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Ein Macher: Peter Imminger im umgebauten Schwimmbad, dem ersten Projekt, das aus dem Grundstücksverkauf an die Firma Langmatz realisiert wurde.

20 Jahre Bürgermeister von Oberau

„Was Schöneres gibt es nicht“

Oberau - Als politischer Quereinsteiger eroberte Peter Imminger das Oberauer Rathaus im Sturm. Seit 20 Jahren sitzt er fest im Sattel und hat seine Heimatgemeinde auf Vordermann gebracht. Das Dorf steht gut da und hat nun auch seinen größten Kampf gewonnen – den um die Ortsumfahrung.

Trachtenanzug, gestrickter Janker und am besten noch ein Lodenhut – derart gewandet stellt man sich einen CSU-Bürgermeister vor. Eigentlich. Peter Imminger passt nicht in dieses Schema. Der Oberauer gibt sich am liebsten leger – etwa im Poloshirt, gerne etwas aufgeknöpft, so dass die Goldkette mit dem Kreuz hervorspitzt. Locker, stets braun gebrannt, immer bereit zu lachen – das ist Imminger. Er kann freilich auch ordentlich poltern. Im Kreistag war das in jüngster Vergangenheit häufig der Fall. Immer wieder legte Imminger los, um seinem Unmut Luft zu machen – vor allem, wenn’s um den Haushalt ging. In seinem Büro im Oberauer Rathaus läuft’s da wesentlich harmonischer, da hält er die Fäden in der Hand. Da ist er der Macher. Und das seit 20 Jahren.

Sein Heimatdorf hat Imminger in dieser Zeit auf Vordermann gebracht. Oberau steht hervorragend da. Das belegen die Zahlen: Mit gut 3200 Einwohnern leben inzwischen 500 mehr im Ort als 1996. Auch die Gewerbesteuereinnahme entwickelte sich unter seiner Herrschaft ausgesprochen positiv: von 400 000 Mark auf 1,6 Millionen Euro. Darauf ist der 59-Jährige stolz. Und auf das, was in den vergangenen beiden Jahrzehnten in die Infrastruktur – Schule, Kindergarten, Sportanlagen, Feuerwehr – gesteckt wurde.

Der Grundstein für diesen Erfolg wurde 1999 gelegt. Da setzte Imminger durch, dass die Gemeinde das Areal des Verpackungswerks Kappa kauft. Als dieses 1998 schließen musste, war das ein herber Verlust für das Dorf und eine gewaltige Herausforderung für den Rathauschef. 20 Millionen Mark für 100 000 Quadratmeter, „da hat mancher im Gemeinderat ziemlich geschluckt“. Inzwischen ist die komplette Fläche verkauft, an mittelständische Unternehmen, Verbrauchermärkte und vor allem an die Langmatz GmbH. Das Kunststoff verarbeitende Unternehmen hat seinen Hauptsitz zwar in Garmisch-Partenkirchen behalten, musste aber dringend expandieren. Da kam das Gelände in Oberau gerade recht. „Mittlerweile arbeiten da 250 Leute, das sind mehr als früher in der Papierfabrik“, sagt der Bürgermeister.

Das erste Projekt, das aus dem Grundstücksverkauf realisiert wurde, war der Umbau des Schwimmbads. Neben dem Natur- gibt’s jetzt auch ein Freibecken, das über die Solaranlage am Dach geheizt wird. 6,3 Millionen Mark steckte die Gemeinde damals in dieses Vorhaben. Jetzt „bietet unser Bad alles, was auch große Bäder haben“. Eine Aussage, die auf viele Einrichtungen in seinem Hoheitsgebiet zutrifft. Kein Wunder, dass Imminger gerne seine Runden durchs Dorf dreht und überall nach dem Rechten schaut. Der Empfang ist stets herzlich. Egal, wo er auftaucht. Der Bürgermeister ist eben einer zum Anfassen, einer der ein offenes Ohr für alle Anliegen hat. Und einer, der auch die meisten Bürger kennt. Sogar die jüngsten. Ein Bub, der ein großes Pflaster auf der Stirn hat, stürmt im Kindergarten gleich auf ihn zu und erzählt aufgeregt, was ihm passiert ist. Für Imminger, dessen Söhne Florian (21) und Maximilian (29) erwachsen sind, machen gerade solche Begegnungen das Leben in Oberau aus.

Spricht er von seiner Heimatgemeinde, gerät er regelrecht ins Schwärmen. Die Natur, das einmalige Hochmoor zwischen Oberau und Eschenlohe, der traumhafte Blick aufs Wettersteinmassiv. „Was Schöneres gibt’s nicht.“ Auch das waren Gründe für den Maschinenbau-Techniker, sich neben seinem Job als Betriebsleiter bei der Energie Südbayern GmbH ehrenamtlich als Bürgermeister zur Verfügung zu stellen. „Als totaler Quereinsteiger.“ Ein Schritt, auf den seine Frau Daniela damals nicht sonderlich begeistert reagierte. Inzwischen funktioniert’s, „meine Familie geht gut damit um, steht voll hinter mir“. An drei Abenden ist Imminger im Schnitt unterwegs – „das sind schon einmal drei Abende, an denen es keine Diskussion darüber gibt, was wir im Fernsehen anschauen“, sagt er und lacht. Dass sein politisches Engagement auch viel Kraft fordert, er durchaus Druck verspürt und er schon zweimal mehrere Wochen krankheitsbedingt ausgefallen ist, räumt er erst auf Nachfrage ein. Darüber spricht er nicht gerne. Aber er steht durchaus manchmal unter Strom, auch wenn er das hinter seiner lockeren Art gut verbergen kann.

Die Arbeit macht ihm freilich trotzdem Spaß. Immer noch. Ob er allerdings ein viertes Mal für das Bürgermeisteramt kandidiert, kann er nicht sagen. „Eigentlich sollte man ja aufhören, wenn’s am Schönsten ist.“ Und Imminger kann sich vorstellen, häufiger Golf zu spielen, mit seiner Frau zu verreisen oder einfach in seinem Haus an der Loisach zu entspannen. Das meint er ernst. Allerdings blitzen seine Augen auch, wenn er von der Ortsumfahrung spricht, die seit Herbst 2015 gebaut wird. Möglichst jeden Tag schaut er an der Baustelle vorbei, verfolgt jeden Schritt, hält sich auf dem Laufenden. Dass sein Dorf, das noch durch zwei Bundesstraßen geteilt wird, nach jahrzehntelangem Kampf vom Durchgangsverkehr befreit wird, sei der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Oberau (VEO) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zu verdanken. Als sein Parteifreund verkündete, dass die Mittel für dieses 204-Millionen-Euro-Vorhaben freigegeben werden, war der Jubel im Dorf groß. „Da haben wir unsere größte Schlacht gewonnen“, bestätigt Imminger. Wenn die Autos durch die beiden Röhren rollen, ist seine dritte Amtsperiode abgelaufen. Ob er dieser Einweihung nur als Zuschauer, als Altbürgermeister beiwohnen wird, bleibt abzuwarten. Peter Imminger grinst verschmitzt. Und es ist klar, dass er sich an diesem Punkt nicht in die Karten schauen lässt.

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