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Service-Roboter für Zuhause will Professor Sami Haddadin in Zukunft entwickeln. Dafür plant er eine Produktionsstätte in Garmisch-Partenkirchen.

Zwei Bewerber stellen ihre innovativen Projekte vor

Leifheit-Vermögen: Geld für einen Roboter für Zuhause?

Garmisch-Partenkirchen - Es ist eine gewaltige Summe, die auf einem Konto der Marktgemeinde schlummert. 57 Millionen Euro umfasst das Sondervermögen. Dem Willen des Ehepaars Leifheit zufolge soll es für Senioren und pflegebedürftige Menschen genutzt werden.

Er reinigt das Bad, putzt die Fenster. Anschließend serviert er den Großeltern das Frühstück. Und das alles vollautomatisch. Die Servicekraft ist 1,70 Meter groß und ein Roboter. Die Befehle erteilen dem Hightech-Produkt die Familienangehörigen. Vom Arbeitsplatz aus steuern sie über ihre Smartphones die Software. Eine Beschreibung, die sich anhört wie eine Szene aus dem neuesten Science-Fiction-Film. Geht es nach Professor Sami Haddadin gehört sie allerdings schon bald zum Alltag in deutschen Haushalten. „Wir wollen die Roboter in naher Zukunft flächendeckend einsetzen.“

Um dieses Ziel zu verwirklichen, möchte der 35-jährige Wissenschaftler von der Leibniz-Universität Hannover einen Hochschulstandort in Garmisch-Partenkirchen etablieren. Das Themengebiet ist außergewöhnlich: Geriatronik. Eine Verbindung von Altenmedizin (Geriatrie) und der Forschung an interaktiven Robotern (Robotik). Menschenähnliche Maschinen sollen zukünftig Kranken- und Altenpfleger in ihrem Arbeitsalltag entlasten. „Es geht darum, ein Produkt zu entwickeln, dass den Menschen dient.“ Auch die entsprechende Produktionsstätte und ein Kontrollzentrum will Haddadin im Werdenfelser Land aufbauen.

Doch eine solch innovative Technologie kostet Geld – viel Geld. Hier kommt der Gemeinderat ins Spiel. Aus dem Nachlass von Ingeborg und Günter Leifheit stehen der Marktgemeinde rund 57 Millionen Euro zur Verfügung – verbunden mit Auflagen: Aus diesem Topf sollen die „Errichtung und Unterstützung von Alten- und Pflegeheimen“, die „Förderung der wissenschaftlichen Forschung“ mit Bezug auf Altersprobleme sowie auch Einrichtungen unterstützt werden, die „zugunsten alter Leute“ tätig sind. Ob das Projekt von Haddadin diese Punkte erfüllt und somit für eine finanzielle Unterstützung in Frage kommt, wird noch geprüft. „Der Gemeinderat und vor allen Dingen die Stiftungsaufsicht müssen zustimmen“, sagt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Sollte man im Nachhinein nämlich feststellen, dass der Stiftungszweck nicht erfüllt ist, droht Garmisch-Partenkirchen eine Schadenersatzklage. „Das wollen wir um jeden Preis verhindern.“

Haddadin ist jedoch nicht der einzige Bewerber um die Millionen. Auch Professor Gunther Friedl hat seine Visionen dem Gemeinderat präsentiert. Dem Dekan der Technischen Universität München (TUM) schwebt die Gründung eines Lehrstuhls vor. Dieser soll sich mit dem „Management des demografischen Wandels“ befassen. Bedeutet konkret: „Wir wollen der Frage nachgehen, was es für Unternehmen bedeutet, dass in Zukunft immer mehr Menschen 65 Jahre oder älter sind.“ Friedl möchte den betriebswirtschaftlichen Problemen auf den Grund gehen. Er denkt dabei an neue Formen von Arbeitsverhältnissen oder eine veränderte Ausrichtung des Marketings. „Diese Art der Forschung würde ein Novum in Deutschland darstellen.“

Die Dringlichkeit seiner Idee untermauert er mit Zahlen aus dem Bayerischen Landesamt für Statistik. „Bis ins Jahr 2035 wird die Zahl der Menschen im Alter von 65 Jahren aufwärts voraussichtlich von 17 auf 24 Millionen steigen.“ Dadurch ergäben sich automatisch neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragestellungen. Als „Modellregion“ bezeichnet er dabei den Landkreis. Hier vollziehe sich der demografische Wandel noch drastischer als im Rest der Republik. In den kommenden 20 Jahren steige die Anzahl der Bürger in der gehobenen Altersgruppe um satte 30 Prozent. Auch für Studenten der TUM möchte Friedl Angebote schaffen. „Es wird Praxisprojekte und verschiedene Workshops geben.“

Welche der beiden Optionen den Zuschlag erhält, steht indes noch nicht fest. Meierhofer lässt sich zumindest bislang nicht in die Karten schauen, welches Modell sie bevorzugt. „Beide könnten den Stiftungszweck durchaus erfüllen.“ Bis zur nächsten Entscheidungsphase müssten zuerst noch „detaillierte Ideenskizzen“ geliefert werden. Und es muss noch geklärt werden, wie das Leifheit-Sondervermögen tatsächlich genutzt werden darf.

Simon Nutzinger

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