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Stolz verkündet CSU-Minister Markus Söder im April: Die Verwaltung der Königsschlösser kommt nach Garmisch-Partenkirchen, die Räume sind schon gemietet.

Nach Kritik an Markus Söders Behördenverlagerung

Aussenstelle der Bayerischen Schlösserverwaltung: Drei Mitarbeiter wohl schon da

Garmisch-Partenkirchen - Die Kritik an Bayerns Behördenverlagerung ist nicht zu überhören. Sie kommt aus den Medien und der Opposition. Garmisch-Partenkirchen und seine Königsschloss-Verwaltung dient gerne als Beispiel, dass sie nicht funktioniert. Ds kann man so pauschal nicht stehen lassen.

Mitarbeiter des TV-Satiremagazins „quer“ haben geklingelt – keiner hat sich gemeldet, keiner hat aufgemacht. Ein Journalist der Süddeutschen Zeitung hat geklingelt – keiner hat aufgemacht. Tagblatt-Kollegen haben geklingelt – wieder bleibt die Tür zu. Tina Dangl zuckt nach diesem kleinen Feldversuch an der Außenstelle der Bayerischen Schlösserverwaltung in Garmisch-Partenkirchen mit den Schultern. Termine, gleitende Arbeitszeiten – der Sprecherin des Finanzministeriums fallen ein paar Gründe ein, warum an der Bahnhofstraße niemand auf das Klingeln reagiert. Daraus nun zu schließen, dass dort keiner arbeitet – Blödsinn.

Genau das aber stellte „quer“ in einem Fernseh-Beitrag in Frage. Aufhänger ist die Behörderverlagerung des Freistaats, die sich Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) auf die Fahnen geschrieben hat. Und dabei hakt’s an allen Ecken und Enden, behaupten „quer“ und Süddeutsche Zeitung. Ein gutes Beispiel für sie: Garmisch-Partenkirchen.

3250 Euro Warmmiete für die 250 Quadratmeter

Das Schild ist montiert, erreichbar ist niemand.

Im April dieses Jahres hat Söder freudig vor Ort verkündet Im ersten Stock der Hauptpost entsteht besagte Außenstelle, die zugleich als zentrale Verwaltung für die Schlösser von König Ludwig II. wie Linderhof und Neuschwanstein fungieren soll. Ein Schild hatte er mitgebracht, das wurde gleich angeschraubt. Seitdem bezahlt der Freistaat 3250 Euro Warmmiete für die 250 Quadratmeter im ersten Stock. Dort, wo quer, SZ und Tagblatt vergeblich Mitarbeiter gesucht haben. Die aber sind bereits da, versichert das Finanzministerium. Zwei seit Ende Oktober, der dritte seit Dienstag. „Und damit liegen wir absolut im Zeitplan,“, sagt Dangl.

Die Behördenverlagerung ist auf zehn Jahre angelegt, bis 2025 soll sie in ganz Bayern umgesetzt sein. Das bedeutet: Dann sollen alle 64 Projekte mit 3155 Personen, darunter 2225 Arbeits- und 930 Studienplätze, abgeschlossen sein. Bewusst wurde ein so langer Zeitraum gewählt: „Niemand wird zwangsversetzt, alle kommen freiwillig“, betont Cornelia Mayr, ebenfalls Sprecherin im Finanzministerium. „Wir wollen keine Hauruck-Aktionen.“

Bauzeichner braucht Hochleistungs-Datennetz

Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist in dreifacher Hinsicht betroffen: Nach Mittenwald soll das Eichamt mit zehn Mitarbeitern umziehen(siehe unten), in Garmisch-Partenkirchen sollen am Ende 20 Beschäftigte sitzen, zehn in der Außenstelle, zehn in einem Zentraldepot der Schlösser- und Seenverwaltung, das es noch nicht gibt. Für alle drei Fälle besteht kein konkreter Zeitplan, nur die nächsten neun Jahre als Richtschnur. Wann also beispielsweise die Schreibtische vier und fünf an der Bahnhofstraße aufgebaut werden, weiß niemand. Cornelia Mayr aber erklärt, weshalb Mitarbeiter drei nicht früher kam.

Als Bauzeichner kümmert er sich um die vielen Bau- und Sanierungsarbeiten in den Schlössern. Für die Datenübertragung benötigt er Mayr zufolge ein Hochleistungsnetz sowie eine sichere Leitung. Die Infrastruktur einzurichten, sei nicht einfach, ist nun aber offenbar gelungen.

Vorerst kein Kundenkontakt und keine Telefonnummer 

Apropos Netz: Erreichbar sind die Mitarbeiter der Außenstelle nicht, zumindest nicht auf direktem Weg. Der nicht repräsentative Klingel-Versuch scheiterte bekanntlich. Doch auch eine Telefonnummer für das Büro in Garmisch-Partenkirchen lässt sich nicht finden. Dafür hat Ministeriumssprecherin Mayr ebenfalls eine Erklärung: Anfragen von außen laufen weiter über die Münchner Zentrale – Kundenkontakt und Besucherverkehr gehören, zumindest aktuell, nicht zum Konzept. Die Außenstelle sei nicht als Tourist-Info geplant.

Wie es auf den 250 Quadratmetern aussieht, wissen wenige. Ein Foto lehnt das Ministerium auf Tagblatt-Anfrage ab, man wolle ein wenig Ruhe einkehren lassen. Bald werde es aber eine Gelegenheit zum Besuch vor Ort geben.

Florian Streibl: Behördenverlagerung „reine Lachnummer“

Den dürfte auch der Oberammergauer Landtagsabgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler) gerne wahrnehmen. Er nutzt unter anderem die Presseberichterstattung als Anlass für harsche Kritik an Söder. In einer Mitteilung bezeichnet er den CSU-Minister als „Illusionskünstler“, die Behördenverlagerung im Landkreis empfindet Streibl als „reine Lachnummer“.

Über kritische Fernseh- oder Zeitungsberichte regt sich Ministeriumssprecherin Dangl nicht auf, genauso wenig wohl über Kritik aus der Opposition. Eines aber bedauert sie: Im ersten Jahr sei viel passiert, das Gesamtkonzept befinde sich auf einem guten Weg. „Und da finde ich es schade, wenn das in den Dreck gezogen wird.“

Katharina Bromberger

Eichamt und Zentraldepot: Standortsuche läuft

Das Eichamt zieht mit zehn Mitarbeitern nach Mittenwald, das Zentraldepot der Schlösserverwaltung ebenfalls mit zehn Beschäftigten nach Garmisch-Partenkirchen. Das verkündete Finanz- und Heimatminister Markus Söder im April. Damals suchten die Verantwortlichen nach Standorten. Daran hat sich nichts geändert. Für das Zentraldepot rechnet das Finanzministerium mit einem Raumbedarf von mindestens 2000 Quadratmetern. Nach wie vor prüfe man „alle staatlichen und privaten Bestandsimmobilien“, teilt Sprecherin Cornelia Mayr auf Nachfrage mit. Etwas Geeignetes war bislang nicht dabei. Einen Neubau hatte Söder nicht ausgeschlossen, doch dazu äußert sich das Ministerium aktuell nicht. Für das Eichamt in Mittenwald ist das Bayerische Wirtschaftsministerium zuständig. Der Sachstand ist ein ähnlicher. „Wir haben noch nichts gefunden, kein Gebäude und keine Flächen sind in der engeren Auswahl“, sagt ein Sprecher. Aber er verspricht: Bis 2025 ist der Umzug abgeschlossen. „Den Zeitplan werden wir einhalten.“ (kat)

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