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Lernwillig: Walter Glas (r.) gibt im Beisein von Eva Wackerle den Flüchtlingen in Oberau Sprachunterricht. 

Ehrenamtliche Hilfe für Oberaus Flüchtlinge

Gut aufgehoben bei „Mama Wackerle“

Oberau - Sie will helfen, auch wenn es manchmal schwer ist: Eva Wackerle berät in Oberau ehrenamtlich Flüchtlinge, die in dem Ort gelandet sind. Sie ist eine Bezugsperson geworden.

Es klingelt alle paar Minuten an der Tür von Ehrenamtskoordinatorin Eva Wackerle. Ein junger Mann kommt herein, will wissen, welche Firma er für seine Probearbeit wählen soll. Zwischen Autowerkstatt und Supermarkt kann er wählen. Wackerle rät ihm: „Wenn du dich für Autos interessierst, ist das eine gute Wahl.“ Er solle sich doch beide Betriebe anschauen und sich dann entscheiden. Gespräche wie diese führt die Oberauerin ständig. Sie berät Flüchtlinge im Pfarramt.

Vielen Asylbewerbern in Oberau reicht das Einkommen nicht aus, um sich zum Beispiel den Traum einer eigenen Wohnung zu erfüllen. Dafür brauchen sie erst einen Beruf. Den wiederum können sie nur ausüben, wenn sie die Sprache beherrschen und für die Tätigkeit auch qualifiziert sind. Wackerle will den Menschen vor Ort helfen, damit sie die ersten Schritte auf dem Weg in ein selbstständiges Leben meistern.

Vor einem Jahr hat sie gerüchteweise gehört, dass Flüchtlinge nach Oberau kommen werden. Sie wollte bei der Integration helfen. Denn sonst kommt nur einmal pro Woche eine Vertreterin von Caritas und Landratsamt und bietet eine Sprechstunde an.

Wieder klingelt es an der Tür. Dieses Mal kommt ein Bauarbeiter, der einen Stromanschluss für neue Computerräume im Pfarrheim braucht. Die Zimmer nebenan sollen mit Rechnern ausgestattet werden, mit denen die Lernenden erfahren, wie man mit einem PC umgeht. „Das ist für das heutige Berufsleben unerlässlich“, meint Wackerle.

Ihr Büro dient fünf Tage in der Woche als Anlaufstelle. Sie ist bei den Flüchtlingen gefragt, steht sie ihnen doch mit Rat und Tat zur Seite. Manchmal geht sie auch mit zu Behörden. Ein Asylbewerber nannte sie einmal „Mama Wackerle“. Beim Gedanken daran muss sie schmunzeln. Dennoch lautet ihr Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“. Sie möchte erreichen, dass die Männer und Frauen selbstständig sind. „Falls sie eines Tages von Oberau weggeschickt werden, müssen sie auf eigenen Beinen stehen können.“

In dem Gebäude neben der Kirche finden täglich Deutschkurse statt. Anfangs musste sich Wackerle um geeignetes Lernmaterial kümmern und Kurslehrkräfte suchen, die bereit sind, zu unterrichten. Jetzt bringt Walter Glas den Asylsuchenden ehrenamtlich mit dem „Hamburger ABC“ die deutsche Sprache näher. Sein Ziel ist „praxisnaher Unterricht“, den er mit viel Bild- und Tonmaterial veranschaulicht.

Die Oberauer Wasserwacht gibt kostenlos Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene. Zudem bieten Ehrenamtliche vier Tage die Woche während der Schulzeit eine Hausaufgabenbetreuung an. Ab September sind sieben Flüchtlingskinder für die Ganztagsschule in Oberau angemeldet.

Neben dem Fitness- und Freizeitraum am Bahnhof, den die Asylbewerber nutzen, sieht man oft Flüchtlinge auf dem Fußballplatz. Die Oberauer Elterninitiative bietet Kletter-, Wander-, Einrad- oder Tanzkurse an. „Wir sind hier stark vernetzt“, sagt Wackerle. Auch mit Caritas, Landrats- und Arbeitsamt. „Wenn der Draht zu den Behörden nicht so gut wäre, wäre vieles nicht möglich.“

Sie spricht aber auch die anfänglichen Schwierigkeiten an. „Jahrelange Kriegswirren zerstören Strukturen. Dies prägt die Leute ungemein.“ Beispielsweise waren einige es nicht gewohnt, pünktlich zu sein. Zudem dürfe man „die Gläubigen nicht in ihren religiösen Einstellungen verletzen“. Da kann es zu Konflikten kommen. Etwa, wenn ein Mädchen das Kopftuch beim Schwimmkurs ablegen soll.

Wackerle tut nicht so, als wäre alles perfekt. Beispielsweise sagt sie, dass nicht alle Asylbewerber arbeiten wollen. Doch sind das die Ausnahmen. Der Großteil suche einen Arbeitsplatz. Und Wackerle will sie unterstützen, ihnen auch Mut machen, wenn die Anträge wieder lange bei Behörden liegen oder es Schwierigkeiten gibt. So hilft sie bei der Integration, die die Flüchtlinge auch untereinander leben. Egal, welcher Religion sie angehören. „Sie haben bereits echte Freundschaften geschlossen“.

Veronika Wackerle

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