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Nichts geht mehr im Erkundungsstollen für den Kramertunnel – und zwar schon seit 2013.

SPD-Politiker zweifelt Ortsentlastung an

Kramertunnel – Fluch oder Segen?

Garmisch-Partenkirchen - Selbst wenn alles nach Plan läuft, wäre der Kramertunnel voraussichtlich nicht vor 2024 fertig. Nun meldet die Landtags-SPD grundsätzliche Bedenken an. Weil sie daran zweifelt, dass die Umfahrung Garmisch die erhoffte Entlastung bringt. Die Röhre wird die Verkehrsprobleme nicht zur Gänze lösen. Das ist auch den Lokalpolitikern klar.

Die SPD-Parlamentarier stellen den Sinn der 176 Millionen Euro teuren Garmischer Ortsumgehung infrage, weil nach einer Prognose des Bundesverkehrsministeriums an normalen Tagen nur 9300 Fahrzeuge den Tunnel passieren würden, im Wochenend- und Urlaubsverkehr bis zu 15 000. Die amtliche Vorhersage: Der Tunnel würde den Ort um 3100 bis 6100 Fahrzeuge entlasten. Genau dies bezweifelt der SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn. Er befürchtet, dass viele Wintersportler auf dem Weg zu den Skiliften weiter durch Garmisch fahren.

Dr. Stephan Thiel

Der Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat Dr. Stephan Thiel (B90/Die Grüne) teilt Brunns Erwartung: „Die Ausflügler, die auf den Berg wollen, werden weiter die kürzere Strecke durch den Ort nehmen, weil sie da schneller am Ziel sind.“ Die Auskopplung am Südende des Tunnels sei viel zu weit entfernt geplant, „für Leute, die zu den Bergbahnen wollen, ein Umweg“. Im Kosten-Nutzen-Vergleich würde sich der Wanktunnel in Thiels Augen wesentlich besser rechtfertigen. Für Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) zählt jedes Auto, das die innerörtlichen Straßen entlastet. „Der Verkehr hat in unserem Tourismusort eine ganz andere Bedeutung“, sagt die Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten, die ihren Parteifreunden bezüglich der Notwendigkeit des Tunnels widerspricht. Sie rät, die Zahlen nicht auf die Goldwaage zu legen. „Aber uns muss klar sein, selbst wenn der Kramertunnel kommt, sind wir unsere Verkehrsprobleme nicht los.“ Über 25 000 Fahrzeuge steuern Garmisch-Partenkirchen täglich an. 12 800 fahren durch Partenkirchen, fast genauso viel Richtung Garmisch, 7200 allein durch die Burgstraße. Deshalb hält Meierhofer flankierende Maßnahmen für unabdingbar. Wie das gerade vom Gemeinderat verabschiedete Fahrradkonzept. Und flächendeckend Tempo 30 in Wohngebieten. In ihrer Amtszeit will die Rathauschefin ein neues Verkehrskonzept auf den Weg bringen. Ihr Ziel: mehr Linien für Ortsbusse. Sie sollen die Menschen in den Wohngebieten abholen. „Wir müssen unsere Bürger davon überzeugen, dass es sinnvoll ist, das Auto im Ort stehenzulassen.“

Elisabeth Koch

Wie die Bürgermeisterin und Thiel würde die CSU-Gemeinderätin Elisabeth Koch die Bürger am liebsten nicht nur mit dem Kramer-, sondern auch mit dem Wanktunnel entlasten. Deshalb hält sie die Äußerung des SPD-Abgeordneten für völlig verfehlt, weil sie „die Unkenntnis der Verhältnisse bezeugt“. Allein wenn sie an den Schwerlastverkehr denkt, der um den Ort herumgeleitet würde. „Es ist ignorant, daran zu zweifeln, dass ein Tunnel, der den Verkehr aus dem Ort nimmt, kein Erfolg ist“, poltert Koch. Deshalb sei sie Verkehrsminister Alexander Dobrindt für seine Unterstützung zutiefst dankbar.

Der Naturschützer Axel Doering bewertet Dobrindts Einsatz ganz anders. „Der Kramertunnel markiert den Beginn einer neuen Alpentransitstrecke.“ Die Entlastung relativiere sich, weil der Tunnel mehr Verkehr anziehe, befürchtet Doering. Ihn beschäftigt die Frage, wie Tirol auf die Tunnelbaupläne im Loisachtal reagiert: „Wenn die Österreicher zusätzlichen Verkehr kriegen, werden sie ihre alten Straßenausbaupläne hervorholen.“ Doering erinnert an die Ideen, den Fernpass und den Tschirgant südlich von Nassereith zu untertunneln. „Das würde den Weg in den Süden deutlich verkürzen und so wieder mehr Verkehr auf diese Strecke bringen.“ Auch wenn er seiner Partei den Rücken gekehrt hat, hält er die Bedenken der Landtags-SPD bezüglich des Kramertunnels nicht für verkehrt. „Es wäre wahrscheinlich heute noch billiger und schneller, die geplante Tunneltrasse im Sinne einer besseren Lösung noch einmal zu überdenken.“

Ursel Kössel von der Bürgerinitiative „Zwei Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“ nennt Brunns Äußerungen „dummes Geschwätz“ und „ein Zeichen von Ahnungslosigkeit“. „Weiß er nicht, dass unser Tourismus auf dem Heilklimatischen Kurort aufgebaut ist, und dass wir nahe dran sind, dieses Prädikat zu verlieren?“ Deshalb lädt Kössel den Landespolitiker dazu ein, sich einen Tag an die Durchgangsstraße zu stellen: „Dann würde er sehen, wie die Menschen hier leiden.“

Eva Stöckerl

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