Süden treibt die Spezialfirma den Tunnelbau noch voran – bis sie ebenfalls auf die schwierige Schicht stößt. „Ende August dürften wir den Punkt erreicht haben“, meint der Abteilungsleiter für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen beim Staatlichen Bauamt, Dr. Hermann Streicher. Bis Oktober oder November seien weitere Bohrarbeiten geplant – danach ziehen die Firmen ab. Den ursprünglich geplanten Durchstoß wird es vorerst nicht geben.

Offen prüft das Amt, wie der Tunnel durch den Bereich getrieben werden kann. Eine Möglichkeit: die Absenkung des Grundwasserspiegels. „Das wäre durch die jetzige Planfeststellung nicht abgedeckt“, betont Streicher. Ein neues Genehmigungsverfahren wäre notwendig. Wenn das Bauamt diesen Weg einschlägt, kann es bis zum Feststellungsbeschluss ein Jahr dauern. „Wenn alles gut geht“, schränkt der Experte ein. In dem Fall bestehe Einspruchsmöglichkeit – eine neue Klage des Bundes Naturschutz gilt als wahrscheinlich.

Bei den Überlegungen der Planer spielt dieses Risiko keine Rolle. Wenn sie sich für diese Variante entscheiden, sagt Streicher, habe die Abwägung aller Punkte ergeben, dass es die verträglichste sei. „Dann sind wir davon überzeugt.“ Und dann scheue die Behörde auch eine Klage nicht.

Daneben prüft das Bauamt ein Injektionsverfahren, bei dem eine feste Masse gegen den Wasserdruck in den Berg gepresst wird, eine Vereisung des Bereiches, bei dem sich die Maschinen gewissermaßen durch einen Eisblock fressen, sowie den Einsatz der Tunnelbohrmaschine. Davon waren die Experten zwischenzeitlich abgerückt, weil sie fürchteten, die Maschine könnte erdrückt werden. Doch gute Erfahrungen mit der Kramerüberschiebung ließen sie auch diese Variante wieder ins Auge fassen.

Matthias Holzapfel

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