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Athleten wie Fritz Dopfer werden weiterhin im Olympiastützpunkt in Garmisch-Partenkirchen trainieren. Auch wenn Stützpunkte in Deutschland geschlossen werden sollen – die Münchner Außenstelle dürfte nicht betroffen sein.

Nach Schliessungsplänen des Ministeriums: Garmisch-Partenkirchen bleibt

Das System Olympiastützpunkt

Garmisch-Partenkirchen - Die Olympiastützpunkte von 19 auf 13 zusammenzustreichen: Laut denkt das Bundesinnenministerium darüber nach. Garmisch-Partenkirchen ist wohl nicht betroffen. Das System läuft gut, sagen die viele. Nur wie funktioniert das System überhaupt?

Heinz Mohr sieht erheblichen Verbesserungsbedarf. 

Wahrscheinlich hat Heinz Mohr irgendwo einen Schalter. Den legt’s automatisch um, wenn er das Stichwort Olympiastützpunkt oder wahlweise die Abkürzung OSP hört. Zwischen 1990 und 2011 hat er diesen in Garmisch-Partenkirchen geleitet – und der OSP-Schalter ist alles andere als eingerostet, setzt sofort Leidenschaft und Adrenalin frei. Das hat sich im Tagblatt-Gespräch wieder gezeigt. Darin machte er jetzt klar: Es müsse sich etwas ändern, die Zentrale in München missachtet in seinen Augen nach wie vor die Bedeutung des Wintersports in Bayern, dafür müsse sich dessen Leiter mehr einsetzen. Namentlich Klaus Pohlen, seit 2004 im Amt und – darauf weist Mohr ausdrücklich hin – als ehemaliger Kajak-Bundestrainer ein Sommersportler.

„Dass wir den Wintersport unterrepräsentieren, ist Quatsch“

Der kennt Mohrs Ansichten aus sieben Jahren Zusammenarbeit. Regelmäßig dürfte es in dieser Zeit gekracht haben. Das wirkt nach. „Wir sind nicht im Guten auseinandergegangen“, sagt Pohlen. Er würdigt Mohrs Verdienste als ehemaliger Alpin-Trainer der Damen und als Stützpunktleiter, seine Meinung aber teilt er nicht. „Dass wir den Wintersport unterrepräsentieren, ist Quatsch.“

Anlass für den kleinen Mohr’schen Ausbruch ist das Eckpunkte-Papier, das das Bundesinnenministerium zur Reform der Leistungssportförderung vorgelegt hat. Viel wurde darüber diskutiert, dass die Verantwortlichen die Medaillen in den Fokus rücken. Dass das Potenzial der Athleten über die finanzielle Hilfe entscheiden soll, nicht der Erfolg bei vergangenen Olympischen Spielen. Weniger debattiert wurde darüber, dass Trainingsstützpunkte geschlossen und zentraler organisiert werden sollen: Statt 19 soll es nur noch 13 Olympiastützpunkte geben. München mit der Außenstelle Garmisch-Partenkirchen steht hier nicht zur Diskussion. Darin sind sich alle Beteiligten einig. Vor allem aus zwei Gründen.

Alleinstellungsmerkmal: Trainingsmöglichkeiten für Speed

Bruno Vogt findet: Die Zusammenarbeit mit München läuft gut.

Zum einen ist der OSP in der Marktgemeinde zugleich alpiner Bundesstützpunkt des Deutschen Skiverbands (DSV). Mit dem Gudiberg und der Kandahar bietet der Standort Trainingsmöglichkeiten für jede Disziplin, auch für Speed. Ein Alleinstellungsmerkmal. Zum anderen ist die Zentrale in München der einzige OSP-Standort in Bayern. Der dürfte nicht wegfallen. Ähnlich denken die Verfasser des Eckdatenpapiers. In einer Erläuterung heißt es: ein Olympiastützpunkt pro Bundesland. In Baden-Württemberg würden also drei Stützpunkte schließen, in Nordrhein-Westfalen zwei, in Sachsen einer. Bayern mit seinen Regionalzentren Allgäu, Chiemgau/Berchtesgadener Land und Nürnberg sowie den Außenstellen Augsburg und Garmisch-Partenkirchen bleibt. Das bayerische System habe Alfons Hörmann, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, „ausdrücklich gelobt“, sagt Pohlen.

Im Gespräch wirkt er keineswegs wie ein Wintersport-Ignorant. Ohne dass er von der Mini-Attacke aus Garmisch-Partenkirchen weiß, verweist er auf dessen Bedeutung. Immerhin kommt ein Großteil der Medaillen der vergangenen Winterspiele aus dem Freistaat, auch ein Verdienst der „starken Stützpunkte“, betont Pohlen. „An ihnen führt kein Weg vorbei.“

Ausgaben für die Verwaltung reduzieren

Vertreter der deutschen Standorte, darunter aus München, waren in die Arbeit am Papier des Ministeriums eingebunden. Die Ergebnisse haben Pohlen daher nicht überrascht. Einige Passagen begrüßt er ausdrücklich. Etwa das Ziel, Ausgaben für den Verwaltungsapparat zu reduzieren. Als ehemaliger Athlet „ist es mir ein Gräuel, wenn so viel Geld in der Verwaltung hängt. Stinkt es nicht nach Schweiß, läuft etwas falsch“.

Dafür soll die Münchner Zentrale sorgen: Dass in den Außenstellen trainiert werden kann. „Wir halten die administrativen Aufgaben möglichst von ihnen fern.“ Abrechnungen laufen über die Zentrale, sie bezahlt auch das Personal. Garmisch-Partenkirchen mit seinen zweieinhalb Stellen nimmt hier als DSV-Bundesstützpunkt eine Sonderstellung ein: Trainingswissenschaftler Max Rieder bekommt seinen Lohn aus München und damit über das jährliche Budget aus dem Bundesinnenministerium (finanzielle Zuwendungen siehe unten). Die Halbtageskraft, eine Sekretärin, und den Leiter übernimmt der DSV.

Vogt findet: Die Zusammenarbeit mit München läuft gut

2014 hat Bruno Vogt dieses Amt übernommen. Harte Auseinandersetzungen mit München gehören offenbar der Vergangenheit an. Vogt findet: Die Zusammenarbeit läuft gut. Ohne Wenn und Aber. Luft nach oben gebe es freilich immer. Das gilt vor allem für das Thema Geld und Investitionen, um die die einzelnen Stützpunkte konkurrieren. Für den laufenden Betrieb fließen jedes Jahr 50 000 Euro an finanzieller Zuwendung aus dem Ministerium nach Garmisch-Partenkirchen. Für den Bauunterhalt kommt die Gemeinde auf.

Wer den OSP schon einmal besucht hat, weiß: In die Infrastruktur könnte man viel Geld stecken, um einen modernen Stützpunkt zu schaffen. Da lacht Vogt nur. Er findet: „Ich denke, wir holen mit dem, was wir haben, richtig viel raus.“ Er weiß um die finanzielle Situation der Gemeinde. So freut er sich über Kleinigkeiten. Etwa darüber, dass endlich der Boden saniert wurde. Gut 12 300 Euro hat der die Gemeinde gekostet. „Sehr schön“, findet Vogt. Sein Stützpunkt-Schalter setzt Bescheidenheit frei.

Katharina Bromberger

Die Stützpunkt-Finanzierung

Das Finanzierungskonstrukt der 19 deutschen Olympiastützpunkte ist kompliziert. Die wichtigste Quelle ist das Bundesinnenministerium. 2015 bewilligte Berlin knapp 32,3 Millionen Euro. Der Haushaltsansatz für 2016 beträgt laut Sprecherin rund 31,77 Millionen Euro. Etwa ein Zehntel davon erhält der bayerische OSP: Im Haushaltsjahr 2015 flossen nach München rund 3,77 Millionen Euro. 2016 wurden 3,16 Millionen genehmigt. Die entspricht 80 Prozent der finanziellen Förderung, 20 Prozent schießt der Freistaat zu. Die Außenstelle Garmisch-Partenkirchen erhält von den Bundesmitteln jährlich 50 000 Euro. Für Unterhalt und Investitionen ist der Markt als Gebäudeeigentümer zuständig. 2015 gab er knapp 10 000 Euro aus, 2016 fast 7800. Hinzu kamen rund 12 300 Euro für den neuen Boden. Weitere größere Arbeiten stehen laut Sprecher Florian Nöbauer nicht an. 

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