Angeklagter ist bereits mehrfach vorbestraft 

Drogenpartys mit Minderjährigen

Garmisch-Partenkirchen - Ein Garmisch-Partenkirchner lud regelmäßig zwei minderjährige Mädchen ein, um mit ihnen Drogen zu konsumieren. Dafür wurde der 38-Jährige nun vom Richter zu einer Bewährungsstrafe und Sozialarbeit verurteilt. 

Immer mal wieder lud der 38-jährige Garmisch-Partenkirchner zwei Mädchen, eines 13, das andere 14 Jahre alt, heim in seine Wohnung ein – und was machte er dort mit den beiden Minderjährigen? Nein, keinesfalls Sex. Vielmehr berauschten sich die Drei mit Drogen, Marihuana und „Spice“, einem synthetischen Cannabis-Ersatz. Und zwar exzessiv, dass die 14-Jährige zeitweise in einen Drogenrausch fiel, wie sie vor dem Gericht aussagte.

Auf die Anzeige der Mutter des älteren Mädchens hin griff schließlich die Polizei ein und jetzt wurde die mindestens zweifache Abgabe von Betäubungsmitteln an zwei Minderjährige mit einer drakonischen Strafe geahndet: Das Schöffengericht bedachte den Beschuldigten mit einer 15-monatigen Bewährungsstrafe sowie 160 Stunden Sozialarbeit. „Auf diese Weise könnten die Jugendlichen zur Sucht verleitet werden“, sagte Vorsitzender Richter Paul Georg Pfluger.

Staatsanwältin Dr. Martina Reiser hatte eingangs die seltsamen Drogen-Verführungen des 38-Jährigen geschildert: Mindestens viermal habe der Garmisch-Partenkirchner zwischen Mai und Juli 2014 ein damals 13-jähriges sowie ein 14-jähriges Mädchen in seiner Wohnung empfangen, wobei es ihm egal gewesen sei, dass sie noch minderjährig waren. Alsbald habe er dann Joints aus Marihuana beziehungsweise Spice gefertigt und sie den beiden Jugendlichen zum sofortigen Konsum übergeben. Als schließlich die Polizei zugegriffen habe, habe der Mann noch immer einen Marihuana-Restbestand von 0,5 Gramm in seiner Wohnung besessen.

Der von Anwalt Franz Grabo verteidigte Arbeitslose, der vor Jahren stark an paranoider Schizophrenie litt und deswegen noch heute behandelt wird, beteuerte von Anbeginn an, dass er die beiden Mädchen für erheblich älter gehalten habe: „Die Jüngere sagte, sie sei schon 18, und die Ältere sah ohnehin nach 18 aus“, erklärte er. Ein Freund habe ihn gewarnt, er bekäme Probleme, wenn er mit denen Drogen rauche. Er selber habe für sich ohnehin nur das preisgünstige Synthetik-Cannabis „Spice“ per Internet besorgt, behauptete er, und die jetzt 16-Jährige habe mit mitgebrachtem „Gras“ sprich Marihuana ausgeholfen: „Das Spice ist sowieso stärker als Marihuana. Die Mädchen machten selber ihre Joints, rauchten dann mit Vollgas und waren überdies voll frech“, behauptete der Angeklagte. Schließlich habe er die beiden, als es ihm zu viel wurde, hinausgeworfen.

Besonders geschädigt, erzählte dann die nun 16-Jährige, sei die Jüngere durch die Drogen geworden. „Sie bekam massive Probleme“, erklärte sie: „Ich verständigte ihre Mutter, die meinte, ihr Kind rutsche allmählich ab, weshalb auch sie Anzeige bei der Polizei erstattete.“

Für den siebenmal, davon mehrere Male auch einschlägig vorbestraften Angeklagten, der sich mittlerweile laut eigenem Bekunden vom Drogenkonsum gelöst hat, beantragte die Staatsanwältin schließlich eine zweijährige Bewährungsstrafe plus 1000 Euro Geldauflage. Verteidiger Grabo ging derweil davon aus, dass allenfalls zwei Fälle des gemeinsamen Drogengenusses nachweisbar seien, weshalb lediglich ein Jahr auf Bewährung in Frage komme.

Das Gericht hingegen verhängte 15 für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzte Monate Freiheitsstrafe. Überdies muss der 38-Jährige Sozialarbeit leisten und wurde angewiesen, jeglichen Umgang mit Drogen zu meiden sowie die ärztliche Behandlung der paranoiden Schizophrenie fortzuführen.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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