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Hübsches Fleckchen: der Lake Merrit in Oakland.

Tagblatt bei den NBA Finals

Ball(er)Männer V: Von Urlaubs-Banausen und Nudel-Horror

Oakland - Fast-Food, Müll und viele Verbrechen - so haben sich die zwei Tagblatt-Mitarbeiter Oakland vorgestellt. Die helle Seite der Stadt lernen sie spät, aber nicht zu spät kennen. Teil fünf der Kolumne.

Zwei Bayern alleine in den Staaten: Die beiden Tagblatt-Mitarbeiter Stephan Adelberger und Andreas Mayr berichten zwei Wochen lang von den Endspielen der besten Basketballliga und ihren Abenteuern in der Kolumne Ball(er)Männer. Hier die fünfte Ausgabe:

Liebes Oakland,

das hier ist ein Brief an dich. Wir müssen uns entschuldigen. Für unsere Ignoranz. Für unsere Vorurteile. Für unser Benehmen. Aber wir haben dich ja nicht absichtlich verurteilt. 

Was hätten wir denn machen sollen? Der Basketball hat uns in deine dunkelste Ecke geschickt. East Oakland. Ein Viertel, dessen Dichte an Fast Food-Restaurants (Tack Bell, Jack in the Box, McDonalds, Burger King, Panda, In & Out Burger - mehr fällt uns fürs Erste nicht ein) nur noch von den Verbrechen pro Quadratmeter übertroffen wird. Dieses Eck gehört zu den gefährlichsten Winkeln der USA, hat uns eine Online-Platform vor der Reise verraten. Zwei Dinge gibt's dazu  en masse: Müll und Billig-Hotels. So haben wir Oakland kennengelernt. Seien Sie ehrlich, auch sie hätten Oakland abgekanzelt. 

Fußball-EM im Burger-Laden

Aber zum Glück gibt's Robin. Robin ist freier Journalist, ziemlich groß, Deutscher, ähnlich jung aber etwas aufgeschlossener als wir. Der Lulatsch reist seit einigen Wochen durch die USA - und er hat schon die andere Seite Oaklands gesehen. Die helle, die sich herzeigen lässt. Für drei Nächte teilen wir mit ihm ein Zimmer in Oakland. Weil das Budget mittlerweile bei uns allen fast so klein wie die Meisterchance der Cleveland Cavaliers ist. Das ganze Hin und Her - Oakland-Cleveland-Oakland-Cleveland - verschlingt Kohle, Zeit und Nerven. Es muss schnell gehen, an diesem Sonntagmorgen. Deutschland spielt. Ja, die Fußballer. Interessiert nicht viele hier. Einen Laden finden wir aber in Downtown Oakland. Überraschung, Überraschung. Echt ein ordentlicher Schuppen. Hübsches Interieur, gute Burger und ein Flachbildschirm, der Deutschland gegen die Ukraine zeigt. Schon mehr, als East Oakland zu bieten hat. Eine Runde um den See - irre: mitten im Zentrum trennt das Ding Hochhäuser, die nicht ganz so hoch sind, und ein Wohnviertel. Sogar Tretboote tuckern darin. Nur baden traut sich keiner. Besser ist es. Darin schwimmen nämlich nicht nur Fische. 

Fußball-EM zu dritt: (v.l.) Andreas Mayr, Stephan Adelberger und Robin Knapp.

Gesehen hätten wir den See niemals ohne Robin, wir Urlaubs-Banausen. Wie, noch nie gehört das Wort? Hat sich Andi ja auch selbst ausgedacht. Macht er oft, wenn er zu viel Zeit hat. Seine Definition für Urlaubs-Banausen: Menschen, die immer am gleichen Ort Urlaub machen, aus Angst etwas Neues auszuprobieren. Die ewigen Jesolo-Jünger. Kennt man. Stephan, schon achtmal am Gardasee, gefällt der Begriff gar nicht. Und wenn sich die beiden uneinig sind, dann wird diskutiert. Ewig. Bis die Sonne untergeht. Dann: Spielabbruch. Alle haben Hunger.

Koreanischer Nudel-Albtraum  

Albtraum: ein koreanisches Nudelgericht.

Zurück nach Downtown Oakland. Eine kulinarische Weltmetropole im Vergleich zum Osten der Stadt. Robins Tipp: Koreaner. Lecker, sagt er. Hat der ruhige Bursch schon bei seinem ersten Stop ausprobiert. Doch Robin kann nicht wissen, dass die beiden Essens-Banausen sind. Daheim steht dreimal die Woche Pizza auf dem Tisch, dazu gute bayerische Hausmannskost. Also die Straße runtergejagt, vorbei an Bars mit Leuchtreklame aus den 1920er Jahren, Auto-Werkstätten, die die schäbigsten Karren aufmotzen, und dem einzigen Supermarkt der Stadt, der abends um 10 noch offen hat. Kurz die Karte checkt. Zu viel fach-koreanisch. Ganz, ganz am Ende steht was von "Nudeln". Zwei Gerichte, eimal warm, einmal kalt. Probieren wir. Wird schon so schmecken, wie die Gemüse-Schlangen beim Panda in East-Oakland. Äh, fast. Erstens: zwei riesige Portionen, bei denen man sich fragt, wie die zierlichen Asiaten neben uns die verputzen. Zweitens: absolut ungenießbar. Für uns zwei jedenfalls. Die Dinger sprengen den Geschmacks-Horizont. Nach was sie schmecken: Kann man nicht sagen. Wie etwas, von dem man Albträume bekommt, in denen sich die dünnen Nudeln schön langsam um die Kehle wickeln. Genug phantasiert. 

Jetzt heißt's Mund ausspülen. Straße zurück. Rein in eine Bar, in der die eine Hälfte an der Theke hängt und die andere ein Spiel, das wie Boccia aussieht, zockt. Blick aufs Menü. Wieder ratlose Blicke. Prinzip Zufall hilft. Drei bunte Cocktails stehen wenig später auf dem Tisch. Geht doch. Kann man trinken. Überraschungen gehören dazu. Gerade in Oakland. Die Stadt, der wir Unrecht getan haben. 

Danke Oakland für deine Geduld. Du wirst uns fehlen. 

Liebe Grüße

Stephan und Andi

Stephan Adelberger

Stephan Adelberger

E-Mail:info@merkur.de

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