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Jacqueline Fritz war insgesamt 40 Tage unterwegs.  

Sogar Fieber hat sie mal bekommen

Mit Krücken über die Berge

Garmisch-Partenkirchen -  Es war eine Herausforderung, doch Jaqueline Fritz hat sie gemeistert: Die 35-jährige beinamputierte Frau hat 35000 Höhenmeter und 312 Kilometer hinter sich gebracht - und zwar bergauf und bergab.

Jacqueline Fritz hat es geschafft: 35 000 Höhenmeter und 312 Kilometer liegen hinter ihr. Die 35-Jährige, die beinamputiert ist, startete von Hammersbach in Richtung Höllentalangerhütte, hat die Zugspitze erklommen und ist von dort aus weiter über mehrere Pässe und Klettersteige auf Krücken bis nach Tirol gelaufen. „Es war anstrengend, aber schön“, sagt sie am Ende der Tour. Nach einer Verletzung am Sprunggelenk beim Ballett und anschließenden Operationen war Fritz im Alter von 15 Jahren nach Behandlungsfehlern der rechte Unterschenkel amputiert werden.

Geröllfelder und Gletscher hat sie zeitweise auf allen Vieren passiert, ist gekrabbelt und hat sich mit den bloßen Händen im Eis festgeklammert. Weil sie die Stöpsel an ihren Krücken nicht wechseln konnte – der Mechanismus funktionierte nicht, hatte sie immer wieder zu wenig Halt. „Dadurch war es an der einen oder anderen Stelle nicht ganz ungefährlich“, erzählt Fritz glücklich nach ihrer Rückkehr in Garmisch-Partenkirchen. An manchen Tag ist sie 13 Stunden auf und ab geklettert. „Das waren lange, harte Tage“, gibt sie zu. Doch wenn abends die Hütte erreicht war, hatte sie Strapazen und Ängste schnell vergessen. „Manchmal war ich den Tränen nah, weil dann alles von mir abgefallen ist – die ganze Anspannung, die bangen Fragen: Schaffst Du das Pensum heute?“

Nur einmal kam sie mit ihrer Begleiterin und Hund Leila vom Weg ab, da wurde es dann plötzlich ganz steil. „Wir sind auf Nummer sicher gegangen und auf unseren Hintern abgerutscht.“ Am Ende sahen sie völlig verdreckt aus, mit Matsch in den Unterhosen. „Aber zumindest sind wir heil unten gelandet.“ Ein anderes Mal, bei Meran, ist das Trio 1500 Höhenmeter am Stück abgestiegen. Zu viel für die Hände von Fritz. „Ich laufe nicht gern bergab, denn da muss ich viel abbremsen. Da habe das gesamte Gewicht auf meinen Händen.“ So bildete sich fünf Tage vor Ende ihrer insgesamt 30-tägigen Wanderung eine große Blase. Und sie stürzte Fritz in die tiefste Krise. „Ich hatte große Schmerzen, wollte aber auf keinen Fall in ein Krankenhaus“, sagt sie. Doch der selbst angelegte Verband konnte nicht verhindern, dass sich die rechte Hand entzündete. Schließlich bekam die Extrem-Sportlerin Fieber und suchte dann doch einen Arzt auf. „Der hat mir eine Creme verschrieben, und am nächsten Morgen war alles wieder gut.“ Eines war von vornherein klar: „Unnötige Risiken gehen wir nicht ein.“

Auch wenn so manche Herausforderung zu bewältigen war, zieht Fritz eine positive Bilanz: „Eine wichtige Lebenserfahrung liegt hinter mir. Das Bewusstsein erweitert sich in Extremsituationen. Man erfreut sich viel mehr an den kleinen Dingen des Lebens, an einer Blume am Wegesrand, an einem schön geformten Stein, und merkt: Für sein Glück braucht man nicht viel.“ Es seien vor allem auch die Begegnungen mit Menschen gewesen, die vielen guten Gespräche, die sie so geschätzt habe. „Man lernt, mit dem zufrieden zu sein, was man hat.“

Ihr Plan: Alle zwei Jahre möchte sie zukünftig eine Tour unternehmen, am liebsten in Kombination von Kanufahrten, Klettern und Bergsteigen. 8000er müssen es für sie nicht sein, die Alpen seien ihr am liebsten. Im nächsten Jahr steht der Jubiläumsgrat auf dem Programm.

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