„Brief nicht geschrieben und nicht veröffentlicht“

Koran-Verse im Schulgottesdienst: Ein Vater meldet sich zu Wort 

Garmisch-Partenkirchen - Dieser Schulgottesdienst hat hohe Wellen geschlagen: Zwei Viertklässer lasen eine Sure aus dem Koran vor. Im Internet kursierte ein Brief eines Vaters. Der stellt nun vieles klar. 

Garmisch-Partenkirchen – Das Thema ist hochsensibel, spaltet schnell in zwei Lager. Nicht umsonst prallen in den diversen TV-Talkshows die Meinungen bei der Thematik „Deutschland und die Rolle des Islam“ immer wieder aufeinander. Vor diesem Hintergrund schlug vor Kurzem auch ein Schulgottesdienst in der Garmischer Grundschule an der Burgstraße hohe Wellen: Dort lasen zwei Viertklässler der Schule eine Sure (Verse) aus dem Koran, einmal in Arabisch, einmal in der deutschen Übersetzung. Der Text beinhaltete Passagen wie „Allah ist der Allergrößte“, „Hoch erhaben ist Deine Herrschaft“ und „Es gibt keinen Gott außer dir.“ Diesen ökumenischen Schulgottesdienst mit dem muslimischen Gebet hatten ein katholischer und ein evangelischer Religionslehrer vorbereitet. Die Angelegenheit um die Sure „Allahu akbar“ führte zu heftiger Kritik an Lehrern, Schulleitung und Schulamt. Im Internet machte darüber hinaus ein offener Brief eines angeblichen empörten Vaters die Runde. Dieser beschwerte sich, dass seine Tochter eine Sure aus dem islamischen Glaubensbekenntnis auswendig lernen und vortragen musste. Es hagelte zudem massive Beschimpfungen und Bedrohungen in über 100 Fällen, wie Schulamtsdirektorin Gisela Ehrl ernüchtert feststellen musste.

Inzwischen setzte sich auch der Vater eines der Mädchen, das einen Gebetstext vorzutragen hatte, mit der Tagblatt-Redaktion in Verbindung. Er habe den besagten Brief im Internet persönlich nicht geschrieben und nicht veröffentlicht, vertrete aber konsequent diese Meinung. Wörtlich sagt er: „Zu keinem Zeitpunkt habe ich verlauten lassen, dass meine Tochter zu diesem Text gezwungen wurde. Dies war eine Hausaufgabe. Zeilen aus der Sure sollten laut und deutlich eingeübt und gelesen werden. Sinn und Zweck war es, diese in einem ökumenischen Gottesdienst vorzutragen.“ Weiter gibt der Schüler-Vater an, dass er und seine Frau allen Religionen neutral und rein wissenschaftlich gegenüberstünden. Dies sei Anlass gewesen, die Tochter nicht am Fach Religion, sondern in Ethik teilnehmen zu lassen. Daher stelle er sich schon die Frage, was ein Ethikschüler in einem ökumenischen Gottesdienst verloren habe. Dies sei kein schulischer Bildungsauftrag gewesen, der dem Fach Ethik gerecht werde. Erläuterungen über verschiedene Religionen fänden bei Ethikschülern im Klassenraum, aber nicht in einer Kirche statt.

Bei allen Vorbehalten in der besagten Angelegenheit legt der Schüler-Vater grundsätzlich Wert auf die Feststellung, dass alle Lehrer an dieser Grundschule sehr engagiert und um das Wohl der Kinder bemüht seien. 

Rubriklistenbild: © dpa-symbolbild

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