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Rocken die Oktoberfeste in Singapur und Vietnam: Vertreter der Partenkirchner Blaskapelle mit (v. l.) Michael Wimmer, Siegfried Bader, Josef Grasegger senior und junior, Yvonne Münzer, Markus Fritz, Jürgen Dozauer und Josef Albrecht

Gruppe der Partenkirchner Blasmusik spielt auf Oktoberfest-Kopien in Asien

Party-Helden in Singapur und Vietnam

Garmisch-Partenkirchen – Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen: Eine Gruppe der Partenkirchner Blaskapelle kann. Sie spielte bei Oktoberfest-Kopien in Singapur und Vietnam. Die Musikanten waren die Stars, der Ententanz der Song, den die Gäste wieder und wieder hören wollten.

Das gibt’s doch nicht. Da rocken die Musikanten die Bühne mit „Living next door to Alice“ – und nichts passiert. Keiner tanzt, keiner singt. Die etwa 2500 Gäste im Saal schauen nur. Ein paar Tage zuvor noch, in Singapur und Jakarta, bebte das Zelt. Wie in jedem Jahr. Sobald die Partenkirchner den Smokie-Hit in der Version der Band Gompie spielen, stehen alle 3000 Besucher auf den Bänken, das Zelt brüllt – „Alice, who the fuck is Alice?“

Begeisterung pur herrscht unter den Oktoberfest-Besuchern in Singapur. 

Aber hier, in Vietnam? Stille. „Da haben wir schon erst mal dumm g’schaut“, sagt Josef Grasegger senior. Seit 16 Jahren sind er und seine Mitstreiter es anders gewöhnt. So lange schon spielt eine Gruppe der Blaskapelle Partenkirchen auf dem Oktoberfest in Singapur. Seit 30 Jahren reist sie bereits zu Wiesn-Imitaten in Afrika und Asien. Grasegger, auch Dirigent der Kapelle, war von Anfang an dabei. Der Auftritt bei den Vietnamesen aber war auch für ihn eine Premiere.

Regierungsabordnung will vietnamesisches Lied hören

Schon vor der Reise wurde es kurios. Der Veranstalter forderte eine Liedliste an. Im Gegenzug schickte er Grasegger zwei vietnamesische Hits als MP3-Datei – Noten oder Text bekam er nicht. Lernen sollten die Partenkirchner die Lieder trotzdem. Der Hintergrund: Vor dem Auftritt im Hotelsaal kommen drei Vertreter der sozialistischen Regierung und prüfen Gruppe sowie Lieder. Also ließ Grasegger eines der Stücke rauf- und runterlaufen, schrieb die Noten zusammen, die Sängerin imitierte den vietnamesischen Text. Das zweite Lied ignorierte die Gruppe – definitiv zu viel Aufwand. Natürlich aber wollte die Regierungsabordnung genau das hören.

Egal, die Partenkirchner spielten einfach, was sie einstudiert hatten. Genau wie bei den anderen gewünschten Stücken. Denn die Beamten hatten ihnen die Liste der Vorjahres-Wiesn-Band vorgelegt. „Komm doch rüber übers Brückerl“ sollten die neun Musikanten spielen – noch nie gehört. „Lieserl komm her“ hatten sie auf Lager. „Die merken doch den Unterschied nicht“, sagte Grasegger. So war’s. Stehende Ovationen bekamen sie, die Regierungsvertreter waren begeistert.

Bei internationalen Hits außer Rand und Band

Das waren die Oktoberfest-Besucher auch. Nachdem das Alice-Problem gelöst war. Die Vietnamesen hatten das Lied einfach nicht gekannt. Bei internationalen Hits aber „waren sie außer Rand und Band“. Schnell haben die Bayern gemerkt, wie sie Stimmung in den Saal bringen: Animation, Polonaise, Ententanz.

„Der – es ist Wahnsinn.“ Grasegger schüttelt den Kopf. So oft hat er’s erlebt, fassen kann er es immer noch nicht, wie die Oktoberfest-Besucher in Asien auf den Ententanz reagieren. Bis zu fünfmal an einem Abend spielt die Gruppe ihn. Und die Leute drehen durch. Mit einem Bierzelt wie der Partenkirchner oder Garmischer Festwoche lassen sich die Veranstaltungen in Singapur nicht vergleichen. „Da ist nur Party.“ Und die Musikanten aus Bayern sind die Stars.

Jeder will ein Foto mit den Musikanten

Jeder will ein Foto von und mit ihnen. Mal schnell in der Pause zum Biseln gehen – fast unmöglich. Das verhindern weibliche wie männliche Selfie-Jäger. Längst hat sich unter Hotelbetreibern herumgesprochen: Oktoberfest zieht. „Das ist ein Exportschlager“, sagt Grasegger. Als Ansprechpartner bekommt er auf jeder Wiesnkopie im Ausland ein Angebot. Bali, Jemen, Philippinen – überall könnten sie spielen. Doch zwei Wochen im Jahr reichen.

Der erste Oktoberfest-Auftritt führte Grasegger und sechs weitere Musikanten nach Benin in Westafrika. Beni Ostler und seine Werdenfelser Musikanten hatten dort gespielt und die Partenkirchner gefragt, ob sie die Aufgabe übernehmen wollten. Sie wollten. In Simbabwe sind sie in den Folgejahren aufgetreten sowie in Nigeria. 2000 erstmals in Singapur. Damals in brütender Hitze bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit vor etwa 800 Besuchern, quasi niemand in Tracht. Mittlerweile in einem vollklimatisierten Zelt für gut 3000 Menschen, mindestens die Hälfte trägt ein Quasi-Dirndl oder eine Fast-Lederhose. Viele Gäste, darunter vor allem Mitarbeiter internationaler Firmen in Singapur, haben Grasegger und Co. schon gesagt: Sie warten das ganze Jahr auf dieses eine Fest. Ab Juli ist es von Mittwoch bis Samstag ausverkauft.

Der Abend beginnt mit Schuhplatteln und Löffelschlagen

Mit einem traditionell bayerischen Teil samt Schuhplatteln und Löffelschlagen starten die Musikanten in den Abend. Eine gute Unterhaltung, während sich die Gäste das argentinische Angus-Rind und den Schweinsbraten schmecken lassen. Danach beginnt die Party – mit Alice.

Es blieb auch in Vietman im Programm. Die Besucher haben das Lied schnell gelernt. Nur den Zusatz „Who the fuck is Alice“ wollten die Veranstalter nach dem ersten Abend nicht mehr hören. Grasegger und seine acht Musikanten improvisierten: „Alice, bring uns no a Helles!“

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