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Zeit zur Muse und zur Entspannung hat Georg Fink in Zukunft mehr als in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen.

Zeitenwende bei der Sparkasse Garmisch-Partenkirchen

Mit dem Ruhestand endet Georg Finks Marathonlauf

Garmisch-Partenkirchen - Der Mann ist eine Institution – wie die Sparkasse Garmisch-Partenkirchen, deren Vorstandsvorsitzender er seit 2000 war. Am 31. Mai geht Georg Fink in den Ruhestand. Dies markiert eine Zeitenwende für das Geldhaus.

Zu Georg Finks (M.) Verabschiedung kamen wichtige Leute, darunter Bayerns Sparkassen-Präsident Ulrich Netzer (l.), Politiker wie Landrat Anton Speer (r.) sowie Weggefährten, Freunde und Mitarbeiter.

Irgendwie wirkt Georg Fink ergriffen ob der Lobeshymnen, die auf ihn angestimmt werden. Manchmal hat man den Eindruck, der erste Mann der Sparkasse Garmisch-Partenkirchen bekomme feuchte Augen. Es ist sein Tag. Alle sind sie gekommen. Wichtige Leute – darunter Bayerns Sparkassen-Präsident Ulrich Netzer –, Politiker, Weggefährten, Freunde, Mitarbeiter. Neben ihm sitzt seine Frau Maria, die ihm all die Jahre den Rücken frei gehalten hat, für einen zeitaufwändigen Job, der den ganzen Mann forderte. Alle sagen nur Gutes, über den Chef, aber vor allem über den Menschen, der bei aller natürlicher und fachlicher Autorität, die er ausstrahlt, nie vergessen hat, was wichtig ist und woher er kommt. Fink wird als sozial, christlich, engagiert und mitfühlend beschrieben. Wer ihn kennt, wird diesen Adjektiven vorbehaltlos zustimmen. Es sind keine Worthülsen, die fallen, um dem Mann, der die Sparkasse Garmisch-Partenkirchen 30 Jahre lang geprägt hat, einen netten Abschied zu bereiten. Nein. Alles ist ernst gemeint, alles trifft zu – weil der, der geht, fehlen wird, weil sein Stil in einer Welt, in der immer mehr die nackten Zahlen regieren, immer weniger Raum findet. Manager sich keine Sentimentalitäten leisten (dürfen). Wie er sich selbst beschreiben würde, ob er ein sozialer Mensch sei? Er nickt und sagt „ja“.

Fink ist geerdet – bedingt vor allem durch seine Herkunft und seine persönliche Historie. Sie kennen die Geschichte, die den amerikanischen Traum abbildet? Wie es ein Tellerwäscher schafft, zum Millionär aufzusteigen. Die Laufbahn des Georg Fink (63) klingt ähnlich. Allerdings war er nie Tellerwäscher und zum Millionär hat er es vermutlich auch nicht gebracht. Karriere hat er aber schon gemacht. Der Bub, der auf einem Einödhof, der zum 650-Seelen-Ort Maria Thann im Landkreis Lindau gehört, als jüngstes von vier Kindern aufwuchs, eine Zwergschule besuchte, in der ein Lehrer die ersten vier Klassen gemeinsam unterrichtete, landete über den Abschluss einer Handelsschule bei der Sparkasse Wangen. Als junger Mann qualifizierte er sich bei der Management-Akademie der Sparkasse in Bonn, übernahm in den 1980er Jahren einen Vorstandsposten bei der Sparkasse-Garmisch-Partenkirchen, deren Geschicke er seit 2000 als Vorstandsvorsitzender bestimmte. Strebsam zu sein, das hat er von zu Hause mitbekommen. „Meine Familie und das Leben auf dem Bauernhof haben mich geprägt“, sagt Fink. „Das Leben ist der beste Lehrmeister.“ Und er steht als gutes Beispiel: Man kann es zu etwas bringen, ohne ein Universitätsstudium absolviert zu haben, wenn man seine Ziele nur nachhaltig genug verfolgt.

"Nach 49 Dienstjahren ist es an der Zeit, Platz zu machen"

Seine Amtszeit endet in vier Tagen, am 31. Mai, nachdem er den Verwaltungsrat schon vor einem Jahr gebeten hatte, seinen Vertrag nicht mehr zu verlängern. Sein Berufsleben hat er immer „als Marathonlauf“ gesehen, der sich jetzt dem Ziel nähert. „Nach 49 Dienstjahren ist es an der Zeit, Platz zu machen, Zeit zu gehen“, sagt er. In den zurückliegenden Wochen befand sich der 63-Jährige auf Abschiedstour. Besuche bei guten Kunden und bei Institutionen standen auf dem Programm. Sein Büro im dritten Stock des Sparkassengebäudes an der Bahnhofstraße mit Blick auf das Wettersteinmassiv wirkt noch aufgeräumter als sonst. Die Frage, ob die Umzugskartons schon bestellt sind, verneint er. „Ich hatte nie viel Privates hier“, sagt Fink.

Der schlanke, drahtige, vielleicht sogar etwas asketisch wirkende Mann, der egal ob im Business- oder Trachtenanzug immer eine gute Figur macht, hat Spuren hinterlassen. Die Bilanzsumme des Kreditinstituts ist erheblich gewachsen, die Zahl der Mitarbeiter auch. Und er hat Veränderungen erlebt, die die Sparkassen-Landschaft und die Finanzwelt nachhaltig verändert haben. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Eine Entwicklung, die der Lage an den weltweit operierenden Finanzmärkten und der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt geschuldet ist, die monatlich Staatsanleihen für 60 Milliarden Euro kauft, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen und die Inflationsrate nach oben zu treiben. Für Geldinstitute wie Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, die von den Zinserträgen leben und das Investbanking verschmähen, eine ungute Situation. Deshalb musste er Dinge tun, die die Sparkasse zukunftssicher machen sollen. Es ließ Filialen schließen und legte Wert darauf, dass diese einschneidenden Dinge für Kunden und Mitarbeiter noch in seine Amtszeit fallen. Peter Lingg, der ihn als Vorstandvorsitzender beerbt und der 24 Jahre mit ihm zusammenarbeitet – „wir hatte keinen Tag Streit“ – sowie Grit Fugmann, die in den Vorstand aufrückt, sollten nicht beschädigt werden. Fink weiß, „dass das unpopuläre Maßnahmen waren, die bei vielen nicht besonders ankamen“. Er habe selbst 2013, als die Situation auch nicht gut war, „absehen können, dass die Zeiten so schwierig werden“.

Pensionierung: "Ein bisschen wie Sterben"

Fink sagt zwar, die Pensionierung sei „ein bisschen wie Sterben“, und dabei schwingt Wehmut in seiner Stimme. „Was man getan hat, das ist getan, was man nicht getan hat, ist nicht getan“. Tun wird er noch viel. Fink bekleidet viele Ehrenämter: Zum Beispiel bei Lions, bei Kolping, bei der Bürgerstiftung. Und es könnten mehr sein. Doch er will keine zusätzlichen annehmen. Er wird sich erst einmal seinen Vorlieben widmen, der Familie, seinen Hobbys Sport und Reisen. „Meine Frau hat schon etwas ausgesucht. Wir werden uns im Juli ins Gebirge absetzen“, sagt er. Hoch hinaus wollte er schon immer – und ist dabei auf dem Boden geblieben.

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