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Entdeckt seine Heimat neu, wenn er vertraute Plätze, wie hier den Wald am Rießersee, zur Theaterbühne umfunktioniert: Thomas Bruner packt beim Aufbau mit an.

Thomas Bruner schafft Kultursommer-Bühnen in der Natur

Schöpfer neuer Welten

Garmisch-Partenkirchen - Plätze, die er seit seiner Kindheit kennt, werden durch ihn zur Bühne. Thomas Bruner verleiht der Garmisch-Partenkirchner Natur ein neues Gesicht und verblüfft damit jedes Jahr aufs Neue die Kultursommer-Besucher.

Thomas Bruner kommt in der Welt herum. Bühnen, die er entworfen oder an denen er mitgearbeitet hat, enstanden schon an vielen großen Opernhäusern und Theatern – zuletzt in Wien, Salzburg und München. Etwas ganz Besonderes sind für den 50-Jährigen aber seine sommerlichen Engagements in seiner Werdenfelser Heimat. Da sorgt er nicht nur in Sälen für die perfekten Kulissen, sondern er verwandelt die Natur in eine Theaterbühne. „Das macht den Reiz des Kultursommers aus.“ Heuer kehrt er an einen Platz zurück, an dem er bereits 2007 zum fünfjährigen Bestehen der Reihe seiner Kreativität freien Lauf lassen konnte. Für das Singspiel schuf er die Seebühne auf dem Rießersee. „Meine größte Herausforderung“, erinnert sich der Garmisch-Partenkirchner. Auf dem gewaltigen Floß, das über zwei Stege mit dem Ufer verbunden war, stand ein überdimensionaler Bilderrahmen. „Schön war, dass wir die Landschaft als Postkartenmotiv benutzen konnten“, sagt der Architekt. „Das hat perfekt gepasst, war idyllisch, fast schon kitschig.“

Der See beschäftigt ihn auch in diesem Jahr. Allerdings seine düstere Seite. Für Karl Schönherrs Drama „Kindertragödie“ nutzt er den Platz an der Kantine der Olympia-Bobbahn. Der Wald dort passt genau zu der Geschichte, die in einem abgelegenen Forsthaus spielt. Dort werden die Kinder – 13, 15 und 17 Jahre alt – von der Mutter im Stich gelassen. Mit einem Schlag zerbricht ihr Familiengefüge. Eine Situation, mit der jeder der Geschwister anders umgeht. Die Kulissen, die sie für die Umsetzung brauchen, bietet die Natur. Kein Wunder, dass Bruner sein Bühnenbild „eher schlicht hält“. In der Gefühlswelt der Kinder liegt für den Garmisch-Partenkirchner der Reiz, der das Stück ausmacht. Das Dilemma der Drei, dass die Eltern mit ihnen nicht reden. Ein Dilemma, das auch in der heutigen Zeit, gut 100 Jahre nach der Entstehung des Dramas, noch hochaktuell ist.

Stoff zu finden, der zum Kutursommer in Garmisch-Partenkirchen passt, ist stets der erste Schritt. Danach geht’s an die Suche nach dem Schauplatz. Nachdem der Großteil der Verantwortlichen aus dem Werdenfelser Land kommt, „können wir aus einem reichen Fundus schöpfen“, sagt Bruner. Orte, die sich für eine Freilicht-Inszenierung eignen würden, gibt es viele. Das hat sich auch dieses Mal gezeigt. „Es gab einige Möglichkeiten“, erinnert sich der Bühnenbildner. Erste Besichtigungen fanden schon im Winter statt. „Ganz abstrakt“, meint Bruner und lacht. Neben der Stelle am Rießersee, an der am 1. September etwa 150 Zuschauer die Premiere der Inszenierung von Harald Helfrich erleben, stand noch ein Platz am Wank zur Debatte. Ein Thema, das Bruner immer im Blick hat, ist die Erreichbarkeit. „Ein bisschen Weg kann interessant sein.“ Vorausgesetzt, er ist für ein breites Publikum machbar.

So rückt der Bühnenbildner ein Stück vertraute Heimat in ein neues Licht, plötzlich fungiert es als Theaterstätte. „Dabei entdecke auch ich jeden Platz für mich neu“, verrät Bruner. „Das ist ein Gewinn.“ Mit einem Scan-Blick ist er trotzdem nicht unterwegs, wenn er seine Eltern in Burgrain oder Freunde besucht. „Ich habe von jeher einen Blick für die Natur hier und kann sie wahnsinnig genießen.“ Die Bilder, die er von Wanderungen und Ausflügen mitbringt, brennen sich ein. Ganz tief in seinem Gedächtnis. Und auf diese Festplatte greift er zurück, wenn er eine passende Spielstätte sucht. Am Eckbauer, am Graseck, an der Kriegergedächtniskapelle, am Herrgottschrofen – das sind nur einige Orte, die Bruner bereits verwandelt hat. Dass ihm die Spielstätten ausgehen, fürchtet er nicht. „Es gibt noch unendlich viele Plätze, aus denen wir schöpfen können.“

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