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Unfassbar: Kabinenbegleiter Christian Brauer zeigt die Stelle an der zweiten Seilbahnstütze, von der der Bergwanderer in die Kabine klettern wollte.

Tourist kraxelt Leiter hoch

Karwendel: "Anhalter" an der Seilbahnstütze

Mittenwald - Unfassbar: Ein „Anhalter“ klettert auf eine Seilbahnstütze der Karwendelbahn und möchte dort in eine Kabine zusteigen. Ins Tal kommt der Tourist dann auf anderem Wege. Die Aktion wird wohl noch teuer für ihn.

Hochbetrieb herrschte am Samstagnachmittag bei der Mittenwalder Karwendelbahn. Wegen des traumhaften Sommerwetters drängten ohnehin hunderte Gäste auf den Berg, dazu fand der Karwendel-Berglauf statt, und evangelische Christen feierten einen Berggottesdienst. Insgesamt waren es mehr als 1200 Leute an dem Tag. Deswegen wollte Gehrz seine Kollegen ablösen. Mit der Kabine 1 fuhr er bergaufwärts. An der zweiten Stütze der Seilbahn, auf rund 1800 Metern Höhe, vernahm er plötzlich einen Zuruf: „Hallo“ und „Stopp“. Allerdings konnte der Betriebsleiter niemanden entdecken.

So ganz geheuer war ihm die Situation trotzdem nicht. Als er wieder zu Tal fuhr, hielt er am Revisionseinstieg der Stütze an. Und siehe da: Er stieß auf einen jungen Bergwanderer.

Der war die etwa 30 Meter hohe, schmale und steile Leiter an der Stütze hochgeklettert. Das Warnschild „Besteigen strengstens verboten“ hatte der Ausländer schlichtweg ignoriert. Und auf die Frage von Gehrz, was er dort treibe und ob er wisse, dass dies verboten sei, entgegnete der Freizeitsportler: Er sei mit den Kräften am Ende, könne nicht mehr weiter. Der Begleiter solle die Tür öffnen, damit er von der Stütze in die Kabine hinübersteigen und mit ins Tal fahren könne.

So einfach, wie sich das der Tourist – zudem mit leichtem Schuhwerk ausgestattet – vorgestellt hat, ist es freilich nicht. „Wir dürfen das ja gar nicht. Man stelle sich vor, da passiert was . . .“, sagt Geschäftsführerin Sabine Mann. Gehrz riet dem Touristen: sitzen bleiben und Ruhe bewahren, bis die Mittenwalder Bergwacht mit einer der nächsten Kabinen kommt und rettet. Darauf aber hatte der Wanderer wohl keine Lust. Während der Betriebsleiter die Helfer verständigte, begann der Gast schon wieder mit dem Abstieg von der Stütze. Ganz langsam.

Die Bergwacht hatte zu der Zeit einen Einsatz im Bereich der Brunnsteinhütte – mit Hubschrauber. Das traf sich gut. Also nahm der Helikopter zwei Bergwachtmänner auf und flog mit ihnen zur Stütze. Die Helfer holten den Touristen ab und brachten ihn sicher ins Tal.

Die Rettung wird der Urlauber wohl zahlen müssen. Und auch die Geschäftsführerin der Karwendelbahn will ihm eine Rechnung schicken: Wegen des Hubschrauber-Einsatzes stand die Bahn eine halbe Stunde still – während am Berg mehrere hundert Gäste auf eine Talfahrt warteten.

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