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In der Erstaufnahmeeinrichtung im Abrams-Komplex leben aktuell 250 Flüchtlinge.

Bürgermeisterin: „Ich rudere nicht zurück“ 

Gewaltiges Echo auf Brandbrief

Garmisch-Partenkirchen - Das Thema ist angekommen – zumindest bei den Verantwortlichen. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) hat erreicht, dass die Zustände in der Garmisch-Partenkirchner Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge neu überdacht werden.

Das Echo auf den Brandbrief, den Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) an die Regierung von Oberbayern geschickt hat, ist gewaltig. Und nicht immer so, wie es sich die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen vorgestellt hat. „Mir geht es allein um die Zustände in der Erstaufnahmeeinrichtung im Abrams-Komplex, nicht um die anderen Asylbewerber-Unterkünfte im Ort.“ Fast gebetsmühlenartig wiederholt Meierhofer ihr Anliegen (wir berichteten), wenn sie von Medienvertretern auf ihren Hilferuf angesprochen wird. Und das geschah häufig in den vergangenen Tagen. Journalisten aus aller Welt interessierten sich plötzlich für Garmisch-Partenkirchen und die vermeintlich chaotischen Zustände im Ort. „Das hat sich irgendwie verselbstständigt.“

Einen Imageschaden für den Tourismusort befürchtet sie dadurch aber nicht: „Das Ganze ebbt schnell wieder ab.“ Das Szenario erinnert sie an den Aufruhr ums Camp der Gegner des G7-Gipfels. „Auch da hat uns eine Mischung aus Nachrichten und Gerüchten überrollt.“ Und auch da sei nicht alles so verstanden worden, wie es tatsächlich gemeint war.

An ihren Sorgen über die „sich in den letzten Wochen immer mehr zuspitzende Situation in und um die Asyl-Erstaufnahmeeinrichtung Abrams“ hält sie fest. „Ich rudere nicht zurück“, betont Meierhofer. Ihr Anliegen bleibt, die Zustände auf dem früheren US-Areal an der Lazarettstraße zu thematisieren. „Die Bewohner haben den ganzen Tag nichts zu tun, haben keine Arbeit, machen keine Deutschkurse.“ Ohne Perspektive seien die Flüchtlinge mittlerweile bis zu sechs Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht und suchen – verständlicherweise – im Ort etwas Ablenkung von dieser Tristesse. „Die Frage ist, ob das zielführend ist“, meint die Bürgermeisterin.

Schützenhilfe bekommt sie von Alexander Huhn, Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes: Die Regierung, die für Einrichtungen dieser Art zuständig ist, sei nun gefordert, ein neues Betreuungskonzept zu erstellen. „Das Problem, das Frau Dr. Meierhofer angesprochen hat, stellt sich ja erst, seit die Belegungszeiten geändert wurden“, sagt Huhn. Nachdem die Asylbewerber plötzlich nicht nur Wochen, sondern gleich über mehrere Monate bleiben müssen, „funktioniert es eben nicht mehr ohne Begleitung und Betreuung“. Im Gegensatz zu den Einrichtungen im Ort, die zum Teil von Caritas-Mitarbeitern geleitet werden. „Da sind Fachkräfte da, die von Ehrenamtlichen unterstützt werden, das läuft.“

Diesen Unterschied hebt auch die Bürgermeisterin hervor. Das Dilemma, der 250 Flüchtlinge – darunter 150 Schwarzafrikaner –, die derzeit im Abrams-Komplex wohnen, ist die Untätigkeit, zu der sie verdammt sind. Dass es viele in den Ort, bei schönem Wetter in den Michael-Ende-Kurpark zieht, kann Meierhofer nachvollziehen. Die Beschwerden von Gästen und Einheimischen, die daraufhin bei ihr eingehen, muss sie trotzdem ernst nehmen. „Mir liegen auch Schreiben von Urlaubern vor, dass sie sich hier nicht mehr wohlfühlen.“ Deshalb stellt sich ihr die Frage, inwieweit eine solche Erstaufnahmeeinrichtung zu einer Tourismus-Destination passt. „Das muss bei weiteren Entscheidungen berücksichtigt werden.“

Den Denkanstoß konnte sie durch ihren Brandbrief liefern, das hat ein erstes Treffen mit Vertretern von Polizei, Landratsamt und Regierung gezeigt. Auch die Beamten der Garmisch-Partenkirchner Inspektion sind sensibilisiert. „Wir versuchen, das Sicherheitsgefühl der Bürger wieder zu stärken“, sagt Vize-Chef Thomas Holzer. Das bedeute, dass die Kollegen mehr Präsenz im Garmischer Zentrum zeigen. Verunsicherung ja, Angst macht er unter der Bevölkerung allerdings keine aus. „Wir leben hier nicht in Angst und Schrecken.“

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