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Stolzer Besitzer: Bernhard Gröbl mit Schwarzhalsziegenbock Gusti und Capra Sempione-Bock Edwin.

29-Jähriger schützt seltene Ziegen-Arten

Wahre Schönheiten

Garmisch-Partenkirchen - Bernhard Gröbl züchtet Ziegen und versucht damit, alte Rassen vor dem Aussterben zu bewahren

Sie hören auf die Namen Grimsi, Regina, Edwin, Jeti und Vera, haben schlitzförmige Pupillen und sind mit ihrem dichten, bis fast zum Boden reichenden weißen Haarkleid – das der beiden Kitze ist noch gelockt – wahre Schönheiten. Auch die nach hinten gebogenen langen Hörner flößen nur auf den ersten Blick Respekt ein, denn die Ziegen sind sehr zutraulich. Zusammen mit ihren schwarzweißen Walliser Artgenossen genießen sie den Sommer auf einem Grainauer Wiesengelände, wo es sogar Felsen zum Klettern und natürlich einen Unterstand gibt. Die Böcke sind derzeit noch auf dem Grundstück hinterm Wohnhaus der Gröbls an der Partnach. „Wegen einer Quarantäne in Österreich können wir die Tiere heuer leider nicht wie sonst auf die Stubaital-Almen in Tirol bringen. Das ist schade“, bedauert Bernhard Gröbl.

Er ist zusammen mit seinem Bruder Josef, der eine eigene Herde hat, bekannt für seine Walliser Schwarzhalsziegenzucht, über die auch ein Fernsehteam bereits berichtete. Jetzt hat er sich aber auch noch deren Verwandten, der uralten, vom Aussterben bedrohten Ziegenrasse Capra Sempione zugewandt. ProSpecieRara, die Schweizer Stiftung für kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren hatte ein Rettungsprojekt gestartet, denn es sind weltweit nur vier Züchter gemeldet, es gibt nur noch 50 der weißen Tiere. Dank Gröbl jetzt auch in Deutschland. „Den Zuchtstamm habe ich mir von Walliser Züchtern geholt“, erklärt der 29-Jährige.

Viel Liebe, Arbeit und Freizeit steckt er in seine Herde, die insgesamt 22 Tiere umfasst, und führt über deren Zucht natürlich genauestens Buch. Es ist mehr als ein Hobby, „aber es kommt auch viel zurück“, ist der gelernte Fliesenleger überzeugt. Schaut er nach Feierabend seinen Ziegen beim Grasen zu, kann er auftanken. Mit viel Ruhe geht er mit den Tieren um. Die kennen ihn genau, kommen auf sein Rufen mit lautem Meckern freudig herbei. „Bevor wir sie nach Grainau gebracht haben, wurden sie gewaschen und gekämmt. Das ist eine ziemlich langwierige Prozedur, die sein muss und die wir im Winter im Stall fast täglich vornehmen“. Wie gut, dass die Freundin Friseuse ist und ihm gern dabei hilft.

Überhaupt ist natürlich die gesamte Familie in die Ziegenhaltung involviert. Doch bei den Schwarzhalsziegen und den Capra Sempiones möchte es Gröbl nicht belassen. Sein Herz hängt inzwischen auch an einer langhaarigen, kupferfarbenen Ziegenschönheit: Amelie heißt die kleine, im Februar geborene Schweizerin. Auch in dieser Richtung möchte Gröbl weiterzüchten, denn die Kupferhalsziegen gilt es ebenfalls zu erhalten, vor dem Aussterben zu retten. Vielleicht gibt es auf der Wiese im nächsten Jahr auch Tiere mit kupfernem und weißem langen Fell.

Margot Schäfer

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