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Verboten: Auf dem Gehsteig, wie hier an der Bahnhofstraße, dürfen Roller nicht abgestellt werden.

Parkplatzproblem: Strafzettel am Zweirad

Wohin mit dem Roller?

Garmisch-Partenkirchen - Parkplätze für Motorräder und Roller – Fehlanzeige in Garmisch-Partenkirchen. Wer sein Zweirad aus Mangel an Alternativen aber auf dem Gehsteig abstellt, muss einen Strafzettel fürchten. 

Simone Ehrmann fragt sich, wo sie ihr Zweirad parken soll.

Simone Ehrmann war ehrlich schockiert. Sie hatte ihren Roller am Rand eines Gehwegs abgestellt, ohne jemanden zu behindern. Und kassierte prompt einen Strafzettel über 20 Euro, ausgestellt vom Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland. Mit dem Hinweis, das Parken auf dem Gehweg sei auch für Roller verboten. „Die Straßenverkehrsordnung macht keinen Unterschied zwischen motorisierten Zweirädern und Autos“, teilte die Organisation der 55-Jährigen mit.

Seither treibt die Garmisch-Partenkirchnerin die Frage um, wo sie ihr Fahrzeug parken kann, ohne Anstoß zu erregen oder gar gegen das Gesetz zu verstoßen. Und vor allem: Falls sie für ihr Zweirad einen zahlungspflichtigen Pkw-Stellplatz in Anspruch nimmt, wo soll sie den Parkschein anbringen? „Soll ich Klebeband mitnehmen, so dass der Parkschein an der Maschine befestigt werden kann?“ Und wo eine Parkscheibe deponieren?

In 15 Jahren noch nie ein Problem - bis jetzt

Noch nie in 15 Jahren hatte sie ein Problem, wenn sie ihren Roller auf dem Trottoir stehenließ. „Ich weiß, dass es eigentlich nicht erlaubt ist. Aber wenn man das rücksichtsvoll macht, so dass es niemanden stört, wurde das bisher immer geduldet“, sagt sie gegenüber dem Tagblatt. Auch als sie ihr Gefährt an jenem Tag an der Bahnhofstraße abgestellt hatte, an der stelle, an der der Gehsteig besonders breit ist, habe sie sich „anständig“ verhalten. „Drei Passanten mit einem Kinderwagen kamen da problemlos vorbei.“

Als sie den Strafzettel erhielt, war sie so entsetzt, dass sie gleich die Polizeiinspektion in Garmisch-Partenkirchen aufsuchte. Und ein Foto des am Tatort geparkten Objekts mitbrachte. „Der Polizist sah kein Problem“, beschreibt sie die Reaktion des Beamten. Überhaupt, so argumentiert Ehrmann, „solange die Verkehrsüberwachung noch über die Marktgemeinde lief, wurden die Roller auf dem Gehsteig geduldet.“

Auf der Suche nach einer abschließbaren Parkscheibe

Nach der Erfahrung mit dem Zweckverband wollte sie sich eine abschließbare Parkscheibe besorgen, „damit die nicht entwendet oder verstellt werden kann“. Sie wurde – aber auch bei einem Motorradspezialisten – nicht fündig. „Viele Händler dachten erst, ich mache Scherze...“

An einen Scherz à la versteckte Kamera glaubte anfangs auch Michael Braun, der Geschäftsführer des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit in Bad Tölz, als ihn das Tagblatt mit dem Problem der Werdenfelserin konfrontierte. „Wir haben 2015 an die 250 000 Verfahren im ruhenden und fließenden Verkehr registriert“, sagt er, es sei ihm noch nie zu Ohren gekommen, dass jemand eine Parkscheibe verstellt oder gestohlen habe. „Unsere Mitarbeiter verschenken die Dinger, die kosten ja nur ein paar Cent.“

Auf die Frage, wo ein Roller- sprich Zweiradfahrer das Ticket oder die Parkscheibe deponieren soll, reagiert er genauso wie Hubert Hohenleitner von der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen: „Da sind dem Erfindungsreichtum der Roller-, Moped- und Motorradfahrer keine Grenzen gesetzt.“

35 Roller und Motorräder auf dem Gehweg

Nandor Grazka aus Garmisch-Partenkirchen steckt den Parkschein zwischen Sitz und Tank seiner Triumph. Noch nie habe ihm einer das Ticket geklaut. Notfalls parke er auf einem Pkw-Stellplatz, und zwar so, dass noch ein zweites und drittes Zweirad hinpasst. Olav Tvenranger, der mit Motorradfreunden aus Norwegen die Maschinen vor der Alten Apotheke in Garmisch abstellt, verweist auf Errungenschaften der neuen Technik: „Wir zahlen bei uns daheim mit dem Mobilphone und einer speziellen Parking-App.“ Der Norweger kann aber die Bedenken der Werdenfelserin nachvollziehen: Bevor die neue Technik Einzug hielt, hat der starke Wind das Ticket, das er ins Tankschloss gesteckt hat, oft weggeblasen. „Da bekam man dann manchmal Ärger.“

Inzwischen hat Ehrmann ihren Roller auf Autostellplätzen geparkt und bekam dabei den Unmut der Autofahrer zu spüren. „Kürzlich hab ich mit Bekannten am Kainzenbad 35 Roller und Motorräder auf dem Gehweg gezählt. Stellen Sie sich vor, davon hätte jeder einen Pkw-Platz belegt.“ Mit dieser Überlegung habe sie auch das Ordnungsamt im Rathaus konfrontiert. „Das gäbe ein Chaos“, bekam sie dort zur Antwort.

Keine Nachfrage nach Biker-Parkplätzen

„Warum existieren in Garmisch-Partenkirchen keine Bikerparkplätze wie in großen Städten?“, fragt Ehrmann. Weil bisher keine Nachfrage bestehe, erklärt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). „Im übrigen kann man auch bei uns mit dem Handy parken.“ Einen Hinweis darauf finde man auf den großen Parkplätzen. „Aber das wird kaum angenommen.“

Übrigens stieß Simone Ehrmann mit ihren schriftlichen Einwendungen beim Zweckverband auf Gehör. Er beließ es bei einer Verwarnung und verzichtete „wegen der besonderen Umstände“ auf die 20 Euro.

Eva Stöckerl

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