Die Partnachklamm und verschneite Berge: Das sind Bilder, die den Zuschauern im Kopf bleiben. foto: mm-Archiv

Kritischer Blick auf den Tourismus

Garmisch-Partenkirchen - Die Sorgen, die sich Garmisch-Partenkirchens Tourismus-Direktor Peter Ries im Vorfeld gemacht hat, waren unbegründet: Der Fernsehbeitrag hat den Ort nicht durch den Dreck gezogen.

Peter Ries ist erleichtert. Seine schlimmsten Befürchtungen, die ihn veranlasst hatten, alle Partner von GaPa-Tourismus vor der mutmaßlich „tendenziösen Berichterstattung“ im Westdeutschen Rundfunk (WDR) zu warnen, sind nicht eingetreten. Worte wie „Garmisch-Partenkirchen, ein Alpenwahn“ und negative Erfahrungen mit anderen Fernseh-Sendungen seien der Grund für seine Mail im Vorfeld gewesen, erklärt der Tourismusdirektor. Was am Montagabend unter dem Titel „Alpen abgezockt - Berge, Schnee und Billiglohn“ im der Reihe „Die Story“ gezeigt wurde, „fand ich nicht ganz so schlimm, auch wenn einige Sachen nicht fair waren“.

Er hofft, dass den Zuschauern vor allem die schönen Bilder von den verschneiten Bergen und der wild-romantischen Partnachklamm in Erinnerung bleiben. Und die Impressionen von zufriedenen Skifahrern. Die stimmen auch Klaus Hilleprandt optimistisch: „Das war positiv.“ Ohne den Beitrag gesehen zu haben, hatte er bereits davon gesprochen, eine einstweilige Verfügung gegen dessen Ausstrahlung zu erwirken. Überzogen findet er diesen Vorschlag auch im Nachhinein nicht. „Wenn ich sehe, mit welchen Zahlen da gearbeitet wird, beispielsweise den angeblichen 800 Hotels und Pensionen im Ort, von denen wir aber nur ein Zehntel habe, gehe ich davon aus, dass hier schlecht recherchiert wurde.“ Schützenhilfe erhält er von Tagblatt-Lesern, die auf der Internet-Plattform Facebook eifrig über die Sendung diskutiert haben. Da ist von „Frechheit“ und einem „teilweise realitätsfremden Bericht“ die Rede. Andere untermauern aber auch, dass „Garmisch-Partenkirchen besser weggekommen ist, als befürchtet“. Nur an den vermeintlichen Sommerbildern vom Skigebiet, auf denen noch Schneereste zu sehen sind, stören sich alle.

Aussagen, wie von Hansjörg Barth, der Wirt des Münchner Hauses auf der Zugspitze, der zugibt, dass die Gäste „auch nerven“ und er dann froh sei, wenn sie nach einer Stunde wieder ins Tal fahren, kommentiert Ries nicht. „Bei so etwas weiß man nie, inwieweit das aus dem Zusammenhang gerissen wurde und anders geschnitten wurde.“ Der Tourismus-Chef spricht aus Erfahrung: „Ich bin ein gebranntes Kind und habe sicher auch deshalb im Vorfeld so auf den Beitrag reagiert.“

Derartige Reaktionen sieht Autor Jo Angerer, der den Film mit Johannes Höflich gemacht hat, gelassen: „Wir setzen uns im Sommer immer kritisch mit dem Tourismus auseinander, und da hatten wir jetzt die Alpen auf dem Plan.“ Nachdem der gebürtige Münchner in seiner Jugend viel Zeit in Garmisch-Partenkirchen und den umliegenden Pisten verbracht hat, fiel ihm die Wahl nicht schwer. Auch wenn er sich mit den Schattenseiten des Fremdenverkehrs beschäftigt, zeigt die Zuschauerresonanz, dass diese vom Werdenfelser Land durchaus angetan sind. „Wir haben viele Zuschriften bekommen“, bestätigt Angerer. „Und viele erkundigen sich, wie sie hier in anderer Form Urlaub machen können.“

Die Urlauber und die zahlreichen Stammgäste seien zufrieden mit der Marktgemeinde, versichert Ries. „Unsere jüngste Befragung zeigt, dass sie wegen des hohen Erholungswerts und der schönen Natur hierherkommen“ - und von der haben sie auch im WDR viel gesehen.

Tanja Brinkmann

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