Dieses Bild gehört der Vergangenheit an: 20 Jahre lang hat die BZB viel Aufwand betrieben, um den Gletscher vor Sonne und Regen zu schützen. In diesem Jahr werden erstmals keine LKW-Planen ausgerollt. foto: dpa

Erstmals im Sommer nicht abgedeckt

Zugspitz-Gletscher: BZB gibt den Kampf auf

Garmisch-Partenkirchen - Der Zugspitz-Gletscher wird erstmals seit 20 Jahren im Sommer nicht abgedeckt. Die Bayerische Zugspitzbahn gibt den Kampf gegen den Klimawandel auf.

Immer zum Start in den Sommer gab es in den vergangenen Jahrzehnten ein schönes Fotomotiv auf der Zugspitz: Riesige Lkw-Planen, die auf dem Gletscher ausgerollt werden. Mit dieser aufwändigen Aktion wollte die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) den Nördlichen Schneeferner vor der Sonne schützen. Und natürlich auch ihre Ski-Pisten. Doch damit ist heuer Schluss: Erstmals seit 20 Jahren gibt es keine Planen und damit auch kein Fotomotiv. „Mittlerweile sind wir an einem Punkt angelangt, an dem die Gletscherschmelze viel schneller fortschreitet“, erklärt Peter Huber, Technischer Vorstand der BZB. Der Kampf gegen den Klimawandel ist verloren.

Beibehalten wird hingegen die bewährte Handhabe, den vorhandenen Schnee auf dem Areal zu verteilen. Dieses „Snowfarming“ gehört BZB-Sprecherin Verena Lothes zufolge auch in Zukunft zu den regulären Vorbereitungsarbeiten. Sie haben den großen Vorteil, den Schnee zu Saisonbeginn „da zu haben, wo wir ihn benötigen“. Erstmals wir das Schneedepot aber nicht mehr mit den 30 Meter langen und 5 Meter breiten Planen vor Wärme und Regenwasser geschützt.

„Die Kombination aus Gletscherabdeckung und Snowfarming ermöglichte es uns, den Schmelzprozess in den vergangenen Jahren wenigstens ein bisschen abzubremsen“, erklärt Huber. „Doch wir stoßen mittlerweile an unsere Grenzen.“ Das Eis auf Deutschlands höchstem Berg werde immer schneller immer weniger. Wohin der Weg führt, habe sich bereits am Südlichen Schneeferner gezeigt. Dort sind inzwischen nur mehr kleine Eisinseln vorhanden, die aber wohl auch nicht mehr lange bestehen werden.

Noch ist der Nördliche Schneeferner mit etwa 27,9 Hektar der größte Gletscher Deutschlands. Er wird aber immer kleiner. Zum Vergleich: Ende des 19. Jahrhunderts umfasste das Eis noch 103 Hektar.

„Im Herbst 2012 haben wir ein sehr gutes Bild davon bekommen, wie weit das natürliche Abschmelzen des Nördlichen Schneeferners vorangegangen ist“, beschreibt Lothes. Damals sei klar geworden, dass dieser Prozess schneller läuft und damit den positiven Effekt aufhebe, den die Abdeckaktion erzielen könnte.

Zwar betont Huber, das 20 Jahre lang „viel Arbeit und hohe Summen“ in den Erhaltung des Nördlichen Schneeferners gesteckt wurden. Ins Detail möchte das Unternehmen, eine 100-prozentige Tochter der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen, aber nicht gehen. Es sei nicht möglich, die Kosten oder Arbeitsstunden, die in die jährliche Abdeckaktion flossen, zu benennen.

Lieber betont die Bayerische Zugspitzbahn, dass Wintersport auch trotz der neuesten Entwicklungen auf Deutschlands höchstem Berg weiter möglich sein wird. „Das Skigebiet Zugspitze verfügt über insgesamt 22 Kilometer Naturschneepisten“, sagt Huber, „davon liegen gerade einmal zehn Prozent im Gletscherbereich“.

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Kommentare

Linda Serena
(7)(0)

Eine gewaschene Frechheit, die Kosten fuer diese Aktion zu verschweigen. Was ist das fuer ein arroganter undankbarer Umgang mit dem Buerger ?

Noch schlimmer, man vergleicht die Gletscherlaenge heute mit jener aus dem 19 Jahrhundert zum Ende der kleinen Eiszeit, der kaeltesten Periode der letzten paar tausend Jahre.

Und es kommt noch dicker, in der Arktis werden zunehmend neben Ozeanstroemungen Russ/Schmutzpartikel auf dem Eis fuer das Abschmelzen verantwortlich und nicht CO2. Genau das ist auf einem Skigebiet und als Folge solcher kafkaesen Aktionen ebenfalls zu erwarten.

Und zum Schluss bleiben auch die Abkuehlung in Deutschland waehrend der letzten 10 Jahre und die massiven Schneefaelle der letzten Jahre unerwaehnt - wir leben offenbar nun alle im gruenen Paralleluniversum.

Das Klima wandelt sich immer, die Pazifisch Dekadische Oszillation ist wieder in ihrer kalten Phase, die fuer Europa noch wichtigere atlantische wird in ein paar Jahren folgen, und dann wird es wieder kaelter. Und vor der kleinen Eiszeit waren die Gletscher in den Alpen wesentlich kuerzer als heute. Es ist kein Zeichen von Intelligenz zu meinen, das Weltklima habe 1950-1980 ein "Optimum" eingenommen.

seppilein
(7)(0)

Seit Beginn der (...schwachsinnigen) Planen Ausbreitungsaktion, wurde jedes Jahr "vermieden" dass durch den Schneezuwachs, der danach (Frühling) erfolgte... eine weitere Gletscherbildung möglich wurde. Dieser zusätzliche Frühlings-Schneezuwachs lag "immer" Wochen/Monate meterdick AUF der Plane?! Nicht ...auf dem darunter befindlichem Gletschereis. So konnte der Gletscher definitiv keinen Schneezuwachs erfahren.
Wer war für diesen schmarrn eigentlich Verantwortlich? Wer hatt sich da beim Klima ordentlich verhaut? Wer hatt den Zeitpunkt der Planenausbringung immer zu Früh im Jahr angeordnet? Naja... ;-)
Endlich ist die "Plane" weg. Gratuliere!

kampf
(3)(0)

Hauptsach, es hat bis jetzt einen Haufen Geld kost.