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Jubel in Kashgar: Diesen Hauptknotenpunkt der Seidenstraße mussten fast alle Karawanen anlaufen. Peter Krinninger erreicht die chinesische Stadt, die nahe an der Grenze zu Kirgistan liegt, gut vier Monate nach seiner Abreise im Juli 2015.

Tour durch 30 Länder mit vielen, vielen Abenteuern

Garmisch-Partenkirchner radelt in 444 Tagen um die Welt

Garmisch-Partenkirchen - Peter Krinninger hatte eine Mission. Und die hat er, wenn auch nicht ganz nach Plan, erfüllt. Der Garmisch-Partenkirchner ist um die Welt geradelt – durch Länder, die von Kriegen und ethnischen Konflikten betroffen sind oder waren. 

So richtig sauer wurde Peter Krinninger erst in Guatemala. Dort erlebte der 60-Jährige den absoluten Tiefpunkt seiner Reise – und das gut ein Jahr, nachdem er in Garmisch-Partenkirchen aufgebrochen war. Schuld an seinem Frust waren dreiste Diebe, die sein abgesperrtes Rad aus einem verschlossenen Raum im Hotel geklaut hatten. Alles Bemühen, seinen Drahtesel wiederzufinden oder einen adäquaten Ersatz aufzutreiben – vergebens. Im ersten Zorn wollte Krinninger gleich ein Rückflugticket nach Deutschland buchen. Eine Idee, die er verwarf. „Das wäre kein schöner Abschluss gewesen“, meint er. Und so blieb er der Route, die er sich vorgenommen hatte, weitgehend treu und reiste durch Mexiko und Marokko zurück. Wenn auch mit anderen Verkehrsmitteln.

Über 30 Länder, 30 000 Kilometer, fast 40 000 Höhenmeter, 53 Platten, 40 Tage Dauerregen in China und hunderte Hunde, die ihm nachgerannt sind, – nur einige Zahlen, die symbolisieren, was Krinninger bei seiner Reise um die Welt erlebt hat. 444 Tage war der Garmisch-Partenkirchner unterwegs. Ziemlich erkältet kehrte er jetzt heim. Seine Idee, die Alpen mit dem Rad zu überqueren und im Sattel zurück in die Heimat zu kommen, musste er verwerfen. Da ging die Gesundheit vor, auch „wenn ich’s gerne gemacht hätte“.

Krinninger plant eine Multivisionsshow

Den ersten von insgesamt 53 Platten repariert Peter Krinninger schon bald nach seinem Aufbruch an der Donau.

Noch klingt seine Stimme etwas rau, ansonsten hat sich Krinninger aber schon etwas erholt. Und stürzt sich gleich in die Arbeit. Zehntausende Fotos muss er sichten, seine Blog-Einträge nachlesen. Sich wieder an all das erinnern, was ihm auf seiner über ein Jahr dauernden Weltreise widerfahren ist. „Unterwegs kommt man gar nicht nach, all die Eindrücke zu verarbeiten“, sagt er. „Das ist eine völlige Reizüberflutung.“ Was ihm schon während seiner Tour half und vor allem jetzt zugutekommt, sind seine täglichen Notizen. Der Blog im Internet wurde angesichts mangelhafter Verbindungen nicht ständig gefüllt, sein Tagebuch am Laptop derweil schon. All dieses Material dient ihm jetzt, um eine Multivisionsshow, die er voraussichtlich im Herbst präsentiert, zusammenzustellen. Ein Buch will er ebenfalls schreiben – über die unglaublichen Begegnungen auf seiner Reise, die beeindruckenden Menschen, die großartigen Landschaften, aber auch die Strapazen und die Schwierigkeiten, an so manches Visum zu gelangen. „Oft ist das die reinste Gängelei“, meint Krinninger. Gerade in Zentralasien sei dadurch so mancher Grenzübertritt zum absoluten Horror geworden.

Abschrecken ließ sich der Fotograf und Bild-Journalist davon nicht. Auch nicht von der Einsamkeit. Schon vor seiner Abfahrt wusste er, dass er allein sein kann, es auch tagelang ohne Ansprache aushält. Mit Englisch konnte er sich weitestgehend durchschlagen. „Aber es gab auch etwa 15 000 Kilometer, wo mich niemand verstanden hat“, erzählt er schmunzelnd. „Die Leute konnten gar nicht fassen, dass jemand ihre Sprache nicht kann.“ Ein Wörterbuch mit Bildern und eindeutige Gesten halfen, um zurechtzukommen. Und auch auf diesem Abschnitt stellte der Garmisch-Partenkirchnern immer wieder fest, wie hilfsbereit und gastfreundlich die Menschen sind. „Teilweise war es fast peinlich, in welcher Armut sie leben und einem dann doch etwas geben.“ Zurückgeben konnte er wenig, nur Geschichten und Fotos, „deshalb habe ich das auch nie überstrapaziert“.

Erkenntnis: Der Frieden steht häufig auf wackeligen Beinen 

Auf dem Wüstenschiff erkundet der Garmisch-Partenkirchner die Sanddünen Marokkos.

Ein Gottesdienst im armenischen Gebirge, eine Feier in einem Kloster in Tibet oder die Einladung zu einem Familienfest in Kirgistan, für das extra eine Ziege geschlachtet worden war, zählen zu den besonderen Momenten, die sich fest in sein Gedächtnis eingebrannt haben. Auch die Pastorenfamilie in Belize, bei der er fast eine Woche gewohnt hat, wird er nie vergessen. Oneida, die Frau des Seelsorgers, hatte er im Bus getroffen, den er nach dem Verlust seines Fahrrads für die Weiterreise nutzen musste. Sie kamen ins Gespräch, fanden sich sympathisch und schon folgte die Einladung.

Sein Abenteuer stand unter dem Titel „Peacebiking – Radeln für den Frieden“. Nach den 444 Tagen in über 30 Ländern dieser Erde ist der Garmisch-Partenkirchner überzeugt, dass dieses Motto „perfekt gepasst hat“. Gerade überstandene Kriege, Konflikte, die schwelen, – damit wurde Krinninger in den meisten Staaten konfrontiert, die er erkundet hat. „Da merkt man erst, auf welch’ wackeligen Beinen der Frieden steht.“

Er hat aber auch erkannt, dass die Menschen überall gleich ticken. Neben Nahrung, einem Dach über dem Kopf und Gesundheit treibt sie vor allem die Sorge um ihre Familien um, der Wunsch nach einem sicheren, friedlichen Leben. Daran liegt auch Peter Krinninger, der die Eindrücke seiner fantastischen Reise jetzt verarbeitet.

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