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Fesseln gelöst

Leifheit-Stiftung: Jetzt können die Millionen fließen

Garmisch-Partenkirchen - Die Fesseln, die um die 57 Millionen Euro der Leifheit-Stiftung lagen, sind gelöst. Ein interfraktionelles Gremium aus vier Gemeinderäten, Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer und Professor Rudolf Faltermeier hat eine gemeinnützige GmbH gegründet, die das Geld zum Wohle von Garmisch-Partenkirchner Senioren einsetzen soll.

 Im Gemeinderat ist man sich nicht immer grün. Da wird schon mal heftig gestritten sowie gegen denn politischen Gegner ausgeteilt und manchmal mit harten Bandagen gekämpft, um die eigene Meinung durchzudrücken. Es geht allerdings auch anders: kooperativ und konstruktiv. Was die Leifheit-Stiftung und 57 Millionen Euro nicht alles möglich machen. „Wir haben an einem Strang gezogen“, sagt Florian Hilleprandt. „Wir haben Partei-übergreifend hervorragend zusammengearbeitet“, stimmt Elisabeth Koch zu. Die CSU-Frontfrau und der Fraktionsvorsitzende des Christlich Sozialen Bündnisses (CSB) gehören mit Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen), Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), Claus Gefrörer (CSU) und Professor Dr.h.c. Rudolf Faltermeier jenem Gremium an, das seit mehr als einem Jahr damit beschäftigt ist, das Geld dem Stiftungszweck entsprechend für Garmisch-Partenkirchen zu nutzen. Dass am vergangenen Freitagmittag die LongLeif GaPa gemeinnützigen GmbH gegründet werden konnte – für Koch ein „absoluter Meilenstein“.

Daran hat Dr. Jürgen Busse, nach Meinung aller Beteiligter, großen Anteil. Der Rechtsanwalt gilt als Experte in Stiftungs-Fragen. „Sein Wissen war enorm wichtig“, sagt Meierhofer. Busse hat sich auch um einen kommissarischen Geschäftsführer bemüht und ist fündig geworden. Der Münchner Jurist Johannes Velte leitet die Geschäfte der gGmbH so lange, bis ein Nachfolger gefunden ist. Die Gemeinde hat einen Headhunter mit der Suche nach einem geeigneten Mann oder einer geeigneten Frau beauftragt. Kandidaten scheint es bereits zu geben. Das sechsköpfige Gremium, das irgendwann auch den Aufsichtsrat stellen soll – allerdings muss der Gemeinderat zustimmen –, will sich am 25. November intensiv mit dieser Personalie beschäftigen und Hilleprandt zufolge „eine Vorauswahl treffen“. Meierhofer hofft, dass der neue Geschäftsführer seine Arbeit am 1. April des kommenden Jahres aufnimmt. „Man muss mit Kündigungsfristen rechnen.“

Gewisse Dinge können alledings nicht warten und dürfen nicht auf die lange Bank geschoben werden, weil die Zeit drängt. Deshalb hat man mit Velte einen kommissarischen Kopf für die gemeinnützige GmbH, zu 100 Prozent im Besitz der Gemeinde, bestellt. Bis Ende des Jahres muss der Kauf des Alten Finanzamts notariell verbrieft sein, will die Gemeinde nicht Gefahr laufen, einen weit höheren Preis zahlen zu müssen als jene rund 2,6 Millionen Euro, die der Freistaat als Besitzer des denkmalgeschützen Gebäudes erzielen möchte. „Bis Mitte Dezember soll alles unter Dach und Fach sein“, sagt Meierhofer. Derzeit logiert in dem Haus an der von-Brug-Straße noch bis Ende 2017 ein Teil des Landratsamts, der wegen der Sanierungsarbeiten an Haus B der Kreisverwaltung an der Olympiastraße ausquartiert werden musste. Erst danach kann der Umbau des Alten Finanzamts in ein Seniorenzentrum beginnen. Probleme mit dem Mieter Landratsamt befürchtet die Rathaus-Chefin nicht. „Wir befinden uns in gutem Einvernehmen.“ Auf dem Grundstück des Alten Zollhauses, das dahinter liegt und das der Gemeinde gehört, sollen kleine Wohnungen für bedürftige alte Menschen entstehen.

Das Seniorenzentrum und das quasi Seniorenstift entsprechen exakt dem letzten Willen von Günter und Ingeborg Leifheit, die in Garmisch-Partenkirchen das fanden, wonach sie sich sehnten: Ruhe und Diskretion. Die 57 Millionen, die sie über die Leifheit-Stiftung der Marktgemeinde vermachten, ruht derzeit auf einem Sonderkonto und zählt unter dem Titel „Sondervermögen“ zum Haushalt. Damit keine Negativzinsen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gezahlt werden müssen, hat die Gemeinde das Geld bei verschiedenen Finanzinstituten geparkt. „So machen wir wenigstens keinen Verlust“, sagt Meierhofer. Zug um Zug sollen die Millionen jetzt auf das Konto der LongLeif GaPa gemeinnützigen GmbH transferiert werden. Dazu ist der Gemeinderat gefragt. „Es muss ein Nachtragshauserhalt erstellt werden“, sagt Hilleprandt. Dass der das Kommunalparlament passieren wird, gilt als sicher. In Sachen Leifheit sind sich ja alle Parteien grün.

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