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Nur strahlende Gesichter: Ziaullah Yousufzai (vorne 2. v. l.) aus Afghanistan richtet ein Fest für all jene aus, die ihn unterstützt haben. 

Afghane als Beispiel für gelungene Integration

Asylbewerber mit Vorbildcharakter

Garmisch-Partenkirchen - Er hat viel Hilfe bekommen und weiß das zu schätzen: Asylbewerber Ziaullah Yousufzai hat die deutsche Sprache und einen Beruf erlernt sowie Freunde gefunden. Inzwischen ist er für viele selbst zum Helfer geworden.

Ziaullah Yousufzai wird von seinen Freunden, und davon hat er viele, nur Zia genannt. Vor fünf Jahren floh der heute 30-Jährige aus Afghanistan nach Deutschland. Nach einigen Monaten in München landete er schließlich in Garmisch-Partenkirchen. Der schüchterne junge Mann sprach damals kein einziges Wort Deutsch, war einer von vielen Flüchtlingen. Doch heute ist er etwas Besonderes. Yousufzai hat es geschafft. Er hat die deutsche Sprache gelernt. Nach einer Ausbildung zum Hotelfachmann im Rheinischen Hof bei Jutta Griess, die „immer für mich da gewesen ist“, bedient er seit einigen Wochen die Gäste im Gasthaus Mohrenplatz.

Mit einem festen Arbeitsvertrag ist Yousufzai somit anerkannter Asylbewerber mit einer zunächst auf ein Jahr befristeten Aufenthaltsgenehmigung. „Wenn man etwas will, dann kann man es mit eisernem Willen auch erreichen“, lautet seine Botschaft an all diejenigen, die jammern, die zu wenig Eigeninitiative zeigen, die sich hängen lassen. An sie richtet Yousufzai seinen Appell: „Tut etwas, nehmt Euer Schicksal selbst in die Hand!“

Der junge Mann, der daheim in Afghanistan als ungelernte Kraft in der elterlichen Schreinerei aushalf, hat vorgemacht, wie es geht. Dass ihm dabei viel Hilfe zuteil geworden ist, weiß er. Um sich bei all denjenigen zu bedanken, die dabei geholfen haben, ihm den Weg zu ebnen, lud Yousufzai zum afghanischen Büffet ins Jugendzentrum (JUZ) nach Garmisch-Partenkirchen ein. Und sie kamen alle: die Mitarbeiter von Caritas und JUZ, ehemalige Lehrer und viele andere Ehrenamtlichen, die Yousufzai auf die eine oder andere Weise unterstützt, ihn gefördert haben. Sie feierten mit ihm seinen Arbeitsbeginn. Und sie werden ihn, der noch so viele Pläne hat, weiter begleiten.

Gern möchte Yousufzai irgendwann einmal selbst im Sozialdienst tätig sein. Am liebsten wäre er ja Altenpfleger geworden, verrät er, aber dafür wäre ein Mittelschulabschluss Voraussetzung gewesen. Den hat er nicht. Aber anstatt sein Schicksal zu beklagen, „habe ich eben etwas anderes gemacht“. Hauptsache: Arbeiten, etwas tun, nicht herumsitzen. Yousufzai will anderen Flüchtlingen Mut machen, ruft zu Fleiß auf, dazu, nicht dem Staat zur Last zu fallen, auch mit wenig zufrieden zu sein. Sich zu integrieren, wenn’s auch nicht immer leicht falle.

Asylbewerber möchte zurückgeben, was er selbst empfangen hat

Alle, die gekommen sind, sprechen nur gut über den dunkelhaarigen Mann mit den braunen Augen und dem sanften Lächeln. „Zia ist fleißig, offen und begabt“, beschreibt ihn beispielsweise Sabine Schmeidl vom JUZ. Er gilt hier als ein Musterbeispiel gelungener Integration. Auch seine ehemalige Berufsschullehrerin Annette Brauner schließt sich den Lobesworten an: „Zia ist ein großes Vorbild für viele.“ Zwei Jahre hat sie den jungen Mann begleitet, ihn im Fach „Gastronomie“ praktisch angeleitet. „Anfangs war er sehr schüchtern, aber immer voll konzentriert“, beschreibt Brauner ihren Vorzeige-Schüler. Überaus geschickt habe er sich angestellt beim Tragen von Tellern oder beim Servietten-Falten. Das habe ihm Selbstvertrauen gegeben. Er begann, gezielte Fragen zu stellen, lernte emsig und war dabei immer lustig und humorvoll. „Ich wünsche Zia von Herzen, dass er seinen Weg so zielstrebig weiter verfolgt.“ Brauner wird Kontakt mit ihm halten, werde immer für ihn da sein, ob bei einem Berufswechsel oder bei privaten Sorgen oder Fragen.

Inzwischen ist Yousufzai selbst für viele zum Helfer geworden. Dolmetscher, Ansprechpartner und Mittler zwischen den Kulturen. In dieser Rolle fühlt er sich wohl. Ja, er möchte zurückgeben, was er selbst empfangen habe. Seine zwei Jahre ältere Freundin Patricia, wie er auch sozial engagiert, steht ihm zur Seite. Yousufzai möchte in Garmisch-Partenkirchen bleiben, hier hat er eine zweite Heimat gefunden. Und noch einen Wunsch hat er: Nach fünf Jahren endlich wieder seine Eltern in die Arme nehmen, seine kranke Mutter, die vom Dach gefallen ist und im Krankenhaus liegt. Jeden Cent legt er für den Flug nach Afghanistan zur Seite. Spenden oder finanzielle Hilfe lehnt er ausdrücklich ab. „Ich schaffe das allein“, sagt er. „So viele Menschen haben mir schon geholfen, jetzt möchte ich auf eigenen Beinen stehen.“

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