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Proben im Freien: (v. l.) Regisseur Harald Helfrich mit Antonia Wiedemann, Max Jeschke und Hannes Wipfelder.

Packende Kultursommer-Inszenierung

"Kindertragödie" aktuell wie vor 100 Jahren

Garmisch-Partenkirchen - Harald Helfrich inszeniert Drama von Karl Schönherr am Rießersee – Proben laufen auf Hochtouren

Es ist ein Stück, das bereits mehr als 100 Jahre auf dem Buckel hat – und dennoch ist es aktuell wie nie. Davon ist Harald Helfrich überzeugt. Karl Schönherrs Familiendrama „Kindertragödie“ ist die Freilichtinszenierung beim diesjährigen Kultursommer. An der Olympia-Bobbahn am Rießersee feiert es am 1. September Premiere.

Im Stück geht es um das das familiäre Gefüge zweier Brüder und einer Schwester, die sich in einem Försterhaus im Wald völlig alleine überlassen sind. Die Idylle der Familie zerbricht, als herauskommt, dass die Mutter ein Verhältnis hat. Die Werte und die Moral, die in der Familie hochgehalten wurden, zerbröckeln. Die unbeschwerte Kindheit geht plötzlich zu Ende. Unschuld und Naivität verschwinden. Übrig bleiben Sprachlosigkeit und Wut. Die Handlung kippt, als eines der Geschwister den Waffenschrank im Haus entdeckt.

Es ist der zweite Schönherr, der beim Kultursommer zur Aufführung kommt. Das bekannteste Theaterstück des Tiroler Schriftstellers „Der Weibsteufel“ wurde bereits 2003 in Garmisch-Partenkirchen inszeniert. Für die drei jungen Darsteller Hannes Wipfelder, Max Jeschke und Antonia Wiedemann war es zunächst nicht ganz einfach, sich in ihre Rollen einzufinden. Dies lag mitnichten an ihrem schauspielerischen Talent. Die Sprache des Stückes ist in einer Art Kunstdialekt gehalten, an den sie sich erst einmal gewöhnen mussten. „Bei der ersten Leseprobe wussten die Drei nicht genau, was das für eine Sprache sein soll“, erinnert sich der Regisseur mit einem Schmunzeln. Der Dialekt kommt dem tirolerisch-bairischen zwar nah, ist jedoch verfremdet. „Wir haben den Text vom Original übernommen“, sagt Helfrich. Er findet es gar nicht schlecht, dass sich die Schauspieler beim Aussprechen etwas „winden“ müssen. „Das unterstreicht die innere Zerrissenheit. Die Wut, die aufgrund der Sprachlosigkeit und Schwierigkeiten mit der Kommunikation nicht zum Ausdruck gebracht werden kann.“

Die Dynamik und die Spannungen zwischen den Geschwistern und ihren Eltern will Helfrich auf der Bühne ungeschminkt zeigen. Nichts soll davon ablenken. So wenig Requisite wie möglich stehen den Schauspielern zur Verfügung. Auch das Bühnenbild ist puristisch und simpel, sagt Bühnenbildner Thomas Bruner. Die Zuschauer bekommen das Innenleben der Hütte zu sehen. Auch die Farben sind gedeckt und neutral. Minimalistisch. Genauso wie die dramaturgische Besetzung.

Nur drei Figuren stehen während der drei Akte auf der Bühne. Das ist für die jungen Schauspieler eine Herausforderung. Jedoch keine, der sie sich nicht gewachsen fühlen. Die 17-jährige Antonia Wiedemann ist im Landkreis bereits für ihr schauspielerisches Talent bekannt. Im vergangenen Jahr brillierte sie in der Kultursommer-Produktion „Das verkaufte Dorf“. Auch der Jüngste des Trios Max Jeschke (12) spielte 2012 in Angela Hundsdorfers Inszenierung „Schlafes Bruder“ mit. Hannes Wipfelder (16) ist zum ersten Mal in der Kultur-Reihe mit dabei.

Erstaunlich finden es die jungen Mimen, wie modern die Handlung der „Kindertragödie“ ist, obwohl das Stück schon so alt ist. Wiedemann erklärt sich das wie folgt: „Konflikte in der Familie werden die Menschen immer beschäftigen. Darum berührt die Geschichte auch heute noch.“ Helfrich ist überzeugt, dass die packende Inszenierung die Zuschauer in den Bann ziehen wird – vor allem die Erwachsenen. Der Regisseur stellt klar: „Obwohl es in dem Stück um Jugendliche geht und Jugendliche mitspielen, ist die Inszenierung nichts für Kinder."

Magdalena Kratzer

Die Aufführungen:

sind am 1., 9., 10., 14., und 15. September jeweils um 20 Uhr. Karten gibt’s bei München-Ticket, GAP-Ticket und beim Kreisboten.


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