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Das Richard-Strauss-Festival 2014 besuchen Ministerpräsident Horst Seehofer und seine Frau Karin - zur Freude von Intendantin Brigitte Fassbaender.

Debatte im Bayerischen Landtag

Strauss gerät in die Parteienmühle

Garmisch-Partenkirchen - Richard Strauss und sein Werk sind es wert, gepflegt und gefördert zu werden. Eine Einschätzung, die CSU-Politiker im Landtag auch bestätigen. Trotzdem wollten sie kein Bekenntnis für den Komponisten abgeben. Vermutlich weil der Antrag von einem Freien Wähler kam.

Richard Strauss ist ein Künstler von Weltruhm. Auch jetzt, 67 Jahre nach seinem Tod in Garmisch-Partenkirchen, ist er der meistgespielte deutsche Komponist auf internationalen Opern- und Konzertbühnen. An Strauss führt kein Weg vorbei, wenn man sich mit klassischer Musik beschäftigt. Dazu kommt, er ist ein waschechter Bayer. Sein Erbe hält seine Wahlheimat Garmisch-Partenkirchen hoch. Der Ort, in dem er aus den Einnahmen seiner Oper Salome eine Villa bauen ließ. Der Ort, in dem er Kraft tankte. Und der Ort, in dem heute noch ein großer Teil seiner Familie lebt.

Dass die 27 000-Einwohner-Gemeinde die Pflege dieses Erbes nicht allein leisten kann, ist seit langem Thema. Jetzt hat Florian Streibl den Antrag „Das kulturelle Erbe des bayerischen Komponisten Richard Strauss sichern“ im Landtag eingebracht – und ist an den Stimmen der CSU gescheitert. Das Bekenntnis zu diesem großen Künstler, das der Abgeordnete der Freien Wähler im Sinn hatte, kam – so wirkt es, wenn man die Debatte im Plenum auf der Internetseite des Maximilianeums anschaut – allein aus Parteiraison nicht zustande. Der Oberammergauer gehört eben der falschen Gruppierung an. Und auch seine Unterstützer – Isabell Zacharias (SPD) und Rosi Steinberger (Bündnis 90/Die Grünen) – konnten nichts ausrichten gegen die Übermacht der Union.

Einer, der zwar durchaus in Streibls Sinn argumentiertete, war Martin Bachhuber. Der Bad Heilbrunner, der den Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen – Garmisch-Partenkirchen vertritt, fand das Ansinnen aber verfrüht. Daher empfahl er, es bis zu den Haushaltsberatungen im Herbst zurückzustellen, „ansonsten werden wir es ablehnen“. Allerdings erwähnte er auch vielversprechende Gespräche mit Kultusminister Ludwig Spaenle und Ministerpräsident Horst Seehofer – beide CSU. Erst vergangenen Sonntag habe er die Gelegenheit beim Patronatstag der Gebirgsschützen genutzt und den Landesvater auf dieses wichtige Thema angesprochen. „Ich sehe in aller Unaufgeregtheit einer guten und einvernehmlichen Lösung mit der Marktgemeinde entgegen – nach dem Motto: Gut Ding will Weile haben.“

Was er derweil völlig außer Acht ließ, war, dass es Streibl gar nicht ums Geld, sondern lediglich um ein deutliches Zeichen für die Strauss-Pflege ging. Dass die Finanzen selbstredend eine Rolle spielen, daran erinnerte Zacharias. 300 000 Euro fließen von Seiten Garmisch-Partenkirchens fürs Strauss-Festival, der Freistaat schießt aktuell 40 000 Euro zu – „gemessen an unserem Haushaltsvolumen kann ich da die Prozent gar nicht aussprechen“. Ein Einwand, den Thomas Goppel – übrigens ein treuer Gast beim Festival – so gar nicht gelten ließ. „Der Freistaat gibt eine ordentliche Summe“ an die Marktgemeinde. Seit der Gründung der Reihe zu Ehren des Komponisten 1989 begleite Goppel diese, wie auch andere Festivalorte. „Die Garmisch-Partenkirchner haben sich in dieser Zeit langsamer entwickelt als der Rest.“ Zudem gebe es eine ganze Reihe von Festspielen, die gefördert werden wollten. Ehe daher weitreichendere Entscheidungen fallen, sei die Gemeinde gefordert, ein Konzept zu erstellen. Da schob er den Schwarzen Peter flugs Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) zu, „die sich langsam und unsicher auf diesem Gebiet bewegt. Madame macht das Konzept bislang nicht, da braucht sie zu lange.“ Wenn eine SPD-Kollegin die Aufgaben, die ihr gestellt werden, nicht erledigt, mache er das auch deutlich, erklärte Goppel auf Zacharias’ Einwand, für ihn spiele wohl Parteizugehörigkeit eine Rolle.

„Unwürdig“, das fiel Streibl zum Beitrag des CSU-Vertreters ein. „Diese Attacken waren einfach bodenlos, das ist kein guter Stil.“ Er sah im Abstimmungsverhalten der Union „eine Trotzreaktion, die Arroganz der Macht“. Zudem könne man wahrlich nicht alle Festivals im Freistaat über einen Kamm scheren. Das zu Ehren von Strauss „ist authentisch und passt zu Bayern“. Für manch anderes, etwa das von Enoch zu Guttenberg – übrigens der Vater von Karl-Theodor zu Guttenberg – auf Herrenchiemsee, in das der Freistaat 800 000 Euro steckt, gelte das nicht.

Nicht darüber, auch nicht über die Herabwürdigung ihrer Person durch Goppel – „ein Mann, mit dem ich noch nie etwas zu tun hatte“ – empört sich Meierhofer. Was ihr sauer aufstößt ist die Respektlosigkeit seiner Aussagen gegenüber Festival-Intendantin Brigitte Fassbaender. „Wenn er ein mangelndes Konzept beklagt, dann ignoriert er, ihr Wirken seit 2009.“ Was sich in besagter Plenumssitzung des Bayerischen Landtags abgespielt habe, rieche sehr nach Parteiraison. „Das ist der Sache nicht angemessen, das ist tatsächlich unwürdig.“

Was sowohl sie wie auch Streibl freut, ist dass die Strauss-Pflege endlich auch in diesem Gremium zur Sprache kommt. „Wir lassen Garmisch-Partenkirchen nicht im Regen stehen“, versichert Bachhuber erneut auf Tagblatt-Nachfrage. In die Karten schauen lässt er sich nicht, schließlich wollen er und seine Parteifreunde die Überbringer der guten Nachricht sein. Am 11. Juni zur Eröffnung des Festivals könnte das passieren, schließlich habe Spaenle sein Erscheinen zugesagt: „Ich denke, da kommt eine Botschaft."

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