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Zum obligatorischen "Familienfoto" haben sich die Teilnehmer des G7-Gipfels auf Schloss Elmau vor einem Jahr aufgestellt. Über den Sinn und Unsinn des Treffens wird viel diskutiert. 

Ein Jahr nach dem Gipfel aus Schloss Elmau: Landrat und Grünen ziehen Bilanz

So unterschiedlich fallen die G7-Rückblicke aus

Garmisch-Partenkirchen - Der Landrat schwärmt noch immer in den höchsten Tönen, bei den Grünen-Politikerinnen ist von Begeisterung nichts zu spüren. Genau ein Jahr nach dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau am 8. Juni 2015 könnten der Rückblick von Anton Speer auf der einen Seite und Claudia Stamm sowie Nathalie Fischer auf der anderen nicht unterschiedlicher ausfallen. 

Die Kritikerinnen: Claudia Stamm und Nathalie Fischer vom Bündnis 90/Die Grünen

Nathalie Fischer und Claudia Stamm widersprechen dem positiven Bild, das vom G7-Gipfel auf Schloss Elmau gezeichnet wird. Genau ein Jahr danach ziehen die Politikerinnen des Bündnis 90/Die Grünen im Garmisch-Partenkirchner Gasthof zur Schranne kein positives Fazit.

Nach Ansicht von Landtagsabgeordneter Stamm und Fischer, der Sprecherin des Kreisverbands, wurden unterm Strich keine befriedigenden Fortschritte während der eineinhalb Tage langen und rund 130 Millionen Euro teuren Konferenz im Bereich Klimaschutz, Entwicklungspolitik, Steuergerechtigkeit, Gleichstellung der Geschlechter, Welthandel oder dem Ukraine-Konflikt erzielt. „Und das, obwohl der Gipfel zum Beispiel als Fortschritt in Sachen Klimaschutz in Vorbereitung zur Pariser Weltklimakonferenz beworben wurde“, kritisiert Stamm. Der Interessenschutz der Industrie stehe scheinbar immer noch vor dem Klimaschutz. Auch der Waffenhandel „geht weiter wie bisher“. Trotz der katastrophalen Syrienkrise. Stamm fordert, dass sich die sieben mächtigsten Staats- und Regierungschefs „unbedingt ihrer Verantwortung stellen müssen“.

Als sehr bedenklich beurteilt die Grünen-Politikerin, dass „die Rechte der Demonstranten beim Gipfel im Landkreis scheinbar gar nicht bedacht wurden“. Anstatt den gesetzlich vorgeschriebenen Raum für protestierende Bürger zu schaffen, habe man ausschließlich auf die „gewaltige Präsenz der Polizei“ gesetzt. Dass dies Menschen abschrecke, ihre Meinung kundzutun, sei  beim diesjährigen G7-Gipfel in Japan zu sehen gewesen: Bei einem Aufgebot von 70 000 Ordnungshütern haben „nur noch ein paar Dutzend Kritiker den Weg nach Ise-Shima gefunden“.

Kein touristischer Mehrwert

Doch was bedeutete der G7-Gipfel nun für den Landkreis? Fischer kritisiert, dass die „Megaveranstaltung“ auf Schloss Elmau zwar „einige Neuanschaffungen in den Gemeinden ermöglichte“, jedoch nicht den erhofften touristischen Mehrwert brachte. „Von einer großen Besucherwelle seitdem kann keine Rede sein“, sagt die Sprecherin des Kreisverbandes. Eine endgültige Meinung könne man sich jedoch erst Ende 2016 bilden, „wenn alle Übernachtungszahlen vorliegen“.

Dass der Standort Elmau, der an Naturschutzgebiete angrenzt, für eine Konferenz dieser Größe „absolut ungeeignet“ und die enormen Kosten für diese Veranstaltung „in keiner Relation“ stehen, darin sind sich Fischer und Stamm einig. „Man sollte das nächste Mal vieles besser machen“, urteilt Stamm und betont wie Fischer: „Wir wünschen uns künftig mehr Platz für Bürger- und Naturschutzrechte sowie mehr Vernunft und Maß im finanziellen Aufwand."

Magdalena Kratzer

Der Befürworter: Garmisch-Partenkirchens Landrat Anton Speer

Über 60 Anfragen für Demonstrationen, hunderte Überstunden, zahllose Besprechungen: Im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen liefen während des G7-Gipfels alle Fäden zusammen. Vor genau einem Jahr fand das Treffen der sieben mächtigsten Politiker auf Schloss Elmau statt. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) schwärmt und erinnert sich an amüsante Situationen.

Herr Speer, was ist für Sie DAS Bild des G7-Gipfels auf Schloss Elmau?

Anton Speer: Das sind definitiv all die Bilder von den friedlichen Demonstrationen. Denn natürlich gab es eine gewisse Anspannung, dass alles gut geht und friedlich abläuft.

Sehen Sie darin den größten Erfolg des Gipfels?

Speer: G7 war für den Landkreis in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Was die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten betrifft, was die Investitionen angeht – schließlich sind 40 Millionen Euro in die Infrastruktur geflossen. Und auch, was die Kontakte angeht. Innenminister Joachim Herrmann beispielsweise habe ich vor Kurzem getroffen. Und er hat den Gipfel als ,einmaliges Ereignis‘ sofort erwähnt.

Welches Erlebnis wird Ihnen auf ewig im Gedächtnis bleiben?

Speer: Gerne erinnere ich mich an den Empfang in der Münchner Residenz, den Ministerpräsident Horst Seehofer unter anderem für die Staats- und Regierungschefs mehrerer afrikanischer Staaten organisiert hat. Da bin ich neben der liberischen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf gesessen – sie mit Turban, ich mit Gamsbart. Freilich wollte sie wissen, was das da auf meinem Hut ist.

Wie haben Sie Ihr das erklärt?

Speer: Gott sei Dank gab’s ja einen Dolmetscher. Er hat ihr übersetzt, dass es da bei uns ein Tier im felsigen Gebirge gibt, dem diese Haare auf dem Rücken wachsen.

Interessante Gespräche gab’s sicher auch beim Begleitprogramm, das Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer für die Partner der Regierungschefs organisiert hat.

Speer: Da wurde ich wirklich mit Fragen gelöchert (lacht). Herr Sauer hat sich besonders für die Buckelwiesen interessiert. Und Akie Abe (Ehefrau des japanischen Ministerpräsidenten, Anm. d. Red.) wollte alles Mögliche über die Blumenwelt wissen.

Kennen Sie sich denn mit Blumen aus?

Speer: Da bin ich wirklich ganz schön ins Schwitzen gekommen, weil ich mit Pflanzen dann doch nicht so vertraut bin. Sie wollte aber auch genau wissen, welche auf meinen Hosenträgern zu sehen sind. Ein paar Blumen wie Edelweiß und Almrosen hab’ ich dann schon zusammengebracht.

Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner hat Sie bei diesem Ausflug als Gastgeber begleitet.

Speer: Ja, wir beide haben am Ferchensee ein bisschen Unterhalter gespielt. Dass Adolf Hornsteiner am Ferchensee die Zither ausgepackt hat, war schon eine besondere Einlage.

Das klingt alles nach einer perfekten Veranstaltung. Wünschen Sie sich einen zweiten Gipfel?

Speer: Bei aller Arbeit – ja. Ich möchte ihn noch einmal machen.

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