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Skepsis? Eigentlich nicht. Felix Neureuther blickt der neuen Weltcup-Saison zuversichtlich entgegen. Sein Gefühl sei „ordentlich“, betont er. 

Ski-Ass blickt vor dem Weltcupstart auf 14 Jahre der Veränderung

Felix Neureuther: "Ich hab' einen Arschtritt gebraucht"

Garmisch-Partenkirchen - Im Jahr 2003 debütierte Felix Neureuther bei der Weltmeisterschaft in St. Moritz im Weltcup, heuer kehrt er an diesen Ort zurück - wieder zur WM im Februar. Dazwischen hat sich viel getan beim 32-Jährigen.

Ein Vier-Sterne-Hotel, mitten in St. Moritz. Vier Sterne! Unfassbar. Bis dahin kennt Felix Neureuther nur Jugendherbergen. Jetzt übernachtet er in diesem Schweizerischen Nobel-Hotel. An dessen Eingang warten zwei gut aussehende Frauen, die ihm Getränke reichen. „Da schau her, so läuft das hier“ – der junge Bursche könnte sich daran gewöhnen. Ebenso wie an die tausenden Zuschauer an der Rennstrecke und im Zielraum.

Es ist der 16. Februar 2003. Felix Neureuther ist 18 Jahre alt, startet bei seinem ersten internationalen Slalom-Rennen. Und das gleich bei einer Weltmeisterschaft. Und das gleich mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang. Mit einem Schlag steht der junge Garmisch-Partenkirchner in der Öffentlichkeit.

Der 18-Jährige Neureuther plappert einfach drauf los

Damals fängt das an. Das mit den Sätzen, die er besser nicht gesagt hätte. In zahllose Mikrofone und Diktiergeräte redet Neureuther nach seinem WM-Debüt. Er erzählt, wie neu alles für ihn ist – bislang hätten ihn schließlich nie „zwei Super-Hasen“ vor einer Unterkunft in Skigebieten mit Getränken begrüßt. Ohne nachzudenken, plappert er einfach drauf los – und bereut‘s. Lange wird er die „zwei Super-Hasen“ nicht mehr los.

2017 wird Neureuther zum zweiten Mal in St. Moritz bei der Alpinen Weltmeisterschaft starten. Nach 14 Jahren, in denen sich für ihn weit mehr verändert hat als das Alter, das ihn naturgemäß erfahrener und erwachsener hat werden lassen.

"Ich bin vorsichtiger geworden"

Im Umgang mit Journalisten „bin ich vorsichtiger geworden“, sagt Neureuther im Tagblatt-Interview kurz vor seinem Weltcup-Start in Sölden an diesem Sonntag, 23. Oktober. Längst hat er sich zum Medienprofi entwickelt. Und doch gibt’s immer wieder so Sätze, die würde er gerne zurücknehmen. Weil sie ihn verfolgen. Neulich erst hat er wieder einen solchen losgelassen: Körperlich fühle er sich wie 50, vom Kopf her wie 20. „Hätte ich vielleicht nicht sagen sollen“, sagt er ein paar Wochen später. Darauf werde er jetzt wohl lange angeredet. Besonders vor dem Hintergrund, dass sein in Wahrheit 32 Jahre alter Körper ja schon so manches Mal gestreikt hat.

In den vergangenen Wintern konnte er sich zum Teil kaum bewegen vor Rückenschmerzen. Fragte sich und die Ärzte, ob das alles noch Sinn mache. Neureuther musste sich mit einem Rücktritt auseinandersetzen. Ernsthaft auseinandersetzen. Auch ein Thema, das ihn begleitet. Und eines, das er im Rückblick relativiert. „Mei, was heißt ernsthaft.“ Jeder Sportler erlebe doch diese Tage, an denen er kaum aufstehen könne. Für ihn zählt nur: „Gerade ist alles in Ordnung.“

Über 30 Skitage - um die 10 waren es vor einem Jahr

So intensiv wie für diese Saison hat sich Neureuther seit drei Jahren nicht vorbereitet. Über 30 Tage stand er auf Skiern, um die zehn waren es vor einem Jahr gewesen. Kurz vor Sölden trainierte er mit dem Team noch im Mölltal, zuvor bereits auf der Weltcup-Strecke auf dem Rettenbach-Ferner. „Läuft gut“, sagt er und hustet ins Telefon – die kalte Luft und die Anstrengung. Ansonsten steckt er die gut weg.

Der Athlet vom Skiclub Partenkirchen weiß, wie er seinen Körper behandeln muss. Und zwar anders als andere. Anders als die Jungen im deutschen Technik-Team wie Stefan Luitz (24) und Linus Strasser (24). Anders auch als Fritz Dopfer (29) vom Skiclub Garmisch, den generell keine solchen körperlichen Dauerbaustellen plagen.

Vier Wochen Argentinien -  „Das würde der Rücken nicht aushalten“

Neureuther lebt mit seinem Schwachpunkt Rücken. Ihn hat er im Sommer gestärkt, hat sich Ruhe gegönnt. Im argentinischen Ushuaia trainierte er mit dem deutschen Kader nur zwei Wochen statt vier. „Das würde der Rücken nicht aushalten.“ Wenn Mannschaftskameraden mit schweren Gewichten ihre Muskeln aufbauen, packt Neureuther einige Kilogramm weniger auf die Hanteln, wiederholt die Übungen dafür öfter. Fußballspielen oder Joggen lässt er sein, fährt dafür mehr Rad. Zusätzlich hilft der Physiotherapeut. Ihn besucht Neureuther nach jeder Einheit auf Skiern, vor dem Abendessen und der Videoanalyse.

Was er auf den Bildern sieht, gefällt ihm schon ganz gut. Sein Gefühl jedenfalls ist „ordentlich“. Darauf kommt es an. „Das Gefühl muss passen, dann passen auch die Ergebnisse.“ Wie vor zwei und vor drei Jahren, als er jeweils achtmal auf dem Podium stand und den Sieg im Slalom-Gesamt-Weltcup knapp verpasste. Bei der WM in St. Moritz könnte er nach Silber und Bronze den Slalom-Titel holen. Auf solche konkreten Ziele aber lässt sich Neureuther nicht ein. Die würden ihn die ganze Saison über verfolgen.

In St. Moritz 2003 zeigte er zum ersten Mal, dass er mit den Besten mithalten kann. Das unterstrich er immer wieder mit vollmundigen Aussagen. Mehr wurde daraus zunächst nicht. Bei ihm habe halt alles etwas länger gedauert. „Ich hab‘ einen Arschtritt gebraucht.“ Und er musste lernen, mit Druck umzugehen. Es gab Tage, da drohte er, „daran zu zerbrechen“. Neureuther sagt’s – und korrigiert sich. Das Wort ist zu groß, zu dramatisch.

750.000 Euro an Spenden für Kinder

Es gab also Tage, an denen er sich gefragt hat: „Ist das wirklich das, wofür ich leben will?“ Wenn ihn Medien nach einem erneuten Ausfall scharf anpackten. Wenn er dem Vergleich mit seinen berühmten Ski-Eltern Christian Neureuther und Rosi Mittermaier nicht standhielt. Er wollte nicht nur „der Sohn von…“ sein. Heute steht Neureuther drüber. „Ich bin der Sohn von… – und der glücklichste Sohn überhaupt.“ Dank der Erfolge hat er sich freigeschwommen. Zudem sieht er die Vorteile: Der Name hat ihm auch Türen geöffnet. Längst ist Felix Neureuther ein gefragter Werbepartner, nutzt seine Prominenz, um sich für Kinder einzusetzen. Zuletzt moderierte er in München die „Felix & Friends for Kids“-Gala. 750 000 Euro an Spenden hat er gesammelt für sein Projekt „Beweg dich schlau!“. Sein Engagement will er nach seinem Karriereende – Olympia 2018 ist als Ziel gesetzt – ausbauen. Darin geht er auf, minutenlang schwärmt er von seinen Sportstunden mit Buben und Mädchen, die er beispielsweise in Schulen besucht. Kinder, sagt er, sind nicht so voreingenommen wie Erwachsene, plappern einfach heraus, was sie denken.

Ein bisschen wie Felix Neureuther also. Diese „Super-Hasen“-Sätze wird er weiterhin von sich geben. Hoffentlich. Denn sie machen ihn auch aus. Er sagt ja selbst: „In jedem von uns steckt doch ein Kind. Das sollte nie verloren gehen.“ 

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