Verschollene Ziegen noch nicht eingefangen

Anleinpflicht mit Kompromissen

Farchant - Sie ist umstritten, die neue Verordnung der Gemeinde Farchant. Mit ihr soll die Anleinpflicht für Hunde geregelt werden. Sie beinhaltet auch Ausnahmen.

Wie viele Stunden Helene Ostler und ihre Familie bereits damit zugebracht haben, ihre entlaufenen Ziegen zu suchen, wissen sie mittlerweile selbst nicht mehr. „Unendlich viele“, vermutet die Farchanterin. Trotz all der Mühen hatte die Familie bislang keinen Erfolg. Die seit Mitte Juni vermissten Geißen, die ein Hund auf der Farchanter Föhrenheide gejagt hatte, sind seit über einem Monat nicht zurückgekehrt.

Der für das Unglück verantwortliche Hundebesitzer ist mittlerweile bekannt. Belangen können ihn die Ziegen-Besitzer nicht, weil kein Tier gerissen wurde und somit offiziell kein Schaden entstanden ist. Für Ostler kein Trost. Ob die abhandengekommenen Geißen jemals wieder auftauchen, hält sie für fraglich. „Wir wissen nicht, ob wir sie wiederbekommen“, sagt sie. „Vielleicht sind sie schon so verwildert, dass sie sich nicht mehr einfangen lassen.“

Der Gemeinderat in Farchant will das Problem mit freilaufenden, jagenden Hunden und der Anleinpflicht in Angriff nehmen. Dass die für Kampfhunde und Vierbeiner mit einer Schulterhöhe von mindestens 50 Zentimeter in Farchant gelten wird, war seit der Sitzung Mitte Juli klar. In welchen Gebieten diese greifen soll, stand noch zur Debatte. Der Entwurf, den Christian Hornsteiner, geschäftsleitender Angestellter im Rathaus, den Gemeinderäten vorlegte, wurde ausgiebig diskutiert. Die Bereiche, in denen die neue Verordnung gelten soll, sind nun genau definiert.

Eine ganzjährige Leinenpflicht besteht in Zukunft innerhalb der bebauten Gebiete (auf allen öffentlichen Wegen, Sportanlagen, Straßen und Plätzen) sowie am Walderlebnisweg zwischen Skilift Am Ried bis zum Weg zu den Kuhfluchtwasserfällen und auf dem Weg zu den Wasserfällen. Auch auf dem Philosophenweg zwischen Skilift Am Ried und Flurgrenze zu Garmisch-Partenkirchen wurde die ganzjährige Anleinung vorgeschlagen. Nach einem Antrag Gerhard Porteles (Freie Wähler) ist die Vorschrift dort jedoch nur in der Freiweidezeit (vom 1. Mai bis zum 30. Oktober) gültig.

In diesem Zeitraum müssen Vierbeiner auch auf dem Viehweideweg (inklusive abgehende Stichwege) zwischen Sportzentrum und Flurgrenze Oberau, auf dem Ursprungrundweg und auf dem westlichen Loisachuferweg (zwischen Alter Sportplatz und Flurgrenze Oberau) an die reißfeste Leine. Auf öffentlichen Spielplätzen, auf dem Schulgelände, im Rathaus, auf den Friedhöfen und Kirchen ist das Mitführen und Freilaufenlassen von Kampfhunden und großen Hunden generell verboten. Ausgenommen von der Regel sind Blindenführhunde, Dienst- und Bewachungshunde, Herdenschutz- sowie Rettungshunde im Einsatz oder während einer Übung. Auch Tiere, die eine verkehrssichere Hundebegleitprüfung erfolgreich bestanden haben, sind – nach einem weiteren Antrag Porteles – nicht betroffen.

Obwohl sich die Gemeindevertreter in den meisten Punkten auf Kompromisse einigen konnten, bleibt die neue Vorschrift ein umstrittenes Thema. Portele sagte, dass er der Leinenpflicht nach wie vor „sehr kritisch“ gegenübersteht. Claus Walcher (CSU) betonte erneut, dass seiner Auffassung nach auch Hunde bis zu einer Schulterhöhe von 49 Zentimetern gefährlich seien und an die Leine müssten. Bürgermeister Martin Wolketzetter (SPD) erwiderte darauf, dass diese Vorgabe nun einmal in der Bayerischen Gesetzgebung verankert ist.

Dass die Hunde-Vorschrift bald in Kraft tritt, findet die Sozialdemokratin Dr. Heidi Fleckenstein wichtig. „Nach den Vorfällen mit den Ziegen wäre es ein Armutszeugnis, wenn die Gemeinde darauf nicht reagieren würde“, sagt sie. Auch Ostler und Andreas Leitenbauer, Vorsitzender der Weidegenossenschaft Farchant, begrüßen den Beschluss. „Künftig haben wir damit eine bessere rechtliche Handhabe“, sagt Ostler. Leitenbauer ist zufrieden. „Es ist schade, dass Vernunft anscheinend nur unter Strafandrohung möglich ist“, sagt er. „Aber besser so, als wenn noch mehr Vieh zu Schaden kommt.“

Magdalena Kratzer

Rubriklistenbild: © dpa

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