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Gipfelstürmerin: Jacqueline Fritz überquert die Alpen mit Krücken und ihrem Mischlingshund Loui.

Ungewöhnliche Tour von Garmisch-Partenkirchen nach Meran

Jacqueline Fritz geht auf einem Bein über die Alpen

Garmisch-Partenkirchen - Mit 15 Jahren verlor Jacqueline Fritz ein Bein. Eine Welt brach zusammen. Sie kämpfte sich zurück ins Leben. Jetzt überquert sie mit Krücken die Alpen.

Eine Alpenüberquerung ist für viele eine sportliche Herausforderung. Durchtrainiert und gut vorbereitet wagt so manch ein Bergfreak zu Fuß oder per Rad den Weg über die Alpen. Jacqueline Fritz aus Bad Bergzabern bei Landau hat sich auch von Garmisch-Partenkirchen aus auf den Weg gemacht. Doch sie ist nicht eine von vielen. Die Pfälzerin wird die Berge mit Krücken überwinden, denn sie ist nach einem schweren Schicksalsschlag körperlich behindert.

Nach einer Verletzung am Sprunggelenk beim Ballett und anschließenden Operationen im Alter von 15 Jahren musste ihr nach Behandlungsfehlern der rechte Unterschenkel amputiert werden. „Damals brach für mich eine Welt zusammen“, sagt die 31-Jährige. „Mein Traum von einer Karriere als Tänzerin wurde jäh beendet. Aus einem unbeschwerten, aktiven Leben fand ich mich als Schwerstbehinderte wieder.“ Lange Zeit haderte sie mit ihrem Schicksal. Geholfen haben ihr schließlich die Berge. Und der Sport. Während vieler Kuraufenthalte in Bayern entdeckte die Grafik-Designerin die Faszination und Liebe für die Alpen. Aus ersten, vorsichtigen Wanderversuchen mit nur einem Bein wurden immer längere Touren, bis sie eines Tages ihren überraschten Freunden erklärte: „Heute besteige ich meinen ersten Gipfel mit euch.“ Inspiriert von dem Bergsteiger Bruno Wintersteller, der 1865 das Matterhorn einbeinig bestiegen hatte und einer Postkarte, auf der ein Kletterer mit Prothese zu sehen war, machte sie sich mit Krücken auf den Weg nach oben. Und sie schaffte den Anstieg ohne Probleme.

Immer dabei: Mischlingshund Loui

„Seither trainiere ich viel, und irgendwann kam mir die Idee einer Alpenüberquerung.“ Eine Rückenverletzung vor zwei Jahren warf die Sportbegeisterte in ihren Plänen zurück. Frust und Wut packten sie. Doch die Pfälzerin ließ sich nicht unterkriegen, bewältigte auch diese Krise, überwand die Schmerzen und konnte bald wieder das alte Trainings-Pensum aufnehmen. Immer dabei: Der zweijährige Mischlingshund Loui, der sein Frauchen auch auf der Alpen-Tour begleiten wird.

Jetzt möchte sie in vier Wochen zusammen mit den Kameraleuten Laila Tkotz (24) und Marco Küster (36) auf normalen Wanderwegen, Trails, Klettersteigen, Steilwänden und Gletschern 350 Kilometer und 30 000 Höhenmeter bewältigen. Die drei wollen auf Auto, Bus und Bergbahnen komplett verzichten und nach 31 Tagen in Meran, ihrem Ziel dieser ungewöhnlichen Alpen-Cross-Tour, landen.

„Mit diesem Vorhaben will ich körperlich oder geistig eingeschränkten Menschen zeigen, was man mit eiserner Willenskraft erreichen kann und sie motivieren, sich für ihre eigenen Interessen mit der gleichen Energie einzusetzen“, sagt Fritz. Sie wolle Berührungsängste zwischen Behinderten und nicht behinderten Menschen abbauen, was vor allem im Sport unter Gleichgesinnten hervorragend funktioniere.

„Ich bin beeindruckt von Ihrem Mut und fasziniert, wie sehr Sie Ihr Schicksal annehmen“, gab Daniela Bittner, Behindertenbeauftragte in Garmisch-Partenkirchen, der Ausnahme-Athletin mit auf den Weg. „Sie sind ein tolles Vorbild für andere Menschen mit Behinderungen und ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie gesund und munter wieder zurückkehren."

Barbara Falkenberg

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