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Am Jubiläumsgrat versorgen Einsatzkräfte der Bergwacht Grainau einen Bergsteiger. Er erleidet schwere Verletzungen an der Wirbelsäule und der Schulter.

Zahlreiche Einsätze fordern Retter - Schwerer Unfall am Jubiläumsgrat

"Power-Wochenende" für die Bergwachten

Landkreis - Ein anstrengendes Wochenende mit vielen Einsätzen liegt hinter den Bergwachten Garmisch-Partenkirchen, Grainau und Oberau. Am Jubiläumsgrat stürzte ein Bergsteiger 30 Meter ab und verletzte sich schwer.

Die Mannschaft ist platt. Ein „Power-Wochenende“ liegt hinter ihr. So beschreibt Willi Brenner von der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen die vergangenen Tage, in denen zahllose Wanderer und Bergsteiger das Wetter für eine Tour nutzten und ein Notruf nach dem anderen einging. Am Sonntag „waren wir am Anschlag“, sagt Brenner. Bei der Grainauer Bergwacht überschlugen sich die Ereignisse am Samstag. Wenig Schlaf bekamen die Oberauer.

Bergwacht Grainau

Am Jubiläumsgrat hat sich am Samstag ein schwerer Unfall ereignet. Etwa 30 Meter stürzte ein Erlanger (35) ab, der im Bereich der Grieskarscharte gegen 16.45 Uhr vom Weg abgekommen war. Mit schweren Wirbelsäulen- und Schulterverletzungen blieb er liegen. Noch bevor der ADAC-Rettungshubschrauber am Landeplatz der Bergwacht Grainau eintraf, ging dort ein weiterer Notruf ein: Ein Bergsteiger (53) aus Arnsdorf war in der Kletterroute Eisenzeit auf die Zugspitze umgeknickt und kam mit verletztem Sprunggelenk nicht weiter. So flog der Pilot einen Bergretter und Notarzt zum Jubiläumsgrat, einen weiteren Retter setzte er im anspruchsvollen Gelände der Eisenzeit ab.

Aufgrund der Schwere der Verletzungen musste der Mann am Jubiläumsgrat liegend transportiert werden; ein weiteres Team und der Luftrettungsbergesack waren nötig. Im gleichen Flug setzte der Pilot einen weiteren Retter in der Eisenzeit ab. Dort konnte der Kletterer bald ins Tal geflogen werden. Im Anschluss nahm der Helikopter den am Grat für den Abtransport vorbereiteten Abgestürzten samt Notarzt mit der Winde auf und brachte sie in die Unfallklinik Murnau. Wegen der aufgezogenen Wolken gestaltete sich der Transport der Einsatzkräfte und Begleiter der Verletzten „als sehr schwierig“, sagt Anton Vogg von der Bergwacht. Erst gegen 19 Uhr waren alle am Jubiläumsgrat verbliebenen Personen im Tal. An der Eisenzeit stieg der Retter mit den zwei Freunden des Verletzten unter die Wolkengrenze ab. Gegen 21.20 Uhr waren sie sicher zurück. Bei den zwei Unfällen waren sechs Kräfte der Bergwacht Grainau viereinhalb Stunden im Einsatz.

Ebenso viele Bergretter waren am Sonntag ab 15.40 Uhr gefordert. Ein Wanderer aus Köln (78) hatte in der Höllentalklamm einen Kreislaufkollaps erlitten. Fünf Einsatzkräfte fuhren mit dem Rettungsfahrzeug zur Materialbahn der Eingangshütte, von dort ging es zu Fuß weiter. Mit der Trage holten sie den Mann. Als sie ins Tal starteten, erlitt eine 18-Jährige aus Oberkochen auf der Forststraße kurz vor der Bahn einen epileptischen Anfall. Die Grainauer leisteten Erste Hilfe. Im Tal brachte der Rettungsdienst die junge Frau ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen.

Bergwacht Garmisch-Partenkirchen

Ein Notruf nach dem anderen erreichte die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen am Sonntagnachmittag. Das Problem: Fehleinsätze waren darunter, die Kräfte bündelten. Etwa die Nachricht von einem abgestürzten Gleitschirmflieger am Kramer. Ein Rettungshubschrauber suchte nach dem Verunglückten – der zusammengeklappte Schirm entpuppte sich als reflektierendes Aluminium einer Baustelle. Mit einem weiteren Gleitschirmunfall setzte sich Brenner, der die Einsätze mit Hansjörg Wiesböck koordinierte, auseinander. Gegen 13.30 Uhr war ein Garmisch-Partenkirchner (34) zu einem Tandemflug an der Bergstation der Osterfelderbahn gestartet. Laut Polizei verlor er kurz danach wegen Störwinden an Höhe und flog knapp über den Wanderweg unterhalb des Startgeländes. Dort war ein Bub (6) aus Schwabmünchen unterwegs. Der Pilot konnte ihm nicht ausweichen und streifte ihn mit dem Schuh am Kopf. Der Bub fiel mit dem Kopf auf den Boden. „Die Verletzungen waren unklar, keiner wusste Genaues.“ So erlebte Brenner die Alarmierung. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass eine Krankenschwester das Kind versorgte; die Bergwacht wurde nicht gebraucht. „Sonst hätten wir extremen Druck gehabt.“ Das Kind blieb zur Beobachtung eine Nacht im Klinikum.

Die Bergwacht wurde in der Zwischenzeit zur Knorrhütte im Wetterstein gerufen. Eine Münchnerin (52) hatte sich überanstrengt, musste sich mehrfach übergeben. „Sie wäre nicht runtergekommen, sie war zu erschöpft“, sagt Brenner. Helikopter und Bergretter brachten sie ins Tal.

Am Hohen Fricken im Estergebirge war eine Frau (56) aus Polling ausgerutscht und hatte sich den Oberarm gebrochen. Die Unfallstelle lag in einem Waldstück und war vom Helikopter aus schwer zu sehen. Im Telefonat mit dem Begleiter der Frau fanden die Retter die Verunglückte.

Als zeitaufwändig gestaltete sich ein Einsatz am Schachen. Dort saß eine Frau (49) aus Unterhaching, ebenfalls zu erschöpft für den Rückweg. Um den Helikopter nicht zu binden und da die Frau gesundheitlich keine schwerwiegenden Probleme hatte, fuhr ein Bergwacht-Team im Rettungsfahrzeug los. Ohne Stau ist man von Garmisch-Partenkirchen eine gute Stunde unterwegs; am Sonntag waren die Straßen voll. „Da hilft dir auch kein Blaulicht. Wenn zu ist, ist zu“, sagt Brenner. Abgesehen von der langen Anfahrt verlief der Einsatz problemlos.

„Etwas nervös“ wurde er beim nächsten Notruf. Ein Münchner (39) wollte vom Musterstein durch das Angerloch Richtung Wettersteinalm gehen, doch wählte er den falschen Weg. „Da geht nicht mal eine Gams“, sagt Brenner. Im absturzgefährdeten Gelände kam der Mann nicht weiter und rief die Bergwacht. „Die goldrichtige Entscheidung.“ Nicht der Einsatz beunruhigte Brenner, sondern das Wetter. Gewitterwolken hatten sich aufgetürmt. Glücklicherweise entspannte sich die Lage. Der Helikopter konnte starten. Damit endete für sechs Bergretter und einen Bergwachts-Notarzt ein intensiver Tag.

Bergwacht Oberau

Um 2 Uhr morgens rückten sechs Kräfte der Bergwacht Oberau am Sonntag aus. Drei Wanderer aus Polen hatten sich im Dunklen auf dem Weg über das Kistenkar nach Eschenlohe verstiegen. Plötzlich standen sie vor einem Wasserfall. Unverletzt, aber entkräftet und frierend wählten sie den Notruf. Über zugewachsene Steige erreichten die Retter die Polen nach etwa 40 Minuten. Durch schwieriges Gelände brachten die Oberauer sie dann ins Tal, das sie gegen 4.30 Uhr erreichten.

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