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Führung durch das Abrams mit Landrat Anton Speer (M., graue Jacke) und Florian Hibler (hinten Mitte) von der Ausländerbehörde des Landratsamtes.

Flüchtlingskrise in Garmisch-Partenkirchen

Brandbrief: Garmischer Landrat versucht die Wogen zu glätten

Gewalt, Angst, Eskalation: Mit ihrem Flüchtlings-Brandbrief sorgte Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin für Aufsehen. Nun hält das Landratsamt dagegen: In der Erstaufnahme-Einrichtung laufe alles noch im Rahmen ab.

Garmisch-Partenkirchen – Auf der ganzen Welt haben Medien in der vergangenen Woche über Garmisch-Partenkirchen berichtet. Über den schönen Wintersport-Ort, in dem wegen der vielen Flüchtlinge die Situation bedrohlich zu werden scheint. Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer sorgt sich in einem öffentlich gewordenen Brief an die Regierung von Oberbayern, trotz der Gewalt und herrschenden Angst im Ort die „öffentliche Ordnung“ aufrecht erhalten zu können. Das führte zu massiven Negativ-Schlagzeilen. Der vom russischen Staat finanzierte Auslandssender „Russia Today“ veröffentlichte sogar, dass „die Schwarzen im ganzen Ort die Macht übernommen“ hätten. Eine Aussage, die die AfD gern aufgegriffen hat und bei Facebook fragt: „Bürgerkrieg in Garmisch-Partenkirchen?“

Nicht im ganzen Landkreis eskaliert die Situation

„Das Echo ist kontraproduktiv“, sagt Landrat Anton Speer zu dem medialen Erdbeben, „und nicht gerade förderlich für den Tourismus.“ Meierhofer habe beim Schreiben des Brandbriefes wohl die Zustände im Garmischer Kurpark vor Augen gehabt und die vielen notwendig gewordenen Hausverbote gegen Farbige. In der Erstaufnahme-Einrichtung auf dem Abrams Gelände, für die der Landkreis und damit Speer verantwortlich ist, eskaliere die Situation hingegen nicht.

„Es ist bei uns nicht problematischer als in anderen Einrichtungen auch“, unterstreicht Florian Hibler von der Ausländerbehörde bei einem Pressetermin. Zu dem haben deutschlandweit erscheinende Zeitungen Vertreter geschickt. Ihnen wird gezeigt, wie ruhig und entspannt die Situation bei der mittäglichen Essensausgabe ist. Die Journalisten sehen Zeichnungen der Bewohner an den Wänden, moderne Räume für Ärzte und das Schulzimmer für die Flüchtlingskinder.

Ein Flüchtling aus Nigeria meldet sich zu den Vorwürfen

Wurzel der Probleme ist jedoch, dass derzeit immer weniger Familien über die Grenze „und damit auch nicht in eine Erstaufnahme-Einrichtung kommen“, unterstreicht Hibler. Von den aktuell 231 Asylsuchenden sind gut die Hälfte Schwarzafrikaner und davon 80 Prozent alleinstehende Männer. Der größte Teil (nämlich 64) stammt aus Nigeria. Einer von ihnen meldet sich bei der Presse-Führung zu Wort. Er habe im Internet gelesen, was über Garmisch-Partenkirchen geschrieben wird. Dass die Flüchtlinge kriminell seien, rauben und vergewaltigen. „Das stimmt doch alles nicht“, sagt er aufgebracht. Er habe das Gefühl, dass er von den Einheimischen nach dem Brandbrief anders, ablehnender angesehen werde.

Hibler gesteht Konflikte ein - aber alles sei im Rahmen

„Wir wollen hier nichts beschönigen“, sagt Hibler mit Nachdruck. Natürlich gebe es Konflikte und Auseinandersetzungen. Bewohner der Einrichtung, die sich wie Rädelsführer benehmen, Flüchtlinge, die heimlich auf ihren Zimmern kochen und anderen per Gegenleistung dies auch ermöglichen. Unisono betonen die Verantwortlichen, dass es sich aber in keiner Weise um gefängnis-ähnlichen Strukturen handelt. Die Leitung der Erstaufnahme-Einrichtung liegt bei Wahid Kuchi in den Händen eines Mannes, der schon in der Bayernkaserne Erfahrungen gesammelt hat. Und auch er unterstreicht, dass alles im Rahmen ist.

Nichtsdestotrotz wurde im Abrams der WLAN-Zugang verbessert, damit die Flüchtlinge nicht mehr zu den öffentlichen Hotspots in der Gemeinde pilgern, außerdem soll es eine verstärkte Video-Überwachung und mehr Sozialarbeit geben.

Nadja Hoffmann

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