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Für den Kramertunnel engagieren sich (v. l.) Josef Ostler, Ursel Kössel und Hans Sedlmaier von der Initiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“ seit Jahren.

2-Tunnel-Initiative rechnet mit einer Katastrophe

Bürgerinitiative will wieder mehr Druck machen

Sie brauchen eine langen Atem – die Mitglieder der Bürgerinitiative 2 Tunnel, die für die Ortsumfahrungen von Garmisch und Partenkirchen kämpfen. Damit vor allem beim Kramertunnel, für den bereits 35 Millionen Euro verbaut wurden, etwas geschieht, soll jetzt neuer Druck aufgebaut werden.

„Wenn die Oberauer vor uns fertig sein sollten, gibt es eine Katastrophe.“ Das war die einhellige Meinung der Mitglieder der 2002 gegründeten Bürgerinitiative Zwei Tunnel für Garmisch-Partenkirchen bei der Jahresversammlung. Im Sportheim des EC Garmisch am Hausberg ging es recht emotional zu: „Was sind wir Menschen denn noch wert?“ beklagte sich eine Mitstreiterin, die an der B23 lebt und nicht verstehen kann, dass Tier- und Pflanzenwelt wichtiger zu sein scheinen als die Bewohner der Marktgemeinde. „Am Bau des Kramertunnels geht seit Jahren nichts mehr. Weil man Schnecken und Fledermäuse retten will, steigen im Ort Abgase und Lärm“, empörte sich auch Vorsitzender Hans Sedlmaier und sprach mit seinen Worten den Anwesenden aus der Seele. Der ständig steigende Verkehr verlagere sich von den verstopften Durchgangs- immer weiter in Nebenstraßen. Man sei doch schließlich ein heilklimatischer Kurort, davon lebe die Gemeinde. Wolle man diesen Status etwa aufs Spiel setzen? Ein Anwesender regte eigene Schadstoff- und Lärmpegel-Messungen an. „Die Gemeinde tut ja nichts.“ Es gehe schließlich um die Gesundheit aller. „Lärm und schlechte Luft betreffen den gesamten Ort.“

3000 Meter Rettungsstollen sind für 35 Millionen Euro verbaut worden, nun fehlen nur noch 240 Meter. Man könne doch nicht einfach aufgeben und vor allem die Anwohner der Durchgangsstraßen im Stich lassen, sagte Sedlmaier. Die Boykottierer wohnen schließlich nicht hier, sonst würden sie am eigenen Leib erfahren, was der Tunnel-Baustopp für die betroffenen Bürger wirklich bedeute.

In ihrem Rückblick auf die vergangenen eineinhalb Jahre berichtete Ursel Kössel von den Aktivitäten ihrer Initiative, von Anträgen im Gemeinderat, von vielen Gesprächen mit dem Straßenbauamt Weilheim, von einer geplanten Zeitungsanzeige, die wieder fallen gelassen wurde und von den Querelen mit dem Bund Naturschutz (BN). „Wir haben gekämpft und werden weiter kämpfen“, lautete das Resümée der Vorsitzenden. Der Plan für den Tunnel sei genehmigt, nun müsse das Planfeststellungsverfahren, das derzeit von der Regierung geprüft werde, auch offiziell abgeschlossen werden, damit es am Kramer endlich weitergehen kann. „Das Verfahren zieht sich solange hin, weil man in jedem Fall verhindern möchte, dass der BN wieder Klage erhebt und die Sache weiter verzögert“, erklärt Vorstandsmitglied Josef Ostler. Wenn der Plan erst einmal durch sei, werde es aus seiner Sicht ganz schnell gehen. Kössel dagegen relativierte, meinte, es würde schätzungsweise noch einmal an die zwei Jahre dauern, bis man endlich wieder mit den Baumaßnahmen beginnen könne. „Deshalb drängt die Zeit“, mahnte sie.

Sie berichtete von einer falschen Meldung im Internet, die für manche Irritation gesorgt habe. Da sei von einer zweiten möglichen Trasse die Rede gewesen, dabei sei solch eine Trasse überhaupt nicht denk- geschweige denn umsetzbar. „Wir wundern uns nur, warum die Bürgermeisterin diese Falschmeldung nicht umgehend berichtigt hat.“ Ja, man wünsche sich von der Rathauschefin endlich einmal eine klare Stellungnahme. „Sie soll zeigen, dass sie für den Tunnel ist und sich nicht länger bedeckt halten.“

Die Teilnehmer der Versammlung waren sich einig: Sollte der BN gegen weitere Baumaßnahmen erneut Klage erheben, werde man massiv in Erscheinung treten. Von Demonstrationen, Bürgeraufrufen, einem Info- Stand auf dem Wochen-Markt in Garmisch-Partenkirchen und nicht zuletzt Bannern und Plakaten an den Durchgangsstraßen war die Rede. Die einhellige Meinung: Man müsse mehr Präsenz zeigen, größeren Druck aufbauen.

Aber, das wurde an diesem Abend auch deutlich: Die 25 vorwiegend älteren Mitglieder mit ihren zehn Aktiven bauen diesen Druck, wie beispielsweise damals die Oberauer in ihrem Ort, nicht auf. Da fehlt es an Man-Power, an Aktionen und an offensivem Widerstand. Auch wenn Ostler sagt: „Zu unseren Demonstrationen kommen auch viele junge Leute. Vor zwei Jahren waren wir etwa 1500.“ Er musste allerdings einräumen, dass es dem Verein an Nachwuchs mangelt. „Aber derzeit können wir ohnehin nichts tun. Erst wenn der Bescheid raus ist und der BN Klage erhebt, werden wir aktiv – in erster Linie mit einer Demonstration. Zur Not werden wir auch gegen den BN klagen.“ Eines steht für Ostler und alle anderen der 2-Tunnel-Initiative jedenfalls fest: „Für uns ist und bleibt der Kramertunnel ein lebenswichtiges Projekt“.

Barbara Falkenberg

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