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Nur Unsinn im Kopf: (v. l.) Florentine Schara, Ted Siegert und Jule Torhorst in „Max und Moritz“. 

Überbordende Phantasie

"Max und Moritz": Wenig Zuschauer, aber viel Spaß

Garmisch-Partenkirchen - Ein Klassiker unter den Kinderbüchern erfrischend aktuell inszeniert – das macht „Max und Moritz“ beim Kultursommer aus. Florentine Schara, Jule Torhorst und Ted Siegert erwecken die Helden von Wilhelm Busch zu neuem Leben.

Jetzt ist der Sommer doch noch da. Drückend heiß ist es am Samstagnachmittag. Zu heiß, um ins Theater zu gehen? Eher im Gegenteil: Im „U 1“ ist es angenehm klimatisiert. Trotzdem sind es nur rund zwei Dutzend kleine und große Zuschauer, die sich eingefunden haben, um Max und Moritz, die „bösen Buben“ der Kinderliteratur-Geschichte, kennenzulernen beziehungsweise ihnen wieder zu begegnen. Los geht’s mit Supermarktgeräuschen, dem Piepen der Kasse, Durchsagen, die Sonderangebote anpreisen. Während der erwachsene Zuschauer verzweifelt in der Erinnerung kramt, was das nun mit Buschs Geschichte zu tun haben könnte, beginnt die Vorstellung auch schon.

Drei Kinder (wieso drei?) haben sich im „Billigmarkt“ zwischen den Schaufensterpuppen versteckt und sich nach Geschäftsschluss einsperren lassen. Sie kramen in Kisten und Schachteln, finden drei blaue Latzhosen, die sie sogleich anziehen, sowie eine rote und eine gelbe Mütze mit der Aufschrift „Max“ und „Mo“. „Ah! Max und Moritz!“, rufen sie aus. Und nun spielen sie mit überbordender Phantasie und all den Requisiten, die so ein Supermarkt hergibt, die Geschichte nach. Und sie zitieren den Originaltext, ganz so wie man in der Schule ein auswendig gelerntes Gedicht aufsagt. Buschs für heutige Kinderohren doch gewöhnungsbedürftige Sprache erreicht die kleinen Zuschauer so sicher leichter. Zumal die drei Akteure immer wieder aus den Rollen aussteigen und als junge Leute von heute ihre Kommentare abgeben.

Die Idee ist bestrickend, doch wird sie über alle sieben Streiche hinaus tragen? Eine Stunde später weiß man, dass sie das tut. Jedenfalls dann, wenn so leidenschaftlich begeisterte Akteure wie Florentine Schara, Jule Torhorst und Ted Siegert auf der Bühne stehen. Ihnen gelingt das Kunststück, einen Wirbel zu entfachen, der Kinder jubeln lässt und Erwachsenen ebenfalls Vergnügen bereitet.

Es würde den Rahmen sprengen, alle diese gelungenen Szenen zu beschreiben, doch ein paar seien herausgegriffen: Der Spitz der Witwe Bolte, der ein wild gewordener Wischmopp ist, und der es, als er zu Unrecht des Hühnerklaus verdächtigt wird, mal mit einer Fremdsprache versucht: „Miau!“. Onkel Fritz, dessen Schlafmütze ein geschickt drapierter Müllsack ist, und die ihn piesackenden Maikäfer, die aus Klammerhaarspangen bestehen. Oder Lehrer Lämpel, der an einer flugs aus Kisten zusammen gebauten „Orgel“ spielt, ehe ihn das Unglück mit der explodierenden Meerschaumpfeife, für die eine Luftpumpe herhalten muss, ereilt. Unter „Rumms!“-Rufen, aufflackerndem Licht und in Zeitlupe fliegt er durch die Luft. Ausgelassene Spielfreude, die sich aufs Publikum überträgt.

Der Trick: Der Supermarkt öffnet, die Durchsage „Ich hab’ hier Kinder in der Überwachungskamera!“ führt zu hektischer Aktivität. Die drei Eindringlinge verstecken sich in riesigen Tüten. Darauf ertönt die Stimme: „Jetzt sind sie in der Tüte. Sollen sie in die Mühle gebracht werden?“ Wildes Gewusel unter den Tüten, schließlich kommen die Akteure mit traurigen Gesichtern hervor. Sie stecken die Latzhosen zurück in die Kiste. Und das ist das Ende von Max und Moritz.

Weitere Vorstellungen:

3., 4., 10., 11., 18. und 19. September jeweils um 15 Uhr auf der Kongresshaus-Bühne „U 1“.

Sabine Näher

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