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Die Wiese, auf der während des G7-Gipfels im Juni 2015 am Loisach-Ufer über 1000 Gegner campierten.

Hartnäckigkeit in Camp-Debatte zeichnet sich nun aus

Nach G7: Raubal erhält Preis für Zivilcourage

Garmisch-Partenkirchen - Bei den G7-Gegnern hat er sich Freunde gemacht, bei der Politik und der Polizei sicherlich nicht. Gegen alle Widerstände hatte Bernhard Raubal seine Wiese den Demonstranten zur Verfügung gestellt. Dafür wird er nun geehrt – von der Humanistischen Union. 

So viele wollten ihn daran hindern. Polizei, Politiker, Anwohner. Ihn hat’s nicht interessiert. Bernhard Raubal (50) stellte seine Wiese an der Loisach im Martinswinkel zur Verfügung. Als Camp für Demonstranten, die während des G7-Gipfels auf Schloss Elmau am 7. und 8. Juni 2015 ihren Unmut über die Politik der Mächtigen ausdrücken wollten. Diese Tat hat die Humanistische Union (HU) beeindruckt. Die Organisation überreicht Raubal dafür den Preis „Aufrechter Gang“. Ein Preis für Zivilcourage.

Zivilcourage. Ein großes Wort. Ein wichtiges in einer Gesellschaft, der man gerne Gleichgültigkeit, Ignoranz und eine Haltung des Wegschauens unterstellt. Und eines, bei dem man nicht sofort an einen Garmisch-Partenkirchner denkt, der gegen eine Art Aufwandsentschädigung auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern Demonstranten nächtigen lässt. Doch die HU München-Südbayern definiert Zivilcourage auch als „den Mut, sich gegen Obrigkeiten zu wehren“, erklärt Vorstandsmitglied Wolfgang Killinger. Der Preis, heißt es entsprechend auf der Homepage, geht an Menschen, „die das Handeln des Staates und anderer gesellschaftlicher Organe (...) nicht kritiklos hinnehmen. Dagegen leisten sie persönlichen Widerstand und verteidigen damit den Geist unseres Grundgesetzes.“

Das sagt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer zu Raubals Ehrung

Erhält den Preis: Bernhard Raubal. 

Diese Kriterien erfüllt Raubal offenbar perfekt. „Gegen alle Widerstände“ und „obwohl er von allen Seiten dafür angefeindet wurde“ habe er seine Wiese freigegeben, lobt Killinger. Mit seinem Verhalten habe der 50-Jährige „zur Stärkung des Demonstrationsrechtes beigetragen“.

Dieses aber „umfasst in meinen Augen aber keine Vollpension samt Übernachtung und Frühstück“: Damit wiederholt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) ihre Haltung von damals. Sie gehörte zu jenen „Obrigkeiten“, die sich gegen das Camp ausgesprochen haben. Bekanntlich teilte das Verwaltungsgericht München ihre Ansicht nicht und erlaubte das Protest-Lager. Für Meierhofer jedoch, die vom Tagblatt von Raubals Ehrung erfuhr – und auch davon, dass es den Preis überhaupt gibt –, hat diese Entscheidung „unmittelbar mit der Person Raubal“ nichts zu tun. Vielmehr sieht sie darin „eine neue Dimension und Entwicklung der Rechtsprechung“, schlicht den „Lauf der Zeit“.

Die Camp-Debatte ging durch die Medien. Darüber wurden die vier Vorstandsmitglieder auch auf Raubal aufmerksam. Anfang des Jahres meldeten sie sich bei dem ehemaligen Gastwirt der mittlerweile abgerissenen Gamshütte. Ein Anruf, der ihn „sehr überrascht“ hat. Genauso sehr habe er sich gefreut. Denn für Raubal stehen die überwiegend jungen Gipfelgegner, die auf seiner Wiese friedlich campierten, „für Menschen, die noch etwas bewegen wollen“. Sie wollte er dabei unterstützen, ihre Meinung offen zu sagen. „Denn so muss es doch in einer Demokratie sein.“

Auszeichnung ist ein undotierter Preis

Immer wieder hatte man im Ort darüber spekuliert, wie viel Raubal wohl an Pacht von den G7-Gegnern erhalten hat. Jetzt betont er: Ausgaben, die ihm etwa durch Versicherungen entstanden waren, wurden gedeckt; ein minimaler Betrag, „vielleicht 10 oder 20 Euro“ seien übrig geblieben.

Der HU-Vorstand sieht in dem wirtschaftlichen Aspekt Killinger zufolge ohnehin „kein Kriterium“ für die Auszeichnung. Raubals Einsatz für das Grundgesetz hat die Mitglieder einfach überzeugt. Offenbar finden sich nicht viele Bürger, denen dies gelingt.

1988 hat der HU-Regionalverband München erstmals den undotierten Preis „Aufrechter Gang“ vergeben, seitdem zwölfmal – zuletzt 2008. „Wenn sich niemand anbietet, verleihen wir ihn nicht“, betont Killinger.

Ein Blick auf vergangene Preisträger zeigt: Raubal befindet sich in beeindruckender Gesellschaft. 2008 erhielt Christiane Ernst-Zettl die Auszeichnung. Als Stabsfeldwebel im Sanitätsdienst der Bundeswehr wurde sie 2005 durch ihre pazifistische Einstellung während des Afghanistankrieges bekannt. Sechs Jahre zuvor überreichte die HU den Preis an Dr. Winfried Maier. Bei der Staatsanwaltschaft Augsburg hat der Jurist maßgeblich zur Aufdeckung politischer Korruptionsfälle beigetragen, unter anderem ermittelte er im Steuerstrafverfahren gegen den Lobbyisten Karlheinz Schreiber. Doch auch überregional kaum bekannte Bürger finden sich darunter. Wie Anneliese und Klaus Lintzmeyer, die sich gegen den Bau der Mc-Donald’s-Filiale am Irschenberg eingesetzt haben.

Im September wird Raubal die kleine, grüne Kaktus-Figur, die das Grundgesetz unter dem Arm trägt, im Eine-Welt-Haus in München verliehen. Der Garmisch-Partenkirchner weiß auch schon, wer die Laudatio halten wird: York Runte vom Aktionsbündnis „Stop G7 Elmau“, der das Camp vor Ort mitorganisierte. Nur wo er den stachligen Ehrenpreis aufstellt, das weiß Raubal noch nicht. „Aber da finde ich schon einen geeigneten Platz.“

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