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Ein Mann und seine Wiese: Peter Lipf sieht seinen Grund durch die Kandahar-Rennen in Gefahr.

Jetzt erzählt der Grundbesitzer seine Sicht der Dinge

Kandahar-Streit: „Hätt’s das wirklich gebraucht?“

Garmisch-Partenkirchen - Beim erbitterten Streit um den Kandahar-Zielbereich ist Peter Lipf als Sieger vor Gericht hervorgegangen. Doch von weiten Teilen der Bevölkerung fühlt sich der Garmisch-Partenkirchner missverstanden. Gegenüber dem Tagblatt erzählt er nun erstmals seine Sicht der Dinge.

Für Peter Lipf steht außer Frage: „Wenn ich vor Gericht verloren hätte, dann hätten’s mich alle ausgelacht.“ Ebenso war dem streitbaren Landwirt von Anfang an klar: „Wenn ich mich nicht wehre, dann machen die einen Hanswurst aus mir.“ Mit die meint der 72-jährige Junggeselle in erster Linie die Marktgemeinde und das Weltcup-Organisationskomitee (OK), von denen er sich in der Vergangenheit mehrfach über den Tisch gezogen fühlte. Was die Gegenseite natürlich vehement bestreitet.

Und das alles wegen einer 7100 Quadratmeter großen Wiese (Flurname Nesselwang) im Zielbereich der berühmten Kandahar-Abfahrt. Dieses Grün bleibt künftig bei den Weltcuprennen in puncto Tribünen-Bau unangetastet. So lautete im August das Urteil vor dem Landgericht München II. Ein Schiedsspruch, der Lipf Genugtuung brachte, ihm aber vielerorts endgültig den Stempel „Streithansel“ aufdrückte. Zu Unrecht, wie der Garmisch-Partenkirchner findet. Ihm sei es nur um den Erhalt seines Eigentums gegangen, versichert er.

Aus seiner Sicht hatte dieser beispiellose Disput mit den Gemeinde-Oberen seine Ursache im Jahr 2007, als der damalige Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) die Causa Kandahar vertraglich regeln wollte. „Früher haben wir so was noch per Handschlag gemacht“, erzählt Lipf. Nun wurde ein Kontrakt mit den jeweiligen Grundstückseigentümern aufgesetzt. „Damit begann das ganze Remmidemmi.“ Der Nebenerwerbslandwirt, der vier Kühe im Stall stehen hat und drei Hektar Wiesen bewirtschaftet, unterzeichnete einen Kontrakt bis 2034. „Es steht aber nichts davon drin, dass auf meiner Fläche eine Tribüne gebaut wird.“

Gleichzeitig weist er auf drei signifikante Punkte in dem Vertragswerk hin. Darin verpflichtet sich die Marktgemeinde unter anderem, nach dem Weltcup den Boden zu lockern, Spurrillen, Löcher und Absenkungen mit Humus aufzufüllen. Auch soll Unrat entfernt werden.

Doch diese Vorgaben sah Lipf in seinem Fall zuletzt kaum noch erfüllt. „Seit 2012 ist es immer schlimmer geworden.“ Allein im Frühjahr vor vier Jahren will er auf seiner Kandahar-Wiese „zwei Nachmittage“ aufgeräumt haben. „2014 hab’ ich das ganze Eisenzeug mitgenommen und Frau Meierhofer auf den Schreibtisch gelegt.“ Denn Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) hatte in diesem Jahr im Rathaus auf dem Chefsessel Platz genommen. „Schrauben, Kronverschlüsse, Plastik und Blechbüchsen hab’ ich damals gar nicht erst mitgenommen.“ Nachdem aus seiner Sicht nichts besser wurde und Lipf sich auch von den Rathaus-Oberen im Stich gelassen fühlte, entschloss er sich nach Rücksprache mit seinem Anwalt Ludwig O. Seitz im Januar 2015, keine Weltcup-Bauten auf seinem Grund mehr zuzulassen. Die Antwort vom Weltcup-OK kam postwendend. Per einstweiliger Verfügung musste Lipf ein weiteres Mal die Tribüne tolerieren. Dafür hat sein Rechtsbeistand für ihn aber noch ein erkleckliches Sümmchen von 10 000 Euro herausgeschlagen. Zudem übernahm das OK 6000 Euro der Anwaltskosten von Lipf.

Für ihn war die einstweilige Verfügung im Januar 2015 dennoch einschneidend. „Da stehst im Stall, und plötzlich klopft der Gerichtsvollzieher.“ Das Schreiben, das dieser dem verdutzten Bauern überreichte, kam für Lipf einer „Enteignung“ gleich. „Ja, wir sind doch nicht bei den Russen“, poltert er noch heute. Mit diesem drastischen Schritt war für ihn das Tischtuch endgültig zerschnitten. Im August reichte Lipf eine Klage auf Unterlassung ein. Trotzdem wurde im Frühjahr 2016 die Kandahar-Tribüne, laut Lipf sogar fünf Meter länger, wieder auf seinem Grund errichtet. Für ihn ein „Schwarzbau“. „Die haben mich gar nicht gefragt.“

Und warum hat er nicht das Angebot angenommen, seine Wiese gegen ein größeres Stück Land (13 000 Quadratmeter) jenseits der Bahnlinie einzutauschen? „Das war nicht akzeptabel“, meint Lipf. Denn auf der Ersatzfläche hätte er keinen dringend benötigten Stadel bauen dürfen. Im Vorfeld aber waren die Verhandlungen schon weitgehend gediehen. Doch der Landwirt ließ zwei Notartermine verstreichen. Den ersten aus gesundheitlichen, den zweiten aus terminlichen Gründen. Lipf zufolge sollte er am 19. August 2016 den Tausch besiegeln. Doch eine Woche später stand die Verhandlung vor dem Landgericht auf der Agenda. Da wollte er erst das Urteil abwarten. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Hat er 2015 das Gras auf der Kandahar-Wiese noch gemäht und zur Biogas-Anlage nach Farchant gebracht, ließ er es heuer wachsen. „Verfüttern kann ich das Zeug eh nicht.“ In diesem Zusammenhang verweist der Landwirt auf Paragraf acht in dem Nutzungsvertrag mit der Marktgemeinde. Darin steht: „Nach Saisonende erfolgt eine gemeinsame Begehung, um Rekultivierung der benutzten Grundstücksfläche gemeinsam abzusprechen.“ Doch eine solche Besichtigung mit ihm sei „bis heute nicht geschehen“. Den Dauerstreit mit der Gemeinde und dem OK sieht Peter Lipf trotz seines Siegs vor Gericht mit gemischten Gefühlen. „Hätt’s das wirklich alles gebraucht?“, fragt er sich. Doch eines steht für ihn, den viele in Garmisch-Partenkirchen als Querulanten brandmarken, ebenso fest: „So geht man nicht mit den Leuten um.“

Christof Schnürer

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