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Jede Menge Unsinn machen (v. l.) Florentine Schara, Ted Siegert und Juliane Torhorst in ihrer „Max und Moritz“-Inszenierung. 

Klassiker aus Kindheit wird aufgeführt - aber auf besondere Art

Kultursommer: Streiche à la „Max und Moritz“

Garmisch-Partenkirchen - Die Geschichten von „Max und Moritz“ zählen weltweit zu den meistverkauften Kinderbüchern. Inspiriert von den Streichen der beiden Lausbuben kommt beim Kultursommer ein Familienstück auf die Bühne. Der Fokus liegt dabei auf Kindern von heute, die den Unsinn der frechen Burschen nachmachen.

Sie machen sich über die Hühnchen der Witwe Bolte her, zersägen die Brücke zu Schneidermeister Böcks Werkstatt und füllen Flintenpulver in die Pfeife ihres Lehrers. Die beiden Lausbuben in Wilhelm Buschs Bildergeschichte „Max und Moritz“ haben nur Blödsinn und Streiche im Kopf. Wer kennt sie nicht, die frechen Burschen, deren Abenteuergeschichten noch heute in fast jedem Bücherregal zu finden sind. Das Berliner Theaterensemble „Kolonastix“, das unter anderem von Angela Hundsdorfer und Juliane Torhorst aus Garmisch-Partenkirchgen gegründet wurde, bringt genau diese im Rahmen des Kultursommers auf die Bühne. So wird Buschs Klassiker mit Witz, Kreativität und Fantasie den großen und kleinen Besuchern wieder in Erinnerung gerufen.

Wenn Schauspielerin Florentine Schara von „Max und Moritz“ spricht, steigen Kindheitserinnerungen in ihr auf. „Jeder hat die Geschichte früher vorgelesen bekommen, jeder kennt Max und Moritz“, sagt sie, „Deshalb wollen wir sie auch zeigen, aber aus einer besonderen Perspektive.“ Die sechs Akteure ihrer Theatergruppe „Kolonastix“ führen nicht einfach Wilhelm Buschs Erzählung auf, sondern stellen Kinder in der heutigen Zeit dar, die die Lausbubenstreiche nachspielen. „Manchmal deuten wir Szenen auch nur an und verlieren dann die Lust dabei – eben genauso, wie Kinder spielen würden. Dabei haben wir kein eigenes Bühnenbild für jede Szene und auch keine festen Requisiten.“ Leiten lassen sie sich von ihrer Fantasie und viel Humor. „Wenn ich zum Beispiel ein Huhn der Witwe Bolte verkörpere, dann ziehe ich mir nicht etwa ein Hühnerkostüm an, sondern einfach Gummihandschuhe über Hände und Füße und dann geht’s los“, verrät Schara lachend. Die Kunst sei es, mit einfachen Mitteln Bilder zu erschaffen.

Diese freie Darstellungsweise ist nicht die einzige Besonderheit des Ensembles. „Bei uns spielt jeder alles, es gibt keine festen Rollen“, erklärt sie. Somit verkörpert auch mal ein Erwachsener ein Kind, eine Frau oder einen Mann. Sie und ihre Kolleginnen Hundsdorfer und Torhorst bilden das Kernteam von „Kolonastix“. Kennengelernt haben sie sich über die Schauspielerei in Garmisch-Partenkirchen, heute wohnen sie in Berlin. Mit drei weiteren Akteuren stehen sie dort auf der Bühne – und die Chemie stimmt. „Wir erarbeiten uns alles im Team“, sagt Schara. „Wir führen Regie und entwickeln Szenen immer im Ensemble.“ 2013 waren sie in dieser Konstellation das erste Mal beim Kultursommer mit dabei, mit dem „Kleinen Gespenst“ von Otfried Preußler.

Passend zum Motto „frei sein“ gibt’s heuer Unsinn, Streiche und Abenteuer. „Max und Moritz passen super zum Thema. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man so vielen Zwängen unterliegt.“ Die beiden Buben, die sich an keine Gebote und Konventionen halten und tun und lassen, was ihnen gefällt, zeigen, dass man „sich immer die Freiheit bewahren sollte, einfach seiner Laune nachzugehen.“

Obwohl die Theatervorstellung für Kinder ab fünf Jahren gedacht ist, können auch Erwachsene etwas daraus mitnehmen. „Die kennen ja oft die Geschichte viel besser, und jeder Erwachsene hat ja noch irgendwo ein Kind in sich“, betont die Schauspielerin. „Wir haben mal einen Testlauf unter gleichaltrigen Freunden gemacht. Einer meinte danach, er habe selten so viel gelacht.“ Die Streiche von Max und Moritz sowie Buschs Lehren sind zeitlos. „Als wir angefangen haben, uns damit zu beschäftigen, haben wir zum ersten Mal gemerkt, wie tief das in unserer Kultur verankert ist,“ sagt Schara. „Das liegt an der Anarchie, die von den beiden Figuren ausgeht. Sie verkörpern die Lust, Quatsch zu machen.“

Die Premiere

steht am Samstag, 27. August,  um 15 Uhr auf der Kongresshaus-Bühne „U 1“ auf dem Programm. Weitere Vorstellungen sind an diesem Sonntag sowie am 3., 4.,10., 11., 17. und 18. September jeweils um 15 Uhr. Karten für 18, beziehungsweise ermäßigt 8 Euro, gibt’s im Vorverkauf bei GAP-Ticket, beim Kreisboten und allen Stellen von München-Ticket. Einheimische erhalten eine Ermäßigung von zwei Euro, Kinder bis 14 Jahre zahlen nur die Hälfte.


Franziska Kiefl

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