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Ganz besondere Alpen-Überquerung

365 harte Kilometer für einen guten Zweck

Garmisch-Partenkirchen - Sie wollten Kinder und Jugendliche zu mehr Sport motivieren und mussten dafür den eigenen Schweinehund besiegen. Martina Heiden und Basti Pirrung haben sich über die Alpen gekämpft.

"Es war beinhart“: Da sind sich Martina Heiden (31) und Basti Pirrung (34) nach ihrer zehntägigen Mountainbike-Alpencross-Überquerung einig. Und gemeinsam ziemlich fertig. Anstrengend sei es gewesen, oft zu anstrengend. „Wir haben uns, das ist eine Erkenntnis, selbst überfordert“, gibt die Garmisch-Partenkirchnerin zu. Die beiden waren, wie berichtet, sind als Botschafter des Gesundheitsförderungs-Programms Gorilla unterwegs und wollten mit der Aktion Kinder und Jugendliche zu Sport und gesunder Ernährung motivieren. Dabei mussten sie sich selbst ein ums andere Mal anfeuern. Um nicht frühzeitig aufzugeben. Um das tägliche Pensum zu schaffen. Um nicht zu scheitern. Nach 365 Kilometer und 9600 Höhenmetern sind sie um manch’ eine Erfahrung reicher. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend wird“, erzählt Heiden.

Oft sei sie über ihre Grenzen gegangen, habe nicht mehr gewusst, woher sie die Kraft nehmen solle. Vor allem die mentale. „Da hat dann nur noch ein Mantra geholfen: Das Rad dreht sich, das Rad dreht sich.“ Das habe sie sich immer wieder vor sich hingemurmelt, während die Beine ebenso gebetsmühlenartig in die Pedalen traten. Der Körper habe eigentlich gut funktioniert, eine tägliche Ration Hirschtalg verhinderte einen wunden Hintern. Und auch das schmerzende Knie – fast sah es so aus, als müsste sie schon am dritten Tag aufgeben – bekam Heiden mit einer schmerzstillenden Creme in den Griff. Aber täglich hieß es wieder, den inneren Schweinehund überwinden und weitermachen. Wenn der Kopf schon lange nicht mehr wollte, man sich noch längst nicht von den Strapazen des Vortags erholt hatte. Dann hieß es wieder: Raus aus den Federn und rauf auf den harten Sattel.

Gleich zu Beginn ihrer Tour, so räumen die beiden ein, hätten sie die Strecke unterschätzt. Als sie in Scharnitz ankamen, dem ersten Etappen-Ziel, war es schon weit nach Mittag und sie hatten noch nichts zu sich genommen. „Wir sind dann letztlich zehn Stunden geradelt, bevor wir was Gescheites zu essen bekommen haben, das war ein Riesenfehler und schon die erste Lektion“, meint Pirrung. Von da an machten es sich die beiden zur Regel, nach der ersten Etappe mittags einzukehren. „Wir haben gefuttert wie die Scheunendrescher, Pizza und Pasta im Wechsel, mehrere Portionen hintereinander weg“, berichtet der 85-Kilo-Mann, der am Ende der Fahrt trotzdem zwei Kilo verloren hat. Das Gepäck war, wie sich auch schnell herausstellte, ein anderes Problem: Insgesamt galt es, etwa 23 Kilogramm zu transportieren, auf steilen Strecken hieß das auch Schleppen. „Ich hab’s nicht geschafft, vorher noch auszusortieren, und das musste ich bitter büßen“, sagt Heiden über die gemachte Erfahrung. Die beiden hatten bewusst eine schwere Route ihre Alpenüberquerung gewählt, wussten, dass einiges auf sie zukommen würde. „Dass es so hart wird, damit haben wir beide nicht gerechnet“, ist Heidens Resümee am Ende der Tour.

Ganz haben sie ihre Pläne dann auch nicht in die Tat umsetzen können, verkürzten die Strecke um 100 Kilometer und einige Höhenmeter. Wegen Dauerregens hieß es dann auch einmal, in den sauren Apfel zu beißen und in den Zug zu steigen. Um von Sterzing nach Meran zu gelangen und auf diese Weise einen Pass zu meiden, auf dem es sogar geschneit hatte. Zugeständnisse an Sicherheit und Risiko-Minimierung, die besonders bei Pirrung nicht gut ankamen. „Leider musste in bisschen Schummeln sein“, sagt er nach seiner Rückkehr mit ehrlichem Bedauern. Als schließlich nach acht Tagen Riva del Garda zu ihren Füßen lag, war die Erleichterung groß. Trotz all der Mühsal, so versichern die beiden, war es für sie eine gute, eine fürs Leben wichtige Erfahrung gewesen. Und trotz der Grenzüberschreitungen sei die Stimmung nie gekippt, habe man sich jederzeit gut verstanden, gegenseitig unterstützt und motiviert. Und es habe ja auch immer wieder wunderschöne Momente gegeben, wenn man mit dem Berg eins gewesen sei, wenn die Sonne über die Gipfel gelugt oder wenn der Dauerregen eines langen Tages endlich nachgelassen habe. Beide sind sich sicher: Wir wollen wieder los, vielleicht schon im nächsten Jahr. Und während Heiden es dann gern etwas ruhiger angehen lassen und mehr schöne Trails genießen möchte, sieht der Ingenieur andere Ziele: Er hat den Ehrgeiz, dieselbe Tour nochmals zu radeln, dieses Mal dann aber „ohne zu schummeln“. Und gern würde er mehr Abfahrten einbauen. Eines steht für den Saarländer jedenfalls fest: Nie wieder möchte er einen zweiwöchigen Urlaub am Strand verbringen.

Barbara Falkenberg

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