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Geschafft: Billi Bierling hat den Cho Oyu bestiegen. Vor elf Jahren musste sie noch aufgeben. 

Anstrengender und steiler als erwartet

Billi Bierling besteigt sechsthöchsten Berg der Welt

Garmisch-Partenkirchen/Nepal - Die Garmisch-Partenkirchnerin Billi Bierling hat den Cho Oyu bestiegen - und damit den sechsthöchsten Berg der Welt. Es ist bereits ihr fünfter Titel, der höher ist als 8000 Meter. 

Mit 8188 Metern ist der Cho Oyu im Himalaya der sechsthöchste Berg der Erde. 

Sie lacht, streckt beide Daumen auf ihrem Gipfelfoto in die Höhe – und das aus gutem Grund: Billi Bierling, die 49-jährige Bergsteigerin aus Garmisch-Partenkirchen hat ihren Gipfeln jenseits der 8000-Meter-Marke einen neuen hinzugefügt: Bierling stand am 1. Oktober, 13 Uhr, auf dem 8188 Meter hohen Cho Oyu, dem sechsthöchsten Berg der Erde. „Das Glücksgefühl und der Stolz, über sich selbst hinaus gewachsen zu sein, sind unbeschreiblich“, sagt die Journalistin und Dolmetscherin. Seit zwölf Jahren lebt sie in Kathmandu in Nepal und arbeitet dort als Assistentin der legendären Himalaya-Chronistin Elizabeth Hawley (92).

„Es war anstrengender und steiler, als ich erwartet hatte“, sagt sie in einem Interview kurz nach ihrer Rückkehr. Vier Nächte hatte sie im Basislager warten müssen, weil sich der heftige Wind entgegen aller Voraussagen nicht legen wollte. Ihr österreichischer Partner gab auf. Sie selbst, allein im Zelt und ohne zusätzlichen Schlafsack, trotzte mit viel heißem Wasser der Kälte. „Das alles zehrt an den Kräften. Und essen kann man auf über 7000 Metern Höhe auch nicht richtig.“ Elektrische Fußwärmer, Daunenanzug und die Motivation halfen der erfahrenen Höhenbergsteigerin. Sie hielt durch.

Am Gipfel schneit es heftig

Das Gipfelglück war nur von kurzer Dauer. Heftig begann es zu schneien und Bierling entschied sich mit ihrem Sherpa zum schnellen Abstieg. Wie bereits am Manaslu, mit 8163 Metern der achthöchste Berg der Erde, bezwang die Garmisch-Partenkirchnerin den Berg ohne zusätzlichen Sauerstoff. „Man ist dem Ganzen näher, erlebt alles bewusster, aber ist auch langsamer und friert leichter.“

Sechs Stunden dauerte der Abstieg zu Lager zwei, 17 Stunden der gesamte Rückweg. Die Anstrengungen forderten ihren Tribut. Von brennenden, aufgeplatzten Lippen, verbrannter Zunge, dem Verlust des Geschmackssinnes berichtet Bierling. Inzwischen hat sie sich erholt, die Brezen von einem österreichischen Bäcker in Kathmandu schmecken wieder.

2005 noch am Cho Oyu gescheitert

Stolz kann sie auf ihre bisherige Bilanz blicken. 2009 bezwang sie als erste deutsche Frau mit dem Mount Everest (8848 Meter) den höchsten Berg der Welt über die Südroute. 2010 stand sie als erste Deutsche auf dem Manaslu, 2011 gleich noch einmal. Im selben Jahr bestieg sie den Lhotse (8516 Meter). Zudem erreichten Bierling und die Stuttgarter Bergsteigerin Heidi Sand 2014 als erste deutsche Frauen den Gipfel des fünfthöchsten Bergs der Welt, des Makalu (8485 Meter). Und nun der Cho Oyu. Dessen Form erinnert an die heimatliche Alpspitze (2626 Meter). Nur ist der Himalaya-Riese mehr als dreimal so hoch. „Ihn zu bezwingen, das war für mich persönlich besonders wichtig“, sagt Bierling,. Denn 2005 hatte sie schon einmal an einer Expedition teilgenommen – aber den Gipfel „mangels meiner eigenen Fähigkeiten nicht geschafft“. Damals dachte sie: „Für so hohe Berge bin ich nicht stark genug.“ Inzwischen bewies sie sich und anderen das Gegenteil.

Eine Achttausender-Besteigung fehlt noch, um mit der erfolgreichsten deutschen Höhenbergsteigerin Alix von Melle, die sechs Gipfelerfolge verbucht, gleichzuziehen. In der Garmisch-Partenkirchner Alleestraße sind Mama Christiane Bierling und die Familie wieder erleichtert, dass ihre Billi gesund zurück ist. „Wir hoffen, sie bald hier zu haben. Dann gibt es g’scheite bayerische Brezn."

Margot Schäfer

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