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Bunte Luftballons lassen die Teilnehmer zur Feier des Tages in die Lüfte steigen.

15 Jahre und viele Anekdoten

Schneefernerhaus - ein Aushängeschild der Klimaforschung

Garmisch-Partenkirchen  - Jubiläum auf der Zugspitze: Seit 15 Jahren finden auf der Forschungsstation am Schneefernerhaus unter dem Namen GAWTEC Ausbildungsprogramme für Wissenschaftler aus der ganzen Welt statt. 

Treffen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen und Ländern aufeinander, kann es schon einmal zu kleineren Missverständnissen kommen. Eine Erfahrung, die auch Dr. Ludwig Ries machen musste. In 15 Jahren GAWTEC – so nennt sich das Trainings- und Weiterbildungsprogramm am Schneefernerhaus für Mitarbeiter der Klimaforschungsstationen aus der ganzen Welt – ereignete sich so manche humorige Anekdote. „Im Jahr 2009“, erinnert sich der Leiter der GAW-Station auf der Zugspitze mit einem breiten Grinsen im Gesicht, „kollidierten die Kurse zufällig mit dem muslimischen Fastenmonat Ramadan. Und wir hatten uns zunächst noch gewundert, warum ein paar der Teilnehmer so schnell erschöpft waren.“ Auch die passende Arbeitskleidung für alle musste erst einmal gefunden werden. „Es hat bis zur vierten Veranstaltung gedauert, ehe wir mitbekommen hatten, dass unsere Jacken den afrikanischen Forschern wohl etwas zu dünn waren.“

Die Jubiläumstorte schneiden (v.l.) Dr. Thomas Holzmann, Dr. Ludwig Ries, Markus Neumann, Dr. Monika Kratzer und Dr. Oksana Asatova (vorne) an.

Mittlerweile läuft bei den Zusammenkünften auf der Umweltforschungsstation auf dem Schneefernerhaus (UFS) alles reibungslos ab. Bereits zum 31. Mal werden Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt auf knapp 3000 Metern Höhe geschult, als sich Vertreter aus Politik und Klimaschutz zur 15-jährigen Jubiläumsfeier in der Gletscherstube treffen.

Unter den Gästen ist auch Dr. Thomas Holzmann, Vize-Präsident des Umweltbundesamtes. Er lobt GAWTEC in den höchsten Tönen: „Auf der UFS wird eine Summe an Fähigkeiten entwickelt, die weltweit ihresgleichen sucht. Nur das Sammeln und Ermitteln von gemeinsamen, validen Daten kann auch zu einer gemeinsamen Überzeugung führen.“ Die Messwerte der Forschungsstationen seien somit ein „zentrales Fundament für politisches Handeln“.

Als konkretes Beispiel nennt er das in Kraft getretene Pariser Klimaabkommen. „Ohne die Arbeit von Wissenschaftlern, wie hier auf der Zugspitze, undenkbar.“ Doch Holzmann hat auch kritische Worte parat: Viele Menschen hätten den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen. „Wenn ich mich mit Vertretern aus der Energiebranche über eine deutliche Dekarbonisierung bis zum Jahr 2050 unterhalte, dann antworten diese doch tatsächlich: ,Alles klar. Wir fangen 2049 damit an.‘“ So eine Einstellung sei verheerend. „Bei dieser Ignoranz würde ich die Leute am liebsten alle hierher schicken, damit sie die schmelzenden Gletscher sehen können.“

Dass am Südhang auch in Zukunft auf Top-Niveau geforscht und die neuesten Geräte angeschafft werden können, dafür setzt sich Dr. Monika Kratzer ein. Die Leiterin der Abteilung Klimaschutz im bayerischen Umweltministerium will das „Erfolgsprojekt GAWTEC“ weiterhin finanziell unterstützen. „Hier wird auf internationaler Ebene miteinander und nicht in Konkurrenz zueinander gearbeitet. Das UFS ist ein Aushängeschild der Klimaforschung und wir wollen auch, dass das so bleibt.“

Maxon Ngochera hört den Referenten derweil gespannt zu. Der Naturwissenschaftler aus Malawi nimmt an der Schulung teil, um sich im Bereich der atmosphärischen Chemie fortzubilden. Im speziellen beschäftigt ihn die Analyse von Regenwasser. Dass er durch GAWTEC die Möglichkeit bekommt, an der Zugspitze zu forschen, ist für ihn „ein großer Glücksfall“. „Hier kann ich mein Wissen erweitern und dieses in meinem Heimatland weitergeben“, sagt der Mann aus dem ost-afrikanischen Staat, zieht sich seine warme Jacke an und geht nach draußen an die Arbeit.


Simon Nutzinger

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