+
Überzeugter Elektrofahrer: Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer mit dem geleasten BMW i3, den er auch als Dienstwagen nutzt.

Anreize der Politik ziehen nicht

E-Auto-Revolution springt nicht an

Landkreis - Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen manchmal Welten. Bestes Beispiel: die Elektromobilität. Mit einer Vielzahl an Anreizen versucht die Politik, den Umstieg auf die E-Autos voranzutreiben – auch hier im Landkreis. Doch die Nachfrage ist bislang ausgesprochen schwach.

Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) ist Überzeugungstäter: Der Rathauschef nimmt Skeptiker – kürzlich waren es Schulkinder – gerne mal spontan auf eine Spritztour in einem neuen BMW i3 mit, um sie am klimafreundlichen Fahrspaß teilhaben zu lassen. Hemmschwellen abbauen, nennt das der Kommunalpolitiker. „Wir nehmen eine Vorreiterrolle im Landkreis ein“, berichtet er stolz. Den Wagen hat nämlich seine Gemeinde im Rahmen eines Pilotprojekts für Carsharing von dem kommunalen Verbund 17er Oberlandenergie geleast. Gemeindemitarbeiter können den Stromer ebenso nutzen wie Einheimische oder Gäste. Und die Energie wird vor Ort erzeugt.

Ohlstadt ist kein Einzelfall. Die Politik scheint sich regelrecht mit Ideen und Projekten zu überbieten, um der Bevölkerung das Thema Elektromobilität schmackhaft zu machen. Der Kreisort Garmisch-Partenkirchen war drei Jahre lang staatlich geförderte Modellkommune – und befindet sich jetzt in der Phase der Nachbearbeitung. Und auch Murnau strengt sich an, eine Hochburg in Sachen Nachhaltigkeit zu sein. Elektrofahrer zahlen dort beispielsweise keine Parkgebühren und können an Terminals der Gemeindewerke gratis „tanken“. Die besagte 17er Oberlandenergie plant Ende Oktober in der Staffelsee-Gemeinde sogar eine „Zukunftskonferenz“ zum Thema. Und schließlich bezuschussen seit Sommer Bund und Hersteller den Kauf von E-Mobilen mit dem Umweltbonus.

Der Haken an der Sache: Die Verbraucher ziehen nicht mit – und bleiben den Vehikeln mit Verbrennungsmotoren treu. E-Autos fristen nach wie vor ein Nischendasein, wie ein Blick in die Statistik belegt: Im Landkreis sind derzeit nur 61 reine Stromer (und 187 Hybridfahrzeuge) registriert, neu zugelassen wurden heuer elf (31). Nicht viel bei insgesamt fast 50 000 Pkws und über 2000 Neuzulassungen allein in diesem Jahr.

Und auch die staatlich verordnete Prämie in Höhe von bis zu 4000 Euro pro Autokauf brachte nicht den erhofften Durchbruch. Über 300 000 E-Autos und Hybride will die Bundesregierung damit auf die Straßen bringen. Doch beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gingen bis jetzt nicht mal 4500 Anträge ein. Kritiker sprechen bereits von einem „Rohrkrepierer“.

Ernüchternd fällt eine erste Bilanz der Autohändler in der Region aus. Offenbar wird der Zuschuss so gut wie nicht in Anspruch genommen. Zum Beispiel setzte das Murnauer Nissan-Autohaus Schwaller auf diese Weise gerade mal einen Wagen ab. Dabei bietet der japanische Hersteller mit dem Leaf das weltweit meistverkaufte Elektrofahrzeug an. Geschäftsführer Thomas Schwaller hat eine simple Erklärung: „Die Reichweite ist für viele der Knackpunkt.“ Bei optimalen Bedingungen liegt diese bei 250 Kilometern, im Alltag sind es häufig nur 190 – zu wenig für einen Pendler, der jeden Tag von Murnau nach München muss. „Ideal wären 300“, meint Schwaller. Er ist aber davon überzeugt, dass der technologische Fortschritt kommt – und dann auch die Akzeptanz steigt.

Ähnlich sieht es Gerhard Lutz, Chef des Mercedes-Autohauses Hornung im Kreisort. Mithilfe der Förderung fand bei ihm nur ein Smart einen Abnehmer. Die Verbraucher hätten noch kein Vertrauen in die Technik, sagt er. Neben der Reichweite müsste die Infrastruktur mit Ladesäulen spürbar ausgebaut werden. „Das geht nicht von heute auf morgen“, ist der Geschäftsmann überzeugt. „Aber das wird kommen.“ Er setzt auf neue, bessere Modelle, die in den nächsten Jahren auf den Markt kämen.

Skeptischer ist Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). E-Autos sind ihrer Ansicht nach auf dem Land allenfalls als Zweitwagen geeignet – zumindest beim jetzigen Stand der Technik. In den Ballungszentren, in denen kürzere Strecken zurückgelegt werden, könnten sich diese eher durchsetzen. Und sie seien einfach noch zu teuer. „Ein Normalsterblicher wird sich kein E-Auto kaufen“, glaubt Meierhofer. Und was hat Garmisch-Partenkirchen die Zeit als Modellkommune gebracht? Zumindest die Erkenntnis, dass E-Bikes der Renner sind. Die Bürgermeisterin schwärmt von einem „riesigen Aufschwung“.

Auch interessant

<center>Süße Weihnachtsbäckerei</center>

Süße Weihnachtsbäckerei

Süße Weihnachtsbäckerei
<center>Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?</center>

Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?

Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?
<center>Hirschkuss Vogelgezwitscher</center>

Hirschkuss Vogelgezwitscher

Hirschkuss Vogelgezwitscher
<center>Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017</center>

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Meistgelesene Artikel

Garmisch-Classic: Start in die Wintersaison

Garmisch-Partenkirchen - Raus mit den Skiern und ab auf die Piste: Die ersten Lifte gehen bald in Betrieb.  Noch gibt‘s Sonderpreise. 
Garmisch-Classic: Start in die Wintersaison

Bahnhalt am Kainzenbad wird zum Neujahrsspringen reaktiviert

Garmisch-Partenkirchen - Neues Licht für den Bahnsteig: Die Beleuchtung am Übergang an der Wildenauer Straße ist repariert. Nun kann die Station am Kainzenbad beim …
Bahnhalt am Kainzenbad wird zum Neujahrsspringen reaktiviert

Zwei Blitz-Geburten in einer Familie

Burgrain - Sie kamen nicht nur rasend schnell zur Welt, sondern auch viel zu früh: die beiden süßen Töchter der Familie Wildenauer aus Burgrain. Heute geht es Emma und …
Zwei Blitz-Geburten in einer Familie

Bei Petry-Besuch: Polizisten mit Fußtritten traktiert - Jugendstrafe

Garmisch-Partenkirchen - Zwei Wochen Dauerarrest – mit diese relativ milden Jugendstrafe ist ein Murnauer davongekommen. Der 19-Jährige hatte bei der Gegendemonstration …
Bei Petry-Besuch: Polizisten mit Fußtritten traktiert - Jugendstrafe

Kommentare