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Für seinen Filius Amadeus hat Wilfried Hiller viele Kindergeschichten vertont. Jetzt arbeiten Vater und Sohn beim Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen zusammen.

75-jähriger Geburtstag

Willfried Hiller: Der Hauskomponist des Kultursommers

Garmisch-Partenkirchen - Wilfried Hiller ist einer der meistgespielten deutschen Bühnenkomponisten unserer Zeit. Für Garmisch-Partenkirchen vertonte er Michael Endes „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“. Zum 75. Geburtstag ehren der Kultursommer und die Phantastische Gesellschaft den Hauskomponisten mit einem klingenden Fest.

Michael Ende und Wilfried Hiller – von 1978 bis zum Tod des Schriftstellers 1995 verband sie eine intensive Arbeitsgemeinschaft und eine enge Freundschaft. „Ich war zwölf Jahre jünger, und er hat mich immer wie einen kleinen Bruder behandelt“, konkretisiert Hiller. Dabei gestaltete sich die Zusammenarbeit nicht so ganz einfach, weil „ich um 4 in der Früh aufsteh‘ und der Michael da frühestens ins Bett ging“, plaudert Hiller aus der Schule. Trotz dieser Erschwernis war die Partnerschaft äußerst fruchtbar. „Das Traumfresserchen“ ist die meistgespielte deutschsprachige Oper der Nachkriegszeit. Auch mit der bayerischen Mär „Der Goggolori“ schrieb das Duo eine Erfolgsgeschichte. Erfolg hatte Hiller ebenso, was den unterschiedlichen Tag- und Nacht-Rhythmus anbelangt: „Ich konnte ihn ein bisschen disziplinieren.“

So populär der Tonschöpfer ist, so bescheiden wirkt er im Gespräch. Dass er zum 75. in seiner Wahlheimat München groß gefeiert wurde – im Stadtmuseum und mit zwei Konzerten im Carl Orff-Zentrum – zählt vor allem, weil ihn da einige seiner besten Freunde umgaben. Dass ihm daneben auch vier Generationen von Kultusministern gratulierten, freut ihn schon, „weil das zeigt, dass sie einen ernst nehmen“.

Das Sonderkonzert am Freitag, 26. August, im Garmisch-Partenkirchner Olympiasaal (Beginn 20 Uhr) ist noch einmal etwas Besonderes: Weil es zur Ende-Woche gehört und den Jubilar mit zahlreichen Künstlerfreunden zusammenführt. Und weil dabei auch Ausschnitte aus Hillers Ende-Vertonungen „Der Rattenfänger“ und „Trödelmarkt der Träume“ erklingen. Als Moderatorin wird die Schauspielerin Michaela May zudem Endes „Die zerstreute Brillenschlange“ und die Taschenoper „Eine Geschichte sucht ihren Autor“ nach einer Idee von Tankred Dorst in neuen Umsetzungen auf der Bühne präsentieren.

Aber nicht nur wegen des Konzerts zu seinen Ehren freut sich Hiller auf Garmisch-Partenkirchen. In der vergangenen Woche probte er mit den Musikern für die Wiederaufnahme von „Momo“ im Kultursommer-Programm. „Je älter ich werde, umso mehr merke ich, welche Aktualität in dem Stück steckt.“

Solange sein Sohn Amadeus ein Kind war, hat Hiller dessen Lieblingsgeschichten vertont wie die von Jim Knopf. Als der Filius erwachsen wurde, ergaben sich andere Themen. Derzeit arbeitet der Komponist an einem Schöpfungsoratorium für die Katholische Akademie in Bayern. „Dort gibt es ein Mosaik von Antje Tesche-Mentzen. Das will ich in Musik umsetzen.“ Der Tondichter und die Bildhauerin arbeiten seit vier Jahren zusammen: „Wir inspirieren uns gegenseitig.“ Von ihr stammen die Skulpturen, mit denen Hiller das Grab seiner Frau Elisabeth Woska auf dem Münchner Waldfriedhof schmückte. Dort hat der Komponist seine Lieben beieinander, denn – „mehr Fügung als Zufall“ – schräg gegenüber liegt Endes letzte Ruhestätte. „Antjes Waldschrat Goggolori bläst genau zu ihm hinüber.“

Seinem Sohn zuliebe hat sich Hiller sehr früh mit Musik für Kinder auseinandergesetzt. Von seinen jungen Zuhörern, so erzählt er, erhielt er die schönsten Komplimente für seine vertonten Fabeln und Märchen. Eines hat ihn dann doch verwundert. „Warum lebst Du überhaupt noch?“, fragte ihn nach einem Konzert ein achtjähriges Mädchen, „unsere Lehrerin hat gesagt, ein Komponist wird erst gespielt, wenn er tot ist. Von Dir kenne ich schon drei Stücke."

Eva Stöckerl

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